Auf den ersten Blick sind der Alfa Romeo Tonale und der Volvo XC40 ein ungleiches Paar. Während der Italiener für sich den Anspruch erhebt, die neue Sportlichkeit von Alfa in sich zu tragen, ist der Schwede eher ein klar strukturierter Laufbursche. Jedenfalls könnte das glauben, wer sich von Äußerlichkeiten leiten lässt.

Zwei Hybrid-SUV im Test

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Machen wir bei AUTO BILD natürlich nicht. Packen vielmehr für den Moment das Design und alle Marketinginformationen beiseite, um mit klarem Blick die Motorhauben zu öffnen. Beide heben sich, hydraulisch unterstützt, wie von Geisterhand und geben den Blick auf zwei Vierzylinder-Benziner mit unterstützender 48-Volt-Architektur frei. 
Der Alfa Romeo Tonale zeigt sich auch von hinten sportlich gezeichnet. Der Volvo XC40 klar und strukturiert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Schwede trägt mit zwei Litern Hubraum etwas dicker auf als der Italiener mit 1,5 Litern. Deswegen ist letztgenannter mit 160 PS auch ein My schwächer als der Wikinger mit 163 PS. Beide reichen ihr maximales Drehmoment – 265 Newtonmeter beim XC40, 240 beim Tonale – an die Vorderräder, das jeweils von einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verteilt wird. Laut Datenblatt beschleunigt der Volvo mit 8,6 Sekunden einen Wimpernschlag schneller auf Landstraßentempo als der Italiener mit 8,9 Sekunden.

Der Alfa wird nicht schneller

Rein optisch eigentlich ein Unding. Während der Alfa mit mächtigen Schaltwippen, sich im Sport-Programm straffenden Dämpfern, einem ESC-Off-Schalter und einem Sportlenkrad als Hyper-Car präsentiert, hat der Volvo nichts von dem. Ist sachlich, kühl, fast schon ein bisschen nüchtern. 
Ein Feuerwerk der sportlichen Emotionen ist der Alfa Romeo Tonale im Innenraum. Hier lebt er die DNA des Motorsports.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Und genau diese Art der Selbstdarstellung, macht es am Ende so schwer, den Italiener ernst zu nehmen. Sein Motor ist absolut drehfaul, die Leistungsentwicklung ist bis auf den Ampelstart zäh, und von den 212 km/h in der Spitze müssen sich Alfisti auch ganz schnell verabschieden. Wir haben wirklich alles probiert, um auf dieses Tempo zu kommen. Mehr als 198 km/h sind partout nicht drin. Und selbst dafür bedarf es eines Anlaufs, den man selbst auf freien Autobahnstücken nur noch selten findet. 

Volvo ist durstiger im Alltagsbetrieb

Und der Volvo? Hier erlebt der Fahrer, wie einem mit von uns gemessenen 7,8 Litern recht durstigen, aber lustig marschierenden Treibsatz, bei Tempo 180 der Hals zugeschnürt wird. Heißt, der Schwede könnte schneller, wahrscheinlich locker über die 200, darf es aber nicht, weil Volvo es nicht will. Nun ist Geschwindigkeit nicht alles, und die Sportlichkeit eines Fahrzeuges zeichnet sich auch über Fahrwerk und Lenkung aus. 
Im Volvo XC40 geht es im Innenraum klar und reduziert zu. Fast etwas unterkühlt dürfte der Schwede aber auch die Zeit der Trends überstehen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Hier punktet der Tonale mit seinen zwei Programmen, Normal und Dynamic. Während das Fahrwerk, dass in beiden Programmen etwas hölzern wirkt, immer noch einen Unterschied bietet, bleibt die Lenkung viel zu weich und unpräzise. Der Volvo untersteuert bei schnellen Kurvenfahrten spürbar, der Alfa hingegen wedelt an selber Stelle trotz Frontantrieb immer leicht mit dem Heck. Das wirkt sportlich, hat aber zur Folge, dass die Italiener – wohl auch aus Sicherheitsgründen – dafür gesorgt haben, dass es eine völlige Abschaltung des ESC nicht gibt. 

Tolle Sitze im Alfa

Was im Alfa erfreut und Sportgefühle weckt sind die Sitze. Hohe, kräftige Seitenwangen halten Fahrer und Beifahrer bis in den Schulterbereich, das Lenkrad ist griffig – und ja, die Schaltwippen machen was her. Wäre der Motor ein anderer, würde der Pilot sogar gerne mit ihnen arbeiten. So behindern sie nur die Bedienung des Blinkgebers und der Wischwaschanlage. 

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Zahnriemen
Hubraum
1469 cm³
1969 cm³
kW (PS) bei 1/min
118 (160)/5750
120 (163)/4750
Nm bei 1/min
240/1500
265/1500
Vmax
212 km/h
180 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
235/40 R 20 V
235/50 R 19 V
Reifentyp
Pirelli P Zero
Michelin Latitude Sport 3
Radgröße
7,5 x 20"
7,5 x 19"
Abgas CO2
151 g/km
140 g/km
Verbrauch*
6,7 l
6,2 l
Tankinhalt
55 l
54 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
67 dB(A)
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1500/700 kg
1600/750 kg
Stützlast
75 kg
100 kg
Kofferraumvolumen
500–1550 l
428–1304 l
Länge/Breite/Höhe
4528/1835–2082**/1614 mm
4440/1863–2034**/
Grundpreis
43.300 Euro
44.450 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
46.800 Euro
45.110 Euro

All das hat der XC40 nicht. Keine Schaltwippen, keine Fahrprogramme, wer will, kann im Untermenü über den Touchscreen in der Mittelkonsole die Lenkung etwas straffen, sportlicher macht es das Ganze nicht. Auch die Sitze im Schweden haben wenig mit Sport zu tun. Viel zu schaumig taucht man hier in die Polster, und die Seitenwangen dienen ausschließlich der Optik. 
Die Polster im Volvo XC40 sind etwas zu schaumig, zu tief taucht man in die Oberfläche ein. Zudem sind die Oberschenkelauflagen vorn und hinten zu kurz.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dieses weiche Sitzgefühl haben auch die Reisenden in der zweiten Reihe, während sie im Alfa mit viel Oberschenkelauflage und angenehmer Neigung der Rückenlehne langstreckentauglich untergebracht sind. Allerdings, und das gilt für beide Fahrzeuge, nur solange die erste Reihe mit Menschen besetzt ist, die die 1,80 Meter nicht überschreiten. 
Für das Publikum in Reihe zwei gibt es im Alfa und im Volvo jeweils zwei USB-Ladeports. Die Schweden setzen aber ausschließlich auf die moderne USB-C-Variante, Alfa hält hier auch einen herkömmlichen USB-Port vor.

Gute Verarbeitung in Alfa und Volvo

Und weil wir uns gerade im Innenraum tummeln soll nicht verschwiegen werden, dass der Innenraum in beiden Fahrzeugen sehr gut verarbeitet ist und mit hochwertigen, der Haptik schmeichelnden Materialien versehen wurde. Auch die Konnektivitäts-Funktionen können sich sowohl im Volvo als auch im Alfa sehen lassen. Die Schweden arbeiten mit Google, haben damit die direkte Verbindung zu den Fahrern, die Android-basierte Smartphones nutzen, bieten aber zum Beispiel Radio über DAB+ als extra Feature an. 
Mit tollen Sitzen versteht es der Alfa Romeo Tonale seine Fahrgäste auch in Kurven festzuhalten. Angenehm auch das Sitzgefühl in Reihe zwei.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Alfa bietet die kabellose Spiegelung von Apples iOS und Googles Android über Bluetooth. Hat zudem ein eigenes Navi und eine grafisch selbsterklärende Menüführung im 12,3 Zoll großen Touchscreen. 

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,8 s
3,6 s 
0–100 km/h
9,7 s
9,6 s 
0–130 km/h
15,8 s
15,6 s 
0–160 km/h
27,0 s
25,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,0 s
5,1 s 
80–120 km/h
6,6 s
6,6 s
Leergewicht/Zuladung
1633/502 kg
1645/575 kg
Gewichtsverteilung v./h.
59/41 %
59/41 %
Wendekreis links/rechts
12,0/12,0 m
11,7/11,8 m
Sitzhöhe
690 mm
685 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m
37,4 m 
aus 100 km/h warm
35,1 m
36,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
56 dB(A) 
bei 100 km/h
65 dB(A)
64 dB(A) 
bei 130 km/h
68 dB(A)
68 dB(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
5,9 l S/100 km
6,4 l S/100 km 
Testverbrauch
7,4 l S/100 km
7,8 l S/100 km
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
(+10 %)
(+26 %)
Sportverbrauch
10,1 l S/100 km
9,8 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
176 g/km
185 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
740 km
690 km

Wer will kann sich mit beiden Fahrzeugen auch sprachlich verständigen. Im Volvo gilt der Ruf "Hey Google", im Tonale sind "Alexa" oder "Hey Alfa" die Ansprechpartner für etwaige Wünsche. Letzte kann noch etwas tiefer eingreifen und zum Beispiel auch die Klimaanlage bedienen, Alexa nebenbei Einkäufe tätigen. 

Alfa Online bestellt deutlich preiswerter

Die kann man natürlich auch einfach nur im Supermarkt holen. Im Gepäckabteil des XC40 verschwinden die Einkäufe auf 452 bis 1328 Litern, im Tonale sind es 500 bis 1550 Liter. Und wer jetzt einfach so dahingleitet, der kann sich in beiden kompakten SUV auf eine ganze Reihe gut funktionierender Assistenzsysteme verlassen, deren Bedienung hier wie dort über fein ansprechende Lenkradtasten erfolgt.
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Bleibt die Frage nach dem Preis. Beim Tonale fallen, vorausgesetzt man bestellt online, mindestens 42.001 Euro an. Denn, den 1.5 VGT 48V-Hybrid mit 160 PS gibt es erst ab der Ausstattungslinie TI. Volvo lässt sich den XC40 mit 45.410 Euro noch üppiger bezahlen. Denn auch hier muss es mindestens die Ausstattungslinie Core sein, um den 163 PS starken B3 MildHybrid zu bekommen.

Fazit

Schnäppchen sehen anders aus, aber am Ende unseres Tests sind die 45.000 Euro für den XC40 besser angelegt, als die 42.000 Euro für den Tonale. Aus dem einfachen Grund, weil der Schwede nichts verspricht was er nicht hält. Das, was er macht, macht er gut und verbindlich, ohne dabei zu blenden. Der Alfa ist eine Augenweide. Aber fahrtechnisch kann er nicht mal im Ansatz halten, was die exaltierte Sport-Optik verspricht. Schade.