Schuldig, ich bekenne mich dazu, eine Leidenschaft für Tuning zu haben. Ich liebe es, wie Menschen sich bis ins kleinste Detail mit ihren Autos beschäftigen. Wie sie tüfteln, schrauben und optimieren, bis das Fahrzeug nicht nur einzigartig aussieht, sondern auch eine individuelle Handschrift trägt. Natürlich gehen die Geschmäcker auseinander – und das ist auch gut so.
Persönlich stehe ich weniger auf extreme Tieferlegung mit Luftfahrwerk oder verspielte Umbauten, die kaum noch fahrbar sind. Für mich liegt der Reiz in zeitgenössischem Tuning der 80er, 90er und frühen 2000er. Die Performance zu verbessern, alles legal, abgenommen und eingetragen.

Sonderausstellung "Faszination Tuning – VW vs. Opel"

Umso mehr begeistert es mich, dass das Technik Museum Sinsheim jetzt die Sonderausstellung "Faszination Tuning – VW vs. Opel" eröffnet hat. Hier treffen die Rivalen VW und Opel in einer Sammlung aufeinander – von den Klassikern der 70er bis hin zu modernen Umbauten, die die Geschichte des Tunings erzählen.
Breitbau ist längst wieder im Trend, und auch die Farbkombination bekommt heute wieder einen Daumen hoch.
Bild: Hersteller
Mehr als 100 Fahrzeuge sind zu sehen, darunter Klassiker wie der VW Golf GTI und der Opel Kadett, die bis heute die Faszination der Szene widerspiegeln. Die Ausstellung beleuchtet die Entwicklung des Tunings – von den improvisierten Modifikationen der frühen Tage bis hin zu den komplexen Umbauten der Gegenwart.

Die dunkle Seite des Tunings

Doch während in Sinsheim die technische Kreativität gefeiert wird, zeigt sich andernorts ein anderes Bild. In meiner Heimatregion Bad Oeynhausen (NRW) eskalierte kürzlich ein illegales Tuning-Treffen, das über Social Media organisiert wurde. Über 1000 Teilnehmer und Tausende Schaulustige blockierten den Parkplatz eines Einkaufszentrums.
Neben dem Zeigen der Autos ging es schnell in die Extreme: heulende Motoren, Beschleunigungen, Burn-outs und Feuerwerkskörper. Die Polizei musste Verstärkung anfordern und schließlich die Zufahrten sperren, um das Chaos einzudämmen. Diese Veranstaltung hatte mit echtem Tuning nichts zu tun.
Für mich war das nicht "Fast & Furious", sondern "Dumm & Dümmer". Dieser Vorfall zeigt eine traurige neue Rivalität: Tuner vs. Auto-Poser. Die einen leben ihr Hobby aus Leidenschaft und Respekt, oft über Jahre hinweg. Sie investieren in Technik, Design und Individualität – kurz, sie lassen das Auto für sich sprechen.
Die anderen, die Poser, interessieren sich nur für Show und Klicks. Sie besetzen Innenstädte und Parkplätze, oft ohne Rücksicht auf Verluste. Während echte Tuner die Verantwortung und die technische Raffinesse ihres Hobbys schätzen, sind den Posern Respekt und Gemeinschaft egal. Es geht ihnen um Selbstdarstellung und Reichweite auf Social Media. Das Auto ist da nur Mittel zum Zweck.

Essen Motor Show ein Highlight

In wenigen Tagen öffnet die Essen Motor Show – ein echtes Highlight für alle, die Tuning als kreative und technische Leidenschaft sehen. Auf diese Messe freue ich mich schon jetzt – und hoffe inständig, dass sie frei bleibt vonPosern, die das Bild des Tunings in der Öffentlichkeit weiter beschädigen könnten. Denn über diese neue Rivalität zwischen Tunern und Posern werden wir, anders als über das alte Duell VW vs. Opel, in ein paar Jahren nicht lachen können.