Die Geschichte von Vaning beginnt wie so viele Geschichten über Mobilmacher: mit einem Bulli. Genauer gesagt mit einem T5, in dem Dennis Sawadsky sein Motorrad zur Rennstrecke transportieren und vor Ort übernachten wollte. "Arbeitgeber werden, das hatte ich eigentlich nie vor“, erzählt der 37-Jährige, von Beruf ursprünglich Bauingenieur, während er uns durch die von Tageslicht durchflutete Produktionshalle führt.
"Immer mehr Leute kamen auf mich zu und fragten nach dem Bulli. Und plötzlich ging es los. Der erste Auftrag kam, dann der zweite. Da habe ich festgestellt: Ich muss meinen bisherigen Job kündigen.“ Außerdem musste eine CNC-Fräse her, mit der Dennis Sawadsky seine Möbelteile akkurat zurechtschneiden konnte. „Ich kannte da zwar jemanden mit einer Fräse, doch da konnte ich nicht lange arbeiten. Von dem Bekannten habe ich dann Aarons Nummer bekommen.“
Hier testet der Chef selbst. Dennis Sawadsky war mit dem Prototyp des B4 mehrere Wochen in der Elternzeit unterweg.
Bild: Privat

Aaron Rauh, der zweite Chef, Industriedesigner und der kreative Kopf bei Vaning, hatte zu diesem Zeitpunkt ein Designbüro und eine Prototypenwerkstatt im Hamburger Hafen. Und besagte CNC-Fräse. "Das war ein halbes Jahr nach Firmengründung. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, und er hat mir spontan eine Arbeitsfläche in der Halle angeboten. Die ersten fünf Monate haben wir nur nebeneinander gearbeitet. 2017 haben wir beschlossen, die Firmen zusammenzuwerfen. Und mal zu gucken, was draus wird“, erzählt Dennis.

Vaning zieht um

Knapp sechs Jahre später ist daraus ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern geworden, das im letzten Jahr in eine größere Halle ziehen musste, weil der alte Standort im Hafen aus allen Nähten platzte. Das hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun, die die Nachfrage nach Campingfahrzeugen in ungeahnte Höhen trieb.
Das Modell auf VW Crafter ist der erste Kastenwagen von Vaning und alles andere als klassisch.
Bild: Vaning

Mit "Allrounder“, "Minimalist“ und "Klassiker“ bietet Vaning drei Konzepte an, die zum Teil gemeinsame Elemente, aber unterschiedliche Grundrisse haben. 70 bis 80 Prozent der georderten Vaning sind Allradfahrzeuge. Hinzu kommt der Prototyp B4, der erste Kastenwagen auf Basis des VW Crafter.

Genug zu tun trotz Lieferproblemen

"Wir wurden immer wieder nach einem größeren Fahrzeug gefragt. Also haben wir es ausprobiert“, sagt Dennis Sawadsky. Und das meint er wörtlich, denn der 37-Jährige war direkt nach der Fertigstellung mit dem B4 mehrere Wochen mit Frau und Kind in der Elternzeit unterwegs. "Da fallen uns Dinge auf, die theoretisch zwar gut sind, für die Praxis aber noch optimiert werden müssen.“
Auch an Vaning geht die Lieferproblematik nicht vorbei. Viele Möbelteile warten auf ihr Fahrzeug.
Bild: Jenny Zeume

Auch Vaning hat bei neuen Bullis mit Lieferproblemen zu kämpfen. Doch da in Linau (Schleswig-Holstein) auch gebrauchte Busse wie VW T5 oder T6 ausgebaut werden und die Firma außerdem mit DreamCruiser in Süddeutschland und Two Stories in der Schweiz auch zwei Partnerbetriebe hat, ist für die Monteure genügend zu tun.
Bleibt die Frage: Was wäre mit einem anderen Basisfahrzeug? "Theoretisch können wir Vans von Mercedes, Ford und der PSA-Gruppe ausbauen. Dafür haben wir aber gerade keine Kapazitäten. Mal sehen, was die Zukunft bringt“, sagt Dennis Sawadsky. Aber vorher müssten die neuen Modelle den Campingtest der beiden Chefs bestehen.
In einer separaten Halle werden die Aufstelldächer auf die Bullis montiert.
Bild: Jenny Zeume

Firmeninfo Vaning

Bis Anfang 2022 war die Firma Vaning unter dem Namen Bullifaktur bekannt. Im letzten Jahr folgte der Umzug in die neue, deutlich größere Produktionshalle in Linau nahe Hamburg. Die reinen Ausbauten (ohne Fahrzeug) von Vaning starten bei 15.000 Euro für das Modell Minimalist. Mehr Infos unter www.vaning.de.