Erst Ford, dann Geely. Volvo hat stürmische Zeiten durchgemacht. Wäre der V60 ein Kind, würde man sich Gedanken machen: So viel Unruhe, hinterlässt das kein Trauma? Auch treue Volvo-Anhänger trauen dem 2010 präsentierten V60 nicht. So viel Design, so wenig Nutzwert! Schon der Kofferraum: Mit seinen maximal 1241 Litern liegt er nur knapp über dem Abteil des seligen 240. Nur dass bei dem dann die Rückbank noch nicht umgelegt ist. Egal, lassen wir das Gemäkel.
Sport-Ausstattung für Volvo V60 und S60
Im Überblick: Alle News und Tests zum Volvo V60

Die TÜV-Statistik zeigt: Die Langzeitqualität stimmt

Volvo V60
Die frei schwebende Mittelkonsole ist eine Volvo-Spezialität. Zu kleine Knöpfe nerven aber und lenken zudem ab.
Bild: Thomas Ruddies
Der V60 ist kein Raumriese, aber trotzdem ein gutes Auto. Denn Volvo gelang es im Gegensatz zu Saab immer, sich gegenüber dem Mutterkonzern zu behaupten. Deshalb stimmt die Langzeitqualität, wie auch die Statistik des TÜV zeigt: Licht, Bremsen, Auspuff – alles vorbildlich. Leichte Abzüge gab es für teilweise entstehenden Ölverlust an Motor und Getriebe sowie die überdurchschnittlich oft verschlissenen Antriebswellen. Im AUTO BILD-Dauertest schaffte es ein V60 D2 Ocean Race nach ganz oben: Abschlussnote 1–. Den Abzug brockte ihm das Infotainmentsystem ein, das bei Kilometerstand 15.997 die Grätsche machte. Interessenten, die den gleichen Defekt vermuten, sollten allerdings erst mal sicherstellen, dass sie die Funktionsweise durchschaut haben. Denn bei der Bedienung treten die Schweden ihre alten Werte mit Füßen. Warb Volvo früher noch damit, dass alle Knöpfe und Hebel auch mit Handschuhen zu bedienen seien, fummeln sich heutige Schweden-Fans mit Knöpfchen wie vom Taschenrechner durch die Untermenüs. Nervig!

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100.000 Kilometer im Volvo V60

Für Volvo-Kenner empfiehlt sich der Zweiliter-Fünfzylinder-Diesel

Rost ist dagegen kein Thema, unser gebrauchter Test-V60 vom Autohus bei Bremen präsentierte sich frei von Korrosion. Und auch die Zerlegung des Dauertestwagens offenbarte 2014 eine hervorragende Vorsorge. Trotz des relativ kleinen Kofferraums ist der Mittelklasse-Kombi außerdem ein talentiertes Reiseauto. Er läuft leise, die Sitze sind sehr bequem, und die lange Übersetzung hilft beim Spritsparen. Für Interessenten lohnt es sich aber, etwas Motorenkunde zu betreiben. Volvo-Kennern liegt am besten der Zweiliter-Fünfzylinder-Diesel mit seinem sonoren Laufgeräusch, doch es gab ihn nur bis Ende 2013. Ein Vierzylinder löste ihn ab – mit weniger Durst, aber auch banalerem Sound. Haltbar sind beide, Insider warnen aber vor dem 205-PS-Diesel, bei dem aufgrund von Ölverdünnung Motorschäden auftreten können. Ruhige Gemüter greifen zum D2 mit 114 PS: Der ist kein Brenner, lässt sich aber mit fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer fahren. Die Palette der Benziner – alles Turbos – reicht vom 1,6-Liter mit 150 PS bis zum 304 PS starken T6 AWD mit Dreiliter-Reihensechszylinder. Doch so viel Kraft braucht es gar nicht, um den entspannten Charakter des V60 genießen zu können. Mit kleinen Wehwehchen, aber grundsolider Qualität erarbeitet sich der V60 ein gutes Zeugnis. Und das macht ihn dann doch zum Volvo alter Schule. Was bei unserem Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten Volvo V60 außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

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Alte Zöpfe haben die Schweden radikal abgeschnitten. Der V60 sollte auf Biegen und Brechen anders sein. Nutzwert und Bedienlogik haben darunter gelitten, aber die Langzeitqualität stimmt. Und deshalb ist dieser Volvo eine gute Empfehlung.