Haben Sie sich schon einmal Gedanken um die Dieselquote in unserem Heft gemacht? Nein? Dann zählen Sie doch einmal nach. Jede Wette, mehr als zehn Seiten je Ausgabe werden Sie selbst mit News-Meldungen und Zukunftsstrecken nicht zusammenblättern. Doch bitte nicht falsch verstehen! Im Prinzip sind Selbstzünder eine wunderbare Sache; immer vorausgesetzt natürlich, man präsentiert sie im passenden Rahmen. Eingehüllt in die moderne Hochbau-Architektur eines X5 M50d zum Beispiel; oder im Porsche-typischen Bug eines ansonsten nicht ganz so Porsche-typischen Cayenne S Diesel. Hier werden sie ihrer Bestimmung gerecht, trotzen großer Masse mit noch mehr Drehmoment und entfalten eine Souveränität, wo Benziner nur Hektik stiften würden. Problem: Um die Ölbrenner auf Leistungswerte nahe der 400 zu bringen, betreiben schon die Hersteller enormen Aufwand. Porsche musste dem 4,1-Liter-V8 erst neue Kolben und Ventile einsetzen, ehe man weiter am Ladedruck schrauben konnte.
AC Schnitzer X5 M50d
Schnitzer modulierte den BMW X5 im Stil eines etwas freizügigeren M-Pakets.
Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
AC Schnitzer X5 M50d Und BMW schaltet seinem Reihensechser nicht weniger als drei Turbos vor, um 127 PS aus je einem Liter zu pressen. Da fragt man sich schon, wie viel Luft noch fürs Tuning bleibt … "So gut wie keine", antwortet AC Schnitzer-Entwicklungsleiter Roman Fenners und nennt das Kind damit bereits beim Namen. Denn der Reihensechser von BMW wacht mit Argusaugen über seine maximal 2,9 Bar Ladedruck, weshalb an dieser Schraube kaum zu drehen ist. Schnitzer programmiert die Mehrleistung daher über die Einspritzmenge, womit man immerhin 49 PS und 100 Newtonmeter findet. Ergibt rein mathematisch 430 PS und 840 Newtonmeter – und strategisch genug Power, um die hauseigene 2014er-Kollektion am Blech standesgemäß zu inszenieren. Diese versteht sich einmal mehr als tunerseitiges M-Paket. Ein Federnsatz staucht den Arbeitsweg der serienmäßigen Adaptivdämpfer vorn um 30, hinten um 20 Millimeter. 22-Zöller mit breitflächiger Mischbereifung (295/30 vorn, 335/25 hinten) erden das 2,3-Tonnen-Schiff, während Front- und Heckschürze samt zweiflutiger Abgasanlage wirkungsvoll am Auftritt feilen.
Techart Cayenne S Diesel
Techart baute die Front nach Vorbild des Cayenne Turbo um.
Bild: Aleksander Perkovic / AUTO BILD
Techart Cayenne S Diesel Tuner Techart baut am Cayenne wesentlich umfangreicher herum, kreiert dabei allerdings kaum mehr Dramatik. Klingt nach Mogelpackung – zumal das Karosserie-Ensemble mit 25.362 Euro nicht gerade günstig kommt –, erklärt sich letztlich aber über das Angebotsspektrum. Denn Techart positioniert das Bodykit bewusst als optischen Gegenpol zur Magnum-Serie. Ein Hauch Turbo-Optik, neues Spoilerwerk, eigenständige Scheinwerfergrafiken, Zierblendenschmuck und die obligatorischen 22-Zöller mit 295er-Reifen rundum, fertig ist das "Aerodynamik Kit I", das optisch ganz Porsche bleibt, obwohl es zu hundert Prozent von Techart stammt. Auch die Leistungssteigerung auf 460 PS und 1000 Newtonmeter (Serie: 382 PS, 850 Newtonmeter) suggeriert tiefgreifende Hardware-Eingriffe; tatsächlich legt jedoch auch Techart das Leistungsplus rein elektronisch frei. Im Gegensatz zu AC Schnitzer schreibt der Leonberger Tuner direkt ins Motormanagement, wobei nicht nur Einspritzzeiten, sondern auch Rail- und Ladedruck erhöht werden. Rein längsdynamisch erschafft Techart damit eine Art Power-Cruiser mit Nachbrenner. Der 4,1-Liter-V8 bleibt ganz dem mittleren Drehzahlbereich verbunden, überschüttet diesen aber mit so abartig viel Drehmoment, dass man ihn trotz 2,3 Tonnen und Allrad manchmal sogar zügeln muss.

Fazit

von Manuel Iglisch
Nach Punkten könnte das Rennen nicht enger ausgehen. Beide Tuner helfen der Längsdynamik gehörig auf die Sprünge, wobei Techart mit einer grandiosen Leistungssteigerung nochmals bessere Werte herausfährt. Schnitzer findet dagegen den überzeugenderen Spagat zwischen 22-Zoll-Besohlung und Handling, eliminiert dadurch den querdynamischen Vorteil des Cayenne. Optisch kreiert der BMW-Tuner mit weniger Aufwand ähnliche Dramatik, während beide Tuningkits im Alltag nahezu keine Einschränkungen fordern. Sieg für Aachen? Nicht ganz! Aber ein faires Remis.