Wo Mustang und M4 auftauchen, wittern Petrolheads echte Enthusiasten hinterm Steuer – erst recht, wenn die Gänge manuell verwaltet werden. Schließlich bringen moderne Automaten und Doppelkuppler selbst hartgesottene Schalt-Fans unter Rechtfertigungsdruck. Wer trotz des technischen Fortschritts noch selbst seine Gänge einlegt, macht das in der Sportwagenliga heute aus Überzeugung. Bleibt die Frage, wer uns hier zum Überzeugungstäter macht.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkFord Mustang
-14%

Ford Mustang

statt 76.500 EUR

65.951 EUR

Carwow Logo
Mit dem Mustang Dark Horse bietet Ford hierzulande ein Auto an, das wir in all seiner Ursprünglichkeit gar nicht mehr für möglich gehalten hätten – was sowohl die Abgasregulatorik als auch die Soundkulisse betrifft. So unverschämt, wie der Alublock-V8 aus den vier abgeschrägten Endrohren brüllt, müsste im US-TV vermutlich jeder zweite Gasstoß weggepiept werden.
Innen bleibt der Mustang ganz Mustang: spürbar einfachere, teils kratzempfindliche Materialien, eher weich gepolsterte Recaro-Sitze – aber dafür jede Menge Charme. Der digitale Tacho lässt sich im Stil eines 67er Modells animieren oder auch im Look der 90er. Dazu kommen zahlreiche digitale Zusatzinstrumente und so herrlich sinnbefreite Funktionen wie der Line-Lock zum Anbraten der hinteren Gummis.
Ford Mustang Dark Horse vs. BMW M4 Coupé
Der M4 wirkt leichtfüßiger, als man es knapp 1,7 Tonnen zutrauen würde. Das Übersteuern nutzt er zum Schnellsein.
Bild: Ronald Sassen
Der M4 gibt sich da deutlich technischer. Im Cockpit spannt sich das bekannte Curved Display über das Armaturenbrett, die Bedienung wirkt aufgeräumt, das Finish makellos. Spielereien gibt es im Detail ebenfalls. Der "M Drift Analyzer" bewertet die eigenen Eskapaden, mit dem Laptimer lassen sich Rundenzeiten stoppen. Gerade im direkten Vergleich fällt allerdings auf, dass BMW leider keine klassisch-runde Tachoansicht mehr bietet.
Motorbauart/Aufladung 
R6, Biturbo 
V8 
Ladedruck max. 
1,5 bar 
– 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/4 
Hubraum 
2993 cm³ 
5038 cm³ 
Leistung kW (PS) bei 1/min
353 (480)/6250 
334 (453)/6500 
Drehmoment Nm bei 1/min 
550/2650-6130 
540/5100 
Getriebe 
6-Gang manuell 
6-Gang manuell 
Antriebsart 
Hinterrad 
Hinterrad 
Maße L/B/H 
4794/2081/1393 mm 
4810/2080/1403 mm 
Radstand 
2857 mm 
2719 mm 
Tank-/Kofferraumvolumen 
59/440 l 
61/381 l 
WLTP-Verbrauch auf 100 km 
10,0 l Super Plus 
12,2 l Super 
Testwagenpreis (wird gewertet) 
113.550 Euro
74.800 Euro
Ansonsten hat der M4 dort, wo der Mustang Carbon-Look imitiert, gegen Aufpreis echte Kohlefaser im Cockpit, ein Dach aus selbigem ist ohnehin serienmäßig. Die ebenfalls optionalen schraubstockartigen Carbon-Schalensitze klemmen Fahrer und Beifahrer millimetergenau ein: perfekt fürs Kurvenräubern, weniger fürs schnelle Einsteigen oder dafür, während der Fahrt zum abgelegten Rucksack auf dem Beifahrersitz hinüberzugreifen. Kleiner praktischer Vorteil: Weil das Gestühl in der Lehne kompakter baut als normale Sportsitze, bleibt hinten etwas mehr Knieraum übrig. Aber wer will da schon sitzen?

Der BMW macht's dem Fahrer einfach

Dem Fahrer macht es der BMW leicht: Die Kräfte, die er braucht, um die Gänge zu wechseln und den Antriebsstrang von den Rädern zu trennen, fallen geringer aus. Einzig kleinere Menschen müssen nah ans Lenkrad rücken, weil die Kupplung einen recht langen Pedalweg aufweist. Zusammen mit der breit bauenden Mittelkonsole kommt man sich so schnell etwas eingeengt vor.
Ford Mustang Dark Horse vs. BMW M4 Coupé
Den Dark Horse erkennt man an der speziellen Frontschürze, am Heckspoiler und an der Motorhaube mit Luftauslässen. Driften? Kann er!
Bild: Ronald Sassen
Der ohnehin gemütlicher ausgelegte Mustang bringt einen etwas komfortabler unter, auch wenn die Bedienkräfte hier höher ausfallen. Vom Ersten in den Zweiten kann es im Getriebe schon mal hakeln, dafür wechselt man die Gänge mit einem äußerst befriedigenden "Klack". Beide bieten einen Schaltassistenten, der beim Herunterschalten automatisch perfekt dosiertes Zwischengas gibt – Genießer schalten ihn ab und machen es selbst, was auf der stehenden BMW-Pedalerie etwas besser funktioniert.

V8-Sauger gegen Biturbo‑Punch

Unter Last zeigt sich, wie unterschiedlich beide ticken: Der Mustang geht es mit der Kraftabgabe entspannter an. Sein 453 PS starker, von Ford "Coyote" getaufter V8 liefert mit 540 Newtonmetern kaum weniger Drehmoment als das Aggregat des M4, naturgemäß reagiert der Saugbenziner schöner und spontaner aufs Gas.
Aber im direkten Vergleich braucht der Antrieb mehr Drehzahl. Überschreitet die animierte Tachonadel die 3500 Umdrehungen, stürmt der Mustang dann los wie Winnie Puuh auf Honigjagd: bärig, laut und schnell, im Vergleich zum bullig von unten antretenden M4 aber zahmer und durch die linear steigende Leistungsabgabe auch berechenbarer, was ja nichts Schlechtes sein muss. Im Gegenteil. Das Mustang-Aggregat bis zum Limit von 7400 Touren auszudrehen, macht höllischen Spaß.
Ford Mustang Dark Horse vs. BMW M4 Coupé
Das Dreigespann an Streben für mehr Steifigkeit. Der Sechszylinder-Biturbo des BMW ist in allen Lebenslagen viel munterer als der Ford-V8.
Bild: Ronald Sassen
Der Bayer dagegen schiebt mit 480 PS und 550 Newtonmetern schon ab 2650 Umdrehungen voll an – und hält das Drehmoment bis 6130 Umdrehungen pro Minute konstant. Wo der Mustang noch Luft holt, peitscht der M4 mit seinen zwei gleich großen Turboladern beinahe ansatzlos vorbei, lässt sich auf abgesperrter Strecke im zweiten Gang lässig dazu überreden, das Heck rauszuhängen. Wurde das optionale M Driver's Package geordert, hat der M4 auch beim Topspeed (290 zu 263 km/h) die Nase vorn.

Der Mustang trinkt mehr

Während BMW den Sechsten als voll nutzbaren, kurz übersetzten Fahrgang auslegt, tuckert der Mustang bei Tacho 200 mit gerade einmal 3500 Umdrehungen dahin. Agil wirkt das natürlich weniger, doch lassen sich so ganz sicher noch ein paar Milliliter vom Normverbrauch abschaben. Weitere Sparmaßnahmen scheint es bis auf eine Start-Stopp-Automatik keine zu geben. So schluckt der Mustang-Motor selbst unter größter Vorsicht am Gas noch 10,5 Liter. Innerorts dürfen es bei etwas Verkehr auch gern über 20 sein. Im Test-Mittel kam der Mustang schließlich auf 13,5 Liter, was gut zwei Liter über dem M4 liegt, den man innerorts eher mit 13 bis 15 Litern bewegt.
Ford Mustang Dark Horse vs. BMW M4 Coupé
Der Mustang wirkt weniger steif, hat aber eine dicke Domstrebe. Der Sauger mag Drehzahl, stemmt 453 PS, im Vergleich zum M4 aber kraftlos.
Bild: Ronald Sassen
Auf dem 3,8 Kilometer langen Trockenhandlingkurs des Contidroms hat ebenfalls der M4 die Nase vorn. Er spielt hier nicht nur den Vorteil seiner 27 Mehr-PS in Kombination mit 126 Kilogramm Mindergewicht aus, sondern wirkt auch mitteilsamer, mit weniger Radlast auf der Vorderachse (52 zu 54 Prozent bei Ford) leichtfüßiger und lenkt mit seiner direkter abgestimmten Lenkung spürbar bissiger ein als der Mustang. Der Ford geht hier nicht unter, taugt ebenfalls für eine gute Zeit, legt aber ein geringfügig schlechteres Grip-Niveau an den Tag. Die Karosserie scheint weniger steif, das adaptive Magne-Ride-Fahrwerk lässt auch in der härtesten Stufe noch mehr Wankbewegungen zu als das Fahrwerk des M4.

Was der Dark Horse mit Steeda kann

Kleine Randnotiz: Was mit einigen Änderungen am Chassis des Dark Horse wie neuen Stabis, Verstärkungen an Unterbau und Hinterachse sowie anderen Progressivfedern möglich ist, zeigte Tuner Steeda bereits im letzten Jahr im Einzeltest mit dem Steeda Q767 Dark Horse. Wer es auf dem Rundkurs wirklich ernst meint, legt rund 15.000 Euro auf den Preis eines normalen Dark Horse drauf, bekommt dann aber auch ein rennstreckenfertiges Paket geliefert. So wie getestet, fährt der "normale" Mustang auf dem 3,8 Kilometer langen Kurs schlussendlich eine Zeit von 1:33,34 Minuten heraus. Dem M4 reichen für die gleiche Runde 1:30,94 Minuten.
Ford Mustang Dark Horse vs. BMW M4 Coupé
Beide Autos hatten alle relevanten Performance-Extras an Bord. Der M4 mit Race Track Paket.
Bild: Ronald Sassen
Bleiben zu guter Letzt noch die Preise. Auch hier fährt der M4 in einer anderen Liga als der Dark Horse. Der Testwagen hat das optionale Paket M Race Track an Bord, das – halten Sie sich fest – 16.450 Euro Aufpreis kostet. Es umfasst die Keramikbremse, das zuvor genannte M Driver's Package, die Carbon-Schalensitze, Schmiederäder in 19/20 Zoll, Echtcarbonleisten im Interieur und weitere schöne Dinge. Irre viel Geld, das sich auf der Waage in 25 Kilogramm Mindergewicht niederschlagen soll.
Antrieb 
60 
42 
36 
Bremse 
40 
25 
23 
Fahrwerk 
60 
46 
43 
Lenkung 
40 
32 
30 
Rundenzeit 
50 
38 
33 
Emotionen 
50 
38 
41 
Alltag 
50 
33 
32 
Kosten 
50 
26 
28 
GESAMT 
400 
280 
266 
In Summe entstehen so 113.550 Euro Testwagenpreis – fast 40.000 Euro mehr, als für den Mustang (74.800 Euro) fällig werden. Der wiederum ist wie erwähnt merklich durstiger und kostet empfindliche 698 Euro Kfz-Steuer jährlich, eilt dem M4 aber bei der Versicherungseinstufung im positiven Sinne davon. Nein, Schnäppchen sind sie beide nicht, eher etwas zum Liebhaben. Machen Sie das bitte, so lange es noch geht!

Fazit

von AUTO BILD
Altmodisch? Vielleicht, aber für Sportwagen-Fans zählen diese beiden nach wie vor zum absoluten Nonplusultra. Der Mustang taugt mittlerweile zu mehr als nur reinem Geradeausfahren, auch wenn er mit dem moderneren Bayern fahrdynamisch nicht ganz mithalten kann. Das Maß an Präzision und Steifigkeit, das seine Macher dem M4 hineinentwickelt haben, ist äußerst beeindruckend.