"Achtung, eine Durchsage: Der kleine Nils möchte bitte aus dem Småland abgeholt werden!" Huch, verfahren. Sind wir doch glatt bei Ikea gelandet. Dabei war unser Auftrag ein anderer: Warum ist der Volvo S60 so billig?, will der Chef wissen. Und jetzt stehen wir vorm plärrenden Nils im Kinderparadies. Aber wo wir grad mal hier sind ... ... kaufen wir ein neues Regal. Billy, 1,06 Meter hoch, 80 Zentimeter breit, 26 Euro. Na also. Das erste Schnäppchen des Tages. Das zweite steht vor der Tür. Volvo S60, Baujahr 2003, Fünfzylinder-Diesel, 163 PS, 10.750 Euro. Alter Schwede, ganz schön günstig. Und es geht noch billiger. Im Internet stehen sie schon für 5900 Euro, acht Jahre alt, mit dem feinen Volvo-Diesel, Leder, Navi und scheckheftgepflegt.
Sport-Ausstattung für Volvo V60 und S60
Volvo S60
Wohnst du noch, oder lebst du schon? Das Interieur des Volvo S60 ist schwedisch schick.
Bild: Thomas Ruddies
Verkäufer Martin M. versucht seit einem Jahr, seinen S60 loszuwerden. Neu kostete er mal 39.000 Euro, nun gibt’s ihn fast geschenkt. Und erst jetzt melden sich die ersten Kunden. Spartipp S60. Die Schweden stellten ihn 2000 vor, bauten ihn auf der gleichen Plattform wie den Kombi V70. Mit ihm teilt er sich das Stufenheck, das Interieur und – bis zum Modellwechsel des Kombis 2007 – auch die Front. Nur hinten fehlt was: statt Riesen-Stauraum ein Happy End in Coupé-Form. Aber wir müssen noch mal über den Preis reden: Der D5 hat keinen Rußpartikelfilter. Unser Tipp: Ein Nachrüst-Filter von Twintec kostet 654,50 Euro, vom Staat gibt’s nur noch dieses Jahr 330 Euro Förderung, dafür aber die grüne statt der gelben "Draußenbleib"-Plakette. Übrigens, Chef: Als wir mit Pappkarton unterm Arm den Ikea-Hotdog für einen Euro ordern, kommt die Erleuchtung: Wer Volvo sagt, meint Kombi. Deshalb ist der S60 so billig. Was Sie beim Gebrauchtkauf beachten müssen – wir verraten es.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Volvo S60
D5-Motor: Fünfzylinder mit Bums, die Einspritzdüsen sind anfällig.
Bild: Thomas Ruddies
Der Testwagen: Volvo S60 D5 von 2003 in Silber, Premium-Paket mit Leder, CD-Wechsler, 16-Zoll-Alus, dazu Schiebedach. Der Neupreis lag bei 38.500 Euro. Jetzt will der Händler 10.750 Euro. Eurotax-Schwacke gibt den Preis mit 11.100 Euro an. Sechs Jahre alt? Kann gar nicht sein. Der Volvo steht klasse da. Das Interieur: wie neu. Die Ledersitze: ohne jeden Kratzer. Der Lack: glänzt. Der Motor: surrt wie am ersten Tag. Nur die Kupplung erzählt von 108.000 Kilometern, die Reifen sind schon sechs Jahre alt. Vier neue Contis vom Format 205/55 VR 16 kosten 500 Euro inklusive Montage. Bei der Fahrt über die Autobahn wird klar, was der S60 kann: Er ist ein gemütliches Reiseauto, das auf Komfort statt Sport ausgelegt ist. Dazu das sonore Trompeten der fünf Diesel-Zylinder – herrlich. Vier neue Reifen und ein Partikelfilter für die grüne Plakette – dann ist der Volvo fit für weitere sechs Jahre. Eine gute Alternative zu Mercedes und Co.

Das macht Ärger

Bei den V70-Kombis wird das Problem regelmäßig im AUTO BILD TÜV-Report bemängelt: Stabis poltern, Gelenke schlagen aus, außerdem hat die Lenkung zu viel Spiel. Es scheint, als wären beide Achsen unterdimensioniert. Der S60 kennt solche Probleme auch: Vor allem die Vorderachse ist labil, ausgeschlagene Lager der Spurstangen kommen immer wieder vor. Und das bei Kilometerleistungen unter 100.000. Dagegen sind die D5-Diesel wahre Dauerläufer. Fehler in der Motorelektronik sind bekannt, eingerissene Turboladerschläuche, undichte Einspritzleitungen, mitunter auch defekte Einspritzdüsen. Dann springt der Diesel immer schlechter an, läuft unruhig. Tipp: Es müssen nicht zwangsweise alle fünf Einspritzdüsen getauscht werden. Die Werkstatt kann mit einem Test herausfinden, welche der Düsen ihren Dienst quittiert hat, sie dann separat wechseln. Eine Düse schlägt mit 300 Euro zuzüglich 20 Minuten Einbau heftig ins Kontor. Und unbedingt auf den Wechselintervall des Zahnriemens achten: nach 160.000 km oder acht Jahren – je nachdem, was zuerst eintritt.

Fazit

Schade, jetzt ist er kein Geheimtipp mehr. Jetzt wissen alle, dass der Volvo S60 ein gutes Auto ist, dass er großen Luxus und feines Design bietet, dass er gebraucht günstig ist. Und dass der Fünfzylinder-Diesel Spaß macht. Mein Tipp: aus erster Privathand kaufen, Reparatur-Rechnungen zeigen lassen, Filter nachrüsten.