Volvo S60 im Test

Volvo S60: Test

Dem S60 fehlt ein wenig Rafinesse

Der neue Volvo S60 läuft erstmals in den USA vom Band. Hat die Mittelklasselimousine auch bei uns eine Chance? Erster Test.
Limousinen von Volvo sind nur was für sicherheitsverliebte Rentner? Spätestens seit dem Durchmarsch der Schweden-SUVs können Sie das Klischee vergessen. Im Gegenteil. Mit dem neuen S60, der im Mai zu den Händlern rollt, folgen die Schweden dem Vorbild BMW. Er soll die nordisch-coole und sportliche Alternative zu 3er, C-Klasse und A4 sein. Nordisch? Auch falsch. Der S60 ist ein echter Südstaaten-Ami. Als erster Volvo läuft er im neuen Werk in Charleston, South Carolina, vom Band. Ein konsequenter Schritt. Seit Jahrzehnten gehören die USA für Volvo zu den wichtigstes Absatzmärkten. Also besuchen wir den S60 in seiner Heimat und drehen eine erste Runde.

Das Design des S60 ist rundum gelungen

Gefällig: Chefdesigner Ingenlath hat dem S60 eine dynamische, edle und unaufdringliche Form gegeben.

Schon auf den ersten Metern wird an den Gesichtern und den in die Höhe gereckten Daumen klar, dass das Design mit seinen ausgewogenen Proportionen ankommt. Edel, dynamisch, unverwechselbar, dabei weder aggressiv noch protzig. Chefzeichner Thomas Ingenlath hat es einfach drauf, die Zulassungszahlen sind der beste Beweis. Das gilt auch für den Innenraum, der bis zur B-Säule dem des Kombibruders V60 gleicht. Danach fällt die Dachlinie leicht ab. Dem Komfort in Reihe zwei schadet das nicht. Eng wird’s hier erst zu dritt. Der Kofferraum fasst 390 Liter. Etwas knapp, ohne Allrad sind es immerhin 442 Liter. Dank geteilter Rückbank kommen auch die Latten aus dem Baumarkt nach Hause. Und die Verarbeitung? Bekommen die Amis den hohen Volvo-Standard aus dem Stand hin? Ja, die Anlernphase scheint gründlich gewesen zu sein. Bei Materialverarbeitung und Geräuschkulisse gleicht der S60 seinem Kombibruder aus Schweden.

Echte Emotionen kommen beim Fahren nicht auf

Schneller Schwedenstahl: In 5,5 Sekunden geht der S60 auf Tempo 100 – und bleibt dabei eher nüchtern.

Das gilt natürlich auch für den Antriebstrakt. Als T6 AWD liefert der Einheits-2,0-Liter 310 PS. Immer in Kombination mit der bekannten Achtstufen-Wandlerautomatik. Das Ergebnis ist genug Power für beeindruckende Fahrleistungen, aber zu wenig Charakter für echte Emotionen. Klang und Ansprechverhalten der etwas synthetischen Antriebseinheit haben sich vom Sportsgeist der Limousine leider nicht weiter inspirieren lassen.  Das gilt auch für das etwas holperige Fahrwerk. Im R-Design-Trimm liegt der S60 15 Millimeter tiefer und sieht dank der aufpreispflichtigen 19-Zöller richtig scharf aus, er rollt aber extrem steifbeinig ab. Gerade hier in den USA, wo statt herkömmlicher Schlaglöcher wie bei uns ganze Kraterlandschaften auf Opfer warten, wird die Fahrt zum ständigen Tanz um die Hindernisse. Abgesehen davon punktet der S60 mit hohem Langstreckenkomfort. Toll ausgeformte Sitze, niedrige Innengeräusche, aufmerksame Assistenten.

Das Bediensystem verlangt eine lange Eingewöhnung

Man kann sich im Volvo sehr geborgen fühlen, aber die fummelige Bedienung nervt ein wenig.

Ein Gefühl von Geborgenheit beherrschten die Schweden schon immer. Der 360-Grad-Modus, mit dem sich das Auto aus der Vogelperspektive ein- und ausparken lässt, funktioniert in Verbindung mit dem aufrecht angeordneten 9-Zoll-Monitor so einfach wie bei einem Computerspiel und lässt die etwas dürftige Übersicht nach hinten leicht vergessen. Nervig bleiben dagegen die fummelige Bedienung, die eine lange Eingewöhnung verlangt, sowie das Navigationssystem, dessen Karten sich nur verzögert aufbauen. Dass das System – bei friedlichstem Wetter – immer wieder vor Tornados warnte, wirkte auch nicht gerade beruhigend. Am Ende gab es die Stürme genauso wenig, wie es den getesteten T6 bei uns gibt. Er soll erst im Sommer nachrücken, bis dahin müssen sich Kunden mit T4 (190 PS), T5 (250 PS) und dem Plug-in T8 (390 PS) zufriedengeben. Ein Diesel kommt nicht, Volvo setzt seine Ankündigung, ab 2019 kein neues Modell mehr mit Selbstzünder zu bringen, in die Tat um. Auch hier steht der neue S60 für eine grundlegende Veränderung.
Technische Daten Volvo S60 R-Design T6 AWD • Motor: Vierzylinder, Turbo, Kompressor • Hubraum: 1969 cm³ • Leistung: 228 kW (310 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment: 400 Nm bei 2200/min • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4761/1850/ 1431 mm • Leergewicht: 1677 kg • Kofferraum: 390 l • 0–100 km/h: 5,5 s • Vmax: 250 km/h  • Verbrauch: 7,7 l/100 km • Abgas CO2: 176 g/km • Preis ca. 50.000 Euro.
Das Fazit von Malte Büttner: "Der neue S60 ist ein echter Volvo – obwohl er in den USA gebaut wird: wertig, sportlich, unverwechselbar. Der Innenraum ist sauber verarbeitet und fein gezeichnet. Beim Fahren fehlt ihm aber das letzte Quäntchen Raffinesse. Auch das ist typisch Volvo."
AUTO BILD-Testnote: 2-

Volvo S60 im Test

Volvo S60Volvo S60Volvo S60

Stichworte:

Limousine

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.