Volvo C40: Test
So kommt Schweden weiter: Volvo C40 im ersten Test
Volvo C40 Recharge im Test
Schicke Schale, Kern mit viel Saft – so die Maxime des Volvo C40. Außerdem verspricht die Technik satte Reichweiten. AUTO BILD hat es getestet.
Bild: AUTO BILD
Man könnte sagen Der Volvo C40 Recharge steht in der Nische der Nische. Preislich ist er ein SUV der höheren Klasse, so richtig stattlich ist er nicht, im Blechdach schwingt ein elegantes Coupé mit. Oder aber: optimal positioniert. Dieser Typus ist bei anderen Herstellern jedenfalls ziemlich begehrt. Auch weil Volvo für die Modelle mit erhöhter Batteriekapazität eine Reichweite von fast 600 Kilometern verspricht.
Was das kompakte Schweden-SUV sonst kann, klärt der Test des 252 PS starken Modells Pure Electric Single Motor Extended Range, und wir kommen gleich zur Kilometer-Sache. Bei Elektroautos zählen sowohl Reichweite als auch eine für schnelles Weiterkommen wichtige potente Ladesystematik. Im ersten Punkt liefert der Volvo leider nicht optimal. Er soll laut Hersteller (und WLTP-Einordnung) 581 Kilometer weit kommen.
Reichweitenversprechen wird nicht eingelöst
Das wäre ein beeindruckender und absolut praxistauglicher Aktionsradius. Unsere Tests zeigen jedoch: Von diesem Versprechen raubt der fordernde Alltagsverkehr – diesem entspricht unsere eigene Verbrauchsmessrunde – rund 35 Prozent.

Weniger als angekündigt: Im Test kam der C40 mit einer Akkuladung 380 Kilometer weit. Laut WLTP sollen es 581 Kilometer sein.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der C40 holt so nur 380 Kilometer Reichweite aus seinem 82 kWh fassenden Akkupaket, konsumiert statt 16 kWh Energie gern mal über 23 kWh auf 100 Kilometer. Nur wer den C40 recht verhalten durch die Lande trägt und die 252 PS niemals voll aufschreckt, kommt mit erträglich niedrigen 15 kWh Durchschnittsverbrauch aus.
C40 kann mit bis zu 200 kW laden
Schnelle Ladestopps versüßen Volvos kleine Reichweiten-Übertreibung. Dank bis zu 200 kW belastbarer On-Board-Technik kann der C40 an entsprechenden Express-Säulen saftige DC-Ladungen aufnehmen. Bestens konditioniert ist er dann in unter einer halben Stunde wieder von 10 auf 80 Prozent seiner Akkukapazität gebracht.
Fahrezeugdaten
Modell | Volvo C40 Recharge Pure |
|---|---|
Motor | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 185 kW (252 PS) |
Dauerleistung | 128 kW (174 PS) |
maximales Drehmoment | 420 Nm |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetreibe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | v. 235/45 R 20/h. 255/40 R 20 H |
Reifentyp | Michelin CrossClimate 2 SUV |
Radgröße | v. 8 x 20"/ h. 8 x 20" |
Reichweite* | 581 km |
Verbrauch* | 16,3 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | 82/79 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/bis zu 200 kW |
Ladezeit (DC-Laden) | 28 Minuten (10–80 %) |
Ladeanschluss | hinten links |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 413-1205 l |
Länge/Breite/Höhe | 4440/1873–2034**/1596 mm |
Radstand | 2702 mm |
Grundpreis | 54.450 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 60.260 Euro |
Weiter geht die leise Reise – ein Thema, das der C40 bestens beherrscht. Er läuft trotz üppiger 20-Zoll-Testwagenbereifung angenehm samtig, schluckt dank weicher Federung alle Unebenheiten ohne schwammige Reaktionen, bietet auch auf derben Buckeln und unter voller Beladung genügend Reserven.
Mehr Komfort als Sport
Leise summt er sowieso, dazu hat Volvo unter Hilfe passender Dämmung Wind- und Rollgeräusche weitestgehend ausgesperrt. Auch die Sitze tragen zum angenehmen Komforteindruck bei – sie stützen seitlich mit Nachdruck, ohne kantige Härten aus den Flächenpolstern zu zeigen. Sehr angenehm.

Sanftes SUV-Coupé: Der Volvo C40 gefällt als leiser und komfortabler Begleiter. Sportliches Talent sollte man nicht von ihm erwarten.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sportlich kann er dagegen nicht. Trotz gutem Spurtvermögen und wuchtiger Durchzugskraft (wir haben den Überholsprint von 80 auf 120 km/h in unter fünf Sekunden ermittelt) – die über zwei Tonnen Leergewicht sind spürbar, Kurven mit Schmackes enden erstens in deutlichen Untersteuertendenzen und zweitens im ESP, das hervorragend wach und intelligent regelt.
Bremswerte leicht unter dem Durchschnitt
Auch die Bremsanlage vereitelt scharfe Heizeinlagen. Der mit Ganzjahresreifen bestückte Testwagen benötigt nämlich über 37 Meter, um aus Tempo 100 heraus zu stoppen. Das ist kein katastrophal schlechter Wert, für diese Reifenart noch passabel und insgesamt leicht unter dem Durchschnitt. Nur der Vollständigkeit halber: Volvo begrenzt die Höchstgeschwindigkeit des C40 elektronisch auf 180 km/h – da nützen ihm selbst die 252 PS Spitzenleistung nichts.
Messwerte
Modell | Volvo C40 Recharge Pure |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–100 km/h | 7,4 s |
0–130 km/h | 12,0 s |
0–160 km/h | 19,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,5 s |
80–120 km/h | 4,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 2055/445 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 11,7/11,6 m |
Sitzhöhe | 680 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,3 m |
aus 100 km/h warm | 37,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 61 dB(A) |
bei 130 km/h | 64 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 15,5 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 23,1 kWh/100 km (+42 %) |
Sportverbrauch | 28,0 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 380 km |
Beim Ausweichen zeigt sich Volvos Expertise in puncto Sicherheit. Hier lässt er sich niemals aus dem Tritt bringen, bleibt dank elektronischer Stabilitätsüberwachung in der Spur und leicht kontrollierbar. Gleichzeitig sichert der C40 über eine Armee an Fahrassistenz ab.
Coupéform mit entscheidendem Nachteil
Fazit an dieser Stelle: Der C40 ist ein angenehmer Begleiter für alle Tage und Streckenlängen. Tempo kann er, mag er aber nicht. Sicher fährt er sowieso. Aber Achtung: Der C40 zeigt auch Schrullen. Das nach hinten flach auslaufende Dach bietet einen waschechten Nachteil.

Schmales Guckloch: Vor allem die Sicht nach hinten ist durch das kleine Heckfenster begrenzt. Insgesamt wirkt der Wagen unübersichtlich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Sichtfeld ist durch das kleine Heckfenster begrenzt, überhaupt wirkt das Auto rundum unübersichtlich. Für Passagiere im Fond ist es ähnlich klemmend: Die Dachholme engen objektiv und vor allem subjektiv den Kopfraum ein.
Bedienkonzept nicht selbsterklärend
Auch der Fahrer ist nicht in allen Lebenslagen glücklich. So ist das Bedienkonzept über den großen Bildschirm anstrengend zu "erlernen", das Treffen der kleinen Icons wird zur Zielübung, die Ablenkung ist enorm.

Licht und Schatten: Der C40 bietet viel in Sachen Konnektivität, das Bedienkonzept ist allerdings schwer zu erlernen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer sich einfuchst, wird mit inhaltlicher Vielfalt belohnt. Das Ausstattungspaket in Sachen Konnektivität ist umfangreich. So lässt sich das gesamte Google-Spektrum ins Auto und in der Folge in die Menüstrukturen holen, gleichzeitig funktionieren Stauprognosen über die Landkarte bestens, die Sprachsteuerung arbeitet verständig und fehlerfrei. Auch das Audiosystem mit hochwertigem Lautsprechersystem liefert tadellos ab, das digitale Radio ist serienmäßig und klingt hervorragend.
Wertung
Modell | Volvo C40 Recharge Pure |
|---|---|
Karosserie | Platzangebot in Fond und Gepäckabteil mäßig, nach hinten unübersichtlich, Anhängelast gering. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Gute Sprintwerte, sattes Beschleunigungsvermögen, gute Traktion. Geringe reale Reichweite. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Bremswege leicht unter Durchschnitt, sicheres Fahrverhalten, schweres Fahrgefühl. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Assistenzsystem umfangreich vorhanden. Multimediasystem dank Google-Vernetzung breit aufgestellt. |
4,5/5 Punkten | |
Umwelt | Großes und schweres Auto, Rekuperationsfunktion nicht automatisch-adaptiv. Keine CO2-Klimaanlage. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Gute Federung, bequeme Sitze, leise Fahrgeräusche, sehr hohes Ausstattungsniveau. |
4/5 Punkten | |
Kosten | Hohes Preisniveau, stärkerer Wertverlust. Günstige Fixkosten, geringer Aufwand für Energie. |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Ein Head-up-Display bietet Volvo für den C40 nicht an – hier verliert er nach unserem Schema wichtige Punkte, zudem lässt sich so keine Augmented-Reality-Funktion darstellen. Dafür hinterlässt die Komfortausstattung keine Punktelücken. Inklusive Zweizonen-Klimaautomatik, Wärmepumpe und Rückfahrkamerasystem ist alles Wichtige an Bord des Testwagens. Das bringt ihn im Aktionsradius nicht unbedingt weiter – bestimmt aber bei den Kunden.
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