Ist das nun ein Makel?  Ein SUV mit Frontantrieb? Oder einfach viel schlauer, weil sich die Hochbeiner im Regelfall ja doch nur durch den Asphalt-Dschungel wühlen müssen? Immerhin spart das Weglassen nicht nur Geld, sondern zum Beispiel auch Gewicht und reduziert so den Verbrauch. Ob diese Rechnung beim XC40 Recharge Single Motor wirklich aufgeht, schauen wir uns jetzt an.
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Bei carwow.de gibt es den Volvo XC40 Recharge mit einer durchschnittlichen Ersparnis von 9429 Euro.

7000 Euro teure Ausstattungslinie "Pro"

Bereits im Stand vermittelt der stämmige Schwede einen sehr soliden Eindruck. Bei 1,86 Meter Breite und 1,65 Meter Höhe muss man schon wissen, dass es sich hier um Volvos kleines SUV handelt. Wird eine der großen Türen über die klassischen Bügelgriffe aufgerissen und sofort wieder zugeschmettert, erklingt ein sattes Plopp – so stellt man sich das bei einem Volvo vor. 
Unser Testwagen in Fusion Red Metallic (plus 750 Euro) besitzt die bislang höchste, 7000 Euro teure Ausstattungslinie "Pro". Wer jetzt in den Konfigurator schaut, findet als Top-Linie "Ultimate" statt "Pro", nochmals 750 Euro teurer, aber dafür mit Pixel-LED-Scheinwerfern inklusive adaptivem Fernlicht. Viel mehr hat sich bei der Mini-Überarbeitung zum Modelljahrwechsel nicht getan.

Veganer Innenraum, sauber verarbeitet

Innen geht es edel zu. Und vegan! Im Sinn der Nachhaltigkeit verzichtet Volvo bei der Gestaltung des Interieurs auf tierische Produkte. Daumen hoch, zumal die 950 Euro teure Ledernachbildung dem hochwertigen Eindruck keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Im höchsten Ornat ist der XC40 Recharge ein ziemlich edler Schwede. Dazu lässt sich dem Stromer nicht nachsagen, dass er nachlässig verarbeitet wurde. Haptik, Fugenbild und die optische Anmutung wirken sauber und stimmig. (So funktioniert das Infotainmentsystem Android Automotive im Volvo).

Im Alltag realistisch sind gute 200 km Reichweite

Als nicht ganz so stimmig erweist sich der angegebene WLTP-Verbrauch. Bei aktuell winterlichen Temperaturen (Test: Januar 2022) lag der Strombedarf des Zweitonners im Test deutlich höher. Die von Volvo versprochene Reichweite von über 400 Kilometern dürfte man derzeit nur im Windschatten eines Lkw erreichen. Im Alltag realistisch sind gute 200 Kilometer. Das bedeutet auf Langstrecken, dass man mit dem Recharge nach 120 bis 150 Kilometern eine Schnellladestation anfahren wird – Recharge, der Name ist hier also wirklich Programm. Immerhin dauern die Stopps nicht zu lange.
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Je nach Ladezustand des Akkus lagen die Ladeströme bei bis zu 120 kW. Maximal 150 verspricht Volvo. Die am Anfang gestellte Frage müssen wir allerdings (teilweise) verneinen. Der XC40 Recharge mit zwei Motoren, Allradantrieb und 408 PS Leistung verbrauchte im Test nur eine knappe Kilowattstunde pro 100 km mehr. Ein Verbrauchsvorteil ergibt sich durch den Verzicht auf den Allrad also nicht wirklich, obwohl der Dual Motor auch aufgrund der etwas größeren Batterie (75 statt 67 kWh Kapazität) rund drei Zentner schwerer ist.

Volvo XC40 Recharge
Der WLTP­-Verbrauch des XC40 Recharge ließ sich im Test nicht annähernd erreichen. Die Differenz zum Testverbrauch beträgt knapp 50 Prozent.

Allerdings: Die Werksangabe für den Sprint von 0 auf 100 km/h von 7,4 Sekunden verfehlt der Testwagen zwar, die 231 PS fühlen sich trotz des hohen Gewichts von zwei Tonnen dennoch jederzeit angenehm fix an. Die doppelte Leistung braucht es also definitiv nicht. Denn der Schwede ist ohnehin von gemütlicher Natur, was das Fahren betrifft. Seine absolut sicherheitsbetonte Abstimmung, viel Seitenneigung und die in dynamisch angegangenen Kurven unangenehmen Antriebseinflüsse in der Lenkung ersticken sportliche Ambitionen im Keim.

Preis: sorgenfreies Fahren kostet

Spaß macht der XC40 aber dennoch, nämlich dann, wenn man ihn mit großer Lässigkeit im Ein-Pedal-Modus über Stadt und Land bugsiert. Allerdings hätte sich die Einstellung für diesen Modus nicht im Untermenü verstecken müssen, sondern einen eigenen Schalter verdient. Satte 7500 Euro spart man im Vergleich zum XC40 Recharge mit zwei Motoren. Der Haken an der Sache: Der Elektro-Schwede bleibt auch ohne Allrad, mit fast halbierter Leistung und etwas kleinerem Akku richtig teuer.

Bildergalerie

Volvo XC40 Recharge
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Immerhin beinhaltet der Grundpreis (48.650 Euro) eine dreijährige Garantie (bis 100.000 Kilometer), alle in der Zeit anfallenden Wartungsarbeiten sowie Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung (Versicherung abwählbar, minus 1260 Euro). Bedeutet: ziemlich sorgenfrei elektrisch Volvo fahren. Und das ist alles andere als ein Makel.

Fazit

Dieser Volvo wurde entwickelt, um Fahrer und Passagiere in Ruhe zu lassen. Das gelingt – vor allem aufgrund des sehr entspannten Fahrgefühls und der unkomplizierten Bedienung. Für noch mehr Entspannung hätten allerdings geringerer Verbrauch und größere Reichweite gesorgt. AUTO BILD-Testnote: 2

Von

Berend Sanders