Sie leben hinter dichten Hecken oder hohen Zäunen und rollen auf Kies durch repräsentative Eisentore vor teure Vorstadtvillen: Nur wenige Autos symbolisieren den gehobenen Lebensstil besser als die beiden $(LB60017:Luxuscoupés von BMW und Jaguar)$. Willkommen in der Welt der Chefärzte, Stararchitekten, Topmanager und anderer Spitzenverdiener. Aber selbst die Jahreseinkommensliga jenseits der 200.000 Euro kennt eine Hierarchie. Auch Autos aus besserem Hause müssen mal klein anfangen. Darum gibt es sogar in der Klasse der verschwenderischen Fünfmeter-Coupés den Begriff "Einstiegsmodell", der fast zwangsläufig die Preisfrage in den Raum stellt. BMW verkauft seinen zweitürigen Luxus ab 65.100 Euro. Der 630i ist 12.800 Euro günstiger als der XK 3.5. Dafür hat der Jaguar-Junior alles an Bord, was bei BMW teuer erkauft werden muss. Automatik? Serie. Volllederausstattung? Serie. Edelholz? Serie. Sitzheizung? Alles Serie. DVD-Navigation? Auch Serie. Unterm Strich ist deshalb der 630i fast genauso teuer. In dieser Liga gewiss kein Grund für schlaflose Nächte.

Der Jaguar-V8 ist ein Fest für die Ohren

Bild: Christian Bittmann
Unruhige Träume könnte aber der prinzipielle Unterschied beim Antrieb verursachen. Bei 3,5 Liter Hubraum erwartet man eigentlich einen Sechszylinder, doch das, was unter der langen XK-Haube basslastig blubbert, ist unverkennbar ein V8. Und was für einer! Wer im Jaguar den feuerroten Startknopf auf der Mittelkonsole drückt, erlebt eine Sound-Orgie, die an gute alte Zeiten erinnert. Spätestens beim beherzten Tritt aufs Gaspedal bollert der Jaguar den stampfenden Beat von Stones-Drummer Charlie Watts. Ab 4000 Touren trommelt der XK so wild auf seine acht Pauken, dass der seidige Singsang des BMW-Sechszylinders zum braven Flötenchor verblasst. Was für eine Ouvertüre! Leider steckt weniger dahinter, als es der gewaltige Akustik-Bums vermuten lässt. Obwohl beide Modelle mit 258 PS die identische Leistung aufweisen, beschleunigt der 630i besser. Aus dem Stand auf 100 km/h ist er 0,7 Sekunden schneller, auf Tempo 200 sogar fast vier und auch seine Spitzengeschwindigkeit (250 km/h) liegt höher. Entscheidend ist das alles nicht. Schließlich sind die beiden Luxuscoupés keine reinrassigen Sportler, sondern edle Reisewagen mit viel Platz und praktischen Talenten. Beide Autos gelten als 2+2-Sitzer.

In Sachen Dynamik liegt der BMW klar vorne

Bild: Christian Bittmann
Für die große Tour zeigt sich der BMW besser gerüstet. Auf seinen Rücksitzen können tatsächlich zwei Passagiere Platz nehmen, während der XK-Fond nur winzige Schalen im Porsche-911-Format bietet. Überzeugen kann der 6er auch mit seinem Bedienkomfort. So schwingt der Heckdeckel per Knopfdruck selbsttätig nach oben, und der Kofferraum darunter schluckt bis zu 450 Liter Gepäck. Da kann und will der Jaguar nicht mithalten. Sein flacher Laderaum fasst 150 Liter weniger. Statt Kompromisse zu suchen, prahlt er mit Noblesse ohne separates Kofferabteil. Heckklappe und -scheibe sind eine Einheit, die geschlossen einen elegant-fließenden Rücken bildet. Der XK gebärdet sich als britischer GT-Traditionalist. Mit Erfolg. Beim flüchtigen Blick könnte er auch als Aston Martin durchgehen. Die Aluminium-Karosserie ist eine rundum gelungene Kreation. Nur leider hält das Leichtmetall nicht, was es verspricht. Mit fast 1,7 Tonnen Leergewicht ist der XK sogar um 60 Kilogramm schwerer als das große BMW-Coupé. Wozu also das Alu und seine aufwendige Niet- und Klebetechnik, wenn es auf der Waage keine Vorteile bringt? Denn mehr Leichtfüßigkeit würde dem Jaguar gut tun. Schnelle Richtungsänderungen und enge Kurven absolviert er spürbar schwerfälliger als der BMW. Schuld daran sind neben dem höheren Gewicht seine träge Lenkung sowie die vergleichsweise bedächtige Sechsstufen-Automatik.
Der BMW erreicht ein deutlich höheres Dynamik-Niveau. Sein Kraftfluss ist unmittelbarer, ja fast brutal. Motor, Getriebe und Hinterachse wirken wie verblockt und schieben das Coupé mit reichlich Nachdruck nach vorn. Obwohl er der schwächste Vertreter im 6er-Stall ist, fährt sich das Einstiegsmodell sportlich. Von Kraftdefizit keine Spur, dennoch will BMW aufstocken, von 258 auf 272 PS. Der Dreiliter-Reihenmotor also macht seine Sache perfekt. Zwar bietet er weniger Drehmoment als der Jaguar-Achtzylinder, dafür erreicht er seinen Höhepunkt schneller und hält länger durch. Schon bei 2500 Touren liegen 300 Newtonmeter an, oben raus ist er drehwilliger. Und auch beim Verbrauch hat er den Jaguar im Griff: 10,5 zu 11,4 Liter. Leider nur ein kleiner Vorteil, da der BMW für Spitzenleistungen auf teueres Super plus angewiesen ist. Ganz klar: Wer das fahraktivere Auto will, kommt am 630i nicht vorbei. Außerdem lässt er sich mit Aktiv-Lenkung (1200 Euro), Headup-Display (1340 Euro), Nachtsichtsystem (2000 Euro) und Abstandsradar (1850 Euro) aufrüsten – technische Leckereien, die der Jaguar nicht zu bieten hat. Dennoch ist der XK eine gute Alternative.
Denn dieses Auto hat Charakter und macht einen stimmigen Gesamteindruck. Seine muskulöse Karosserie und der beeindruckende Sound sorgen für einen souveränen Auftritt und dieses einmalige Gefühl, ein Auto mit Seele zu fahren. Üppig dekoriert versprüht der Innenraum genau jenen Charme, wie man ihn von einem Vertreter des englischen Autoadels erwartet – edles Leder, feines Holz und dicke Teppiche. Passend dazu wurde sein Fahrwerk abgestimmt. Im Vergleich zum eher steifbeinigen BMW rollt der XK auf Samtpfoten. Während der 630i Unebenheiten fast schon beleidigt mit hölzernen Stößen an seine Insassen weiterreicht, bringen den XK schlechte Straßen nicht aus der Ruhe. Querfugen pariert er mit der Gelassenheit eines Lords. So gesehen macht der Jaguar dem BMW mehr Konkurrenz, als es die Punktewertung ausdrückt. Wer einen stilsicheren XK 3.5 haben will, sollte sich beeilen. Lediglich 200 Exemplare haben die Briten für Deutschland geplant, 150 davon sind bereits verkauft. Kleiner Trost: Nächstes Jahr soll das XK Cabrio mit dem kleinen V-Acht erhältlich sein.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Das große BMW-Coupé überzeugt mit seinem souveränen Antrieb, exzellenter Fahrdynamik und ausreichend Nutzwert. Ein Siegertyp eben. Der Underdog aus England hat nach Punkten keine Chancen gegen den perfekten Bayern. Nach Bauch und Gefühl sieht die Sache anders aus: Der fast schon exotische Jaguar ist Sieger des Herzens, denn er zeigt das, was selten geworden ist: Seele!