Rennwagen sehen sonst anders aus, die haben kein Bett, Bad und Herd dabei, wenn sie um den Lausitzring pfeifen, sodass selbst uns der Anblick surreal vorkam: Wohnmobile auf der Rennstrecke! Statt artgerecht daneben im Fahrerlager oder auf den umliegenden Campingplätzen. Doch es gibt Urlauber, die dahin vordringen möchten, wo es eng und kurvig wird, die Seealpen etwa oder die Cinque Terre. Weshalb wir unsere Kandidaten in die Kurven gezwungen haben, ihnen die Ideallinien gezeigt haben und sogar – jawohl – die Driftwinkel. Das ESP kam jedenfalls tüchtig ins Schwitzen, und die Reifen fühlten sich wie backbereite Waffeleisen an. Alles zum Wohle von Fahrsicherheit – und dem Überstehen von kritischen Situationen. Getestet haben wir den VanTourer 630 von EuroCaravaning, den Hobby Siesta V65 GE V Edition und einen VW T5 California.
Im Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile

VanTourer 630: Die Villa mit dem Bums

EuroCaravaning VanTourer 630
Der VanTourer 630 von EuroCaravaning auf Basis des Fiat Ducato mit langem Radstand.
Das ist er: Eine als Fiat Ducato-Kasten getarnte Villa mit langem Radstand und 150 Pferden, sehr unauffällig also. Erstaunlich, was man darin alles unterbringen kann. Längsbetten hinten, wegklappbar für einen gewaltigen Laderaum, der auch ein Motorrad fasst, davor ein Badezimmer mit Rondell-Dusche, dann Küche und Sitzgruppe. Davor Drehsitze, die wir in Fahrtrichtung bringen.
So fährt er: Wie ein Lieferwagen, das heißt mit seinen 150 PS ist er trotz der 3,5 Tonnen Kampfgewicht ziemlich agil, aber auch nutzfahrzeugtypisch laut. In der Kurve untersteuert er radikal bei leichtgängiger bis gefühlloser Lenkung. ESP und ASR haben Schwerstarbeit zu leisten, weil die Vorderräder schnell an ihre Grenzen kommen. Mithilfe dieser Assistenten lässt er sich jedoch sicher beherrschen, viel Spaß macht das Schnellfahren freilich nicht. Das liegt vor allem am langen Radstand und den Ganzjahresreifen. Daher ist er etwas langsamer auf der Runde als der schwächere Hobby.
Das hat er: Jede Menge Stauraum, vor allem im Ladeabteil unter den Betten, dazu reichlich Oberschränke. Gute Verarbeitung, etwa die Schubladen mit soliden Möbelscharnieren. Toll ist die mittige Runddusche mit ihren runden Schiebetüren, der schicken LED-Beleuchtung und der dahinter versteckten Toilette und dem Waschbecken. Nachteil ist, dass bei geöffneter Rotunde im Durchgang zwischen Schlafraum und Sitzgruppe der Duschboden-Rost bleibt. Die Ausstattung ist hochwertig mit elektrischer Einstiegsstufe, Insektenschutz, großem Kleiderschrank und vielen gescheiten, praxisgerechten Details.

Hobby Siesta V65 GE V Edition: Der Kompakte mit Sport-Flair

Hobby Siesta V65 GE V Eidition
Ebenfalls auf Fiat-Ducato-Basis: das teilintegrierte Wohnmobil Hobby Siesta V65 GE V Edition.
Das ist er: Ein Teilintegrierter auf Fiat Ducato, allerdings im Gegensatz zum VanTourer mit Normalradstand und nur 130 PS. Im Programm von Hobby ist er die sportive Variante für den viel fahrenden Urlauber, der ganze Komfort also ein wenig verdichtet. Zwei bis drei Personen reisen üppig ausgestattet mit komfortablem Waschraum. Der Siesta steht schon auf der jüngsten Generation des Fiat Ducato, was den Nachteil schlechter abzulesender Instrumente bedeutet, dafür ein weiterentwickeltes ESP mit Überschlagsverhinderung und Berganfahrhilfe.
So fährt er: Obwohl 20 PS weniger als der VanTourer, fühlt er sich leichtfüßiger an, weil er mit dem kürzeren Radstand behänder durch die Kurven wankt, trotz markanter Untersteuertendenz. Am Ende ist er aber knapp langsamer als der andere Ducato im Test. Zweifellos wäre er mit dem 148-PS-Triebwerk schneller als sein Kontrahent. Auch beim Slalom macht er seine Sache ganz gut. Die neue Ducato-Lenkung ist jedoch noch leichtgängiger und gefühlloser geworden. Mit seinem ängstlichen ESP bleibt aber alles sicher.
Das hat er: Viel an Bord. Alle Seitenfenster mit Verdunkelung und Mückenschutz, LED-Lampen, großer, beleuchteter Kleiderschrank, Kühlschrank mit Tiefkühlfach, Dreiflammenkocher, Kaltschaummatratze, Kassettentoilette, Truma-Heizung – alles ab 44.490 Euro. Gegen Aufpreis gibt es das Starter-Paket für 2395 Euro, mit Insektenschutz für die Aufbautür, Sonnenmarkise, Plissee-Verdunkelung im Fahrerhaus, beheiztem Abwassertank fürs Wintercamping sowie herausnehmbarem Teppichboden.

VW T5 California: Der Gepard unter den Elefanten

VW T5 California
Mit 180 PS ist der VW T5 California der Racer unter den drei getesteten Wohnmobilen.
Das ist er: Kommt man aus den beiden braven Konkurrenten, ist das wie der Eintritt in eine Designer-Lounge. Der VW-Geschmack entwickelte sich vom Volk fort, mit diesen edlen, minimalistischen Oberflächen. Zudem ist der Übergang aus den beiden Ducato in den California etwa wie von einer Turnhalle in die Umkleidekabine. Er ist so winzig im Vergleich, dennoch hat er vier Schlafplätze, Tisch und Schrank, allerdings keine Nasszelle.
So fährt er: Ja, wunderbar, mit 180 Diesel-PS ist er naturgemäß der Racer unseres Trios. Ein Gepard unter Elefanten. Leicht und handlich, exzellente Lenkung mit viel Rückmeldung, wenig Wankneigung, prima Bremsen. Aber ganz wie die Kollegen ist auch der VW ein braver Untersteuerer, also jederzeit sicher. Die Rundenzeiten waren natürlich die schnellsten im Vergleich. Unglücklich waren wir höchstens mit dem DSG-Getriebe, das in den Kurven im Grenzbereich immer seine eigene Meinung vom korrekten Gang hatte, der nicht immer mit der unsrigen korrespondierte. 
Das hat er: Edles Design, einige ganz praktische Lösungen wie den in der Schiebetür versteckten Klapptisch und die Campingstühle in der Heckklappe. Aber auch manch wenig Durchdachtes: Die fummeligen Schiebelamellentüren für einige der Schränke etwa, die noch fummeligere Höhenverstellung der Kofferraumunterteilung und der lahme elektrische Hubdachaufstellantrieb. So ganz werden wir den Verdacht nicht los, den California haben Designer entworfen, die sich doch lieber in schnieken Hotels als beim Camping aufhalten.Unser Test zeigt: Der VW California ist der König der Rennstrecke, das ist auch kein Wunder – und muss nicht gefeiert werden. Interessant ist vielmehr der Vergleich aller ermittelten Daten. Die zeigen etwa, dass auch der Hobby mit Aufbau und der Kastenwagen VanTourer flotte Slalomzeiten hinlegen, ohne in Schwierigkeiten zu geraten. Dennoch: Bitte nicht nachmachen, solche Übungen sind nur Sache versierter Testfahrer!

Fazit

Die Sache war klar: Auf der Rennstrecke gibt es kein rasanteres Mobil als den kleinen VW T5 California. Weshalb er auch eindeutig Sieger wurde. In der Camping-Realität geht es aber stets um einen Kompromiss zwischen der Handlichkeit des Reisewagens und seinem Wohnwert. Bei Letzterem sind die beiden auf Ducato dem VW weit überlegen. Und flott sind sie auch.