Draußen hängt der Geruch von nasser Straße in der Luft, drinnen riecht es nach Benzin, Gummi und einer Idee, die gerade Form annimmt. Ein Motor tickt heiß nach, irgendwo fällt ein Schraubenschlüssel klirrend zu Boden. Günther Irmscher wischt sich mit ölverschmierten Händen über die Stirn, schaut auf das Auto vor sich – und grinst.
"Fertig. Schnell genug?", fragt jemand. Er schnaubt. "Noch lange nicht. Der ist noch nicht mal richtig wach."
So, oder ungefähr so, beginnt die Geschichte der Irmscher GmbH. Nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem klaren Problem: Serienautos schneller zu machen. Der Rennfahrer und Tüftler nimmt das, was andere für fertig halten, und behandelt es wie einen Anfang. Schraube für Schraube, Teil für Teil wird optimiert, getestet, bis aus "ganz gut" plötzlich "verdammt schnell" wird.
Besonders Modelle von Opel geraten ins Visier. Sie sind solide, zuverlässig und für Irmscher vor allem eines: ausbaufähig. 1968 gründet er dafür sein eigenes Unternehmen – und von Anfang an ist klar: Hier geht es nicht um Chromleisten für die Eisdiele, sondern um echte Performance für die Rennstrecke.

Der Ascona i2000: Irmschers erstes Meisterstück

Wie der Opel Ascona i2000 Irmscher, das erste von Irmscher als Hersteller entwickelte und gebaute Modell. Opel verkauft die heiße Variante zwischen 1978 und 1981 über seine Händler. Ein Renner mit weiß-gelber Speziallackierung und Vorlage für den Breitensport, schnell und erfolgreich: Jochi Kleint wird 1979 damit Rallye-Europameister.
Neben dem gut 1,65 Meter hohen B10 wirkt der Ascona mit seinen 1,38 Meter Höhe wie ein kleiner Sportwagen.
Bild: F. Hoberg
Noch heute fasziniert das Stufenheck-Coupé: Technisch basiert der i2000 auf dem serienmäßigen Ascona mit Hinterradantrieb und 2,0-Liter-Vierzylinder. Mit ein paar mechanischen Kniffen und den Solex-Doppelvergasern kitzelt Irmscher aus dem Triebwerk stramme 121 PS heraus. Motor zünden und genießen: Nach ein paar Umdrehungen blubbert der Vierzylinder tief, verschluckt sich ein, zweimal und fängt bei etwas Drehzahl kehlig an zu röhren. Die Doppelvergaser schlürfen Luft und Sprit in die vier Zylinder, und aus der Sportauspuffanlage wummert es. So muss 70er-Jahre-Tuning klingen.
Motor
Reihenvierzylinder, 2,0 Liter (1.979 ccm)
Leistung
88 kW/121 PS
Getriebe
4-Gang-Schaltgetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Beschleunigung 0–100 km/h
ca. 9,8 s 
Höchstgeschwindigkeit
ca 190 km/h
Radstand
2518 mm
Länge / Breite / Höhe
4321/1670/1380 mm
Gewicht
ca. 1.000
Karosserie
 2-Türer Coupé, verbreiterte Kotflügel, Heckflügel, Frontspoiler
Fahrwerk
Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker vorn, Schraubenfedern, Deichsel-Starachse, Schraubenfedern, Drehstab-Stabi hinten
Bremsen
innenbelüftete Scheibenbremsen vorne
Räder
13-Zoll-Alufelgen
Produktion
5000 Exemplare
Preis
19.790,56 Mark (1979)
Reißt der Pilot die vier Vorwärtsgänge am langen Schalthebel schnell durch, pflügt der i2000 in unter zehn Sekunden auf 100 km/h, bis zu 190 km/h sind drin. Die Nadeln in den Anzeigen zittern kurz und klettern unaufhaltsam nach oben. Doch nicht nur den Motor optimiert Irmscher seinerzeit, denn er weiß: Wer später bremst, ist länger schnell.
Also montiert er für das Rallye-Kit vorne belüftete Bremsscheiben und spezielle Bremssättel für sichere Verzögerung. Front- und Heckspoiler bieten zumindest ein bisschen Abtrieb. In Kombination mit strafferer Feder-Dämpfer-Abstimmung, Achsverbreiterung und ATS-Felgen mit 185/70-R13-Reifen wird der Ascona zum Angstgegner auf Rallyepisten und Landstraßen.
In den Weinbergen rund um Remshalden fühlt sich der unter 1000 Kilogramm leichte Irmscher Ascona heute noch wohl.
Bild: F. Hoberg
Optional bietet Irmscher für seine Varianten Sportsitze mit Opel-Blitz in der Mittelbahn, ein Sportlenkrad, Verbreiterungen und einen Sport-Frontspoiler an. Mehr Sport geht Ende der 70er-Jahre nicht. Das sehen auch die rund 5000 Kunden so.

Vom Opel-Tuner zum Automobil-Veredler

Und nicht nur die. Was als pragmatische Zusammenarbeit mit Opel beginnt, entwickelt sich zu einer engen Partnerschaft. Irmscher holt in den nächsten Jahren – ach, Jahrzehnten – aus Opel-Fahrzeugen das heraus, was in ihnen steckt – und oft noch ein bisschen mehr.
In den späten 70er- und den 80er-Jahren verwandelt sich das Unternehmen in einen der bekanntesten Tuner Europas. Serienmodelle bekommen breitere Schultern, tiefere Karosserien und einen Auftritt, der schon im Stand nach Geschwindigkeit aussieht. Irmscher-Autos wirken nicht wie verkleidete Serienwagen, sondern wie zivile Versionen von Rennmaschinen.
Lange, flache Motorhaube, Zweifarblackierung und Sportfelgen – der Ascona macht auch heute noch was her.
Bild: F. Hoberg
In den 1990er-Jahren merkt Irmscher, dass Geschwindigkeit allein nicht mehr reicht. Kunden wollen Individualität, Stil und ein neues Gesamtpaket. Also wandert der Fokus ins Wageninnere: Leder, Dekore, maßgeschneiderte Ausstattung. Irmscher entwickelt sich zum Veredler und Konzeptanbieter und baut seine Rolle als Entwicklungsdienstleister weiter aus.

Leapmotor B10 Dynamic: Elektro-SUV mit Irmscher-DNA

Bestes Beispiel: der neue Leapmotor B10 Dynamic by Irmscher. Denn manchmal reicht es nicht, einfach nur ein gutes Auto zu bauen – manchmal muss es auch so aussehen, als wäre es gerade aus einer Kurve gefallen. Genau in diese Richtung geht die veredelte Sonderversion des elektrischen Kompakt-SUV B10.
Auf 4,51 Metern bietet der B10 erstaunlich viel Platz und dazu ein Kofferraumvolumen zwischen 420 und 1700 Litern.
Bild: F. Hoberg
Technisch bleibt das Fahrzeug nah an der Serie. Der elektrische Antrieb im 4,5 Meter langen SUV liefert rund 160 kW/218 PS und treibt die Hinterräder an. Energie kommt aus einer LFP-Batterie mit etwa 70 kWh Kapazität, die je nach Fahrweise eine Reichweite von ungefähr 430 bis 570 Kilometern ermöglicht. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in rund 7,5 Sekunden, was den B10 bereits in der Serienversion zu einem recht dynamischen Elektro-SUV macht.
Motor
Elektromotor
Leistung
160 kW/218 PS
Drehmoment
240 Nm
Getriebe
1-Ganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Beschleunigung 0–100 km/h
ca. 7,3 s 
Höchstgeschwindigkeit
170 km/h (elektronisch begrenzt)
Verbrauch
17,2 kWh/100 km
Radstand
2735 mm
Länge / Breite / Höhe
4515/1885/1655 mm
Gewicht
1780 kg
Karosserie
fünftüriges SUV
Fahrwerk
Einzelradaufhängung
Bremsen
innenbelüftete Scheibenbremsen rundum
Räder / Reifen
19-Zoll-Alufelgen, 225/45 R19 vorne, 235/45 R19 hinten
Produktion
500 Exemplare
Besonderheiten
Sportfahrwerk mit 30 mm Tieferlegung, Designbeklebung, Heckspoiler, Edition-Plakette, Schlüsselkartenetui, bestickte Fußmatten
Preis
38.500 Euro
Doch der B10 Dynamic setzt auf ein anderes Fahrgefühl. Irmscher verändert das Fahrwerk mit einer Tieferlegung von etwa 30 Millimetern sowie einer strafferen Abstimmung von Federn und Dämpfern. Dadurch wirkt das Fahrzeug direkter, weniger weich gefedert und insgesamt stabiler in schnell gefahrenen Kurven. Ergänzt wird das Set-up durch selbst entwickelte 19-Zoll-Räder, die sowohl die Optik als auch die Fahrdynamik beeinflussen.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkLeapmotor B10

Leapmotor B10

Carwow Logo
Optisch bekommt der B10 Dynamic ein deutlich sportlicheres Gesicht. Ein neu gestalteter Frontspoiler, Seitenschweller und ein im Windkanal getesteter Heckspoiler sorgen für einen breiteren und flacheren Eindruck. Dazu verziert Irmscher die Karosserie dezent mit Emblemen und Designakzenten, die das Fahrzeug als Sonderedition kennzeichnen. Der Innenraum bleibt weitgehend seriennah, wird aber durch kleine exklusive Details wie eine spezielle Schlüsselkarte, Velours-Fußmatten und eine fortlaufende Nummerierung aufgewertet.
Von 0 auf 100 beschleunigt der Ascona in unter 10 Sekunden, der Leapmotor B10 schafft den Sprint in 7,3 Sekunden.
Bild: F. Hoberg
Etwa 38.500 Euro verlangt Irmscher für den Leapmotor B10 Dynamic – und damit 4600 Euro mehr als für die Ausstattung Design beziehungsweise 6100 Euro zusätzlich zur Ausstattung Life. Dafür erhalten Kunden neben dem sportlichen Set-up auch eine exklusive Note: Lediglich 500 Einheiten plant Irmscher vom B10 Dynamic.

Ein gutes Auto ist nur der Anfang

Damit zeugt der Mittelständler aus Remshalden von Tradition und Erfindergeist. Die Wurzeln im Motorsport sind noch immer spürbar, treffen heute aber auf neue Mobilitätsideen und einen Markt, der Individualität mehr schätzt denn je. In den vergangenen 58 Jahren hat Irmscher rund 550.000 Fahrzeuge umgebaut.
Was als Vision eines Rallyefahrers begann, ist längst zu einer festen Größe in der Automobilwelt geworden – mit einem klaren Prinzip: Ein gutes Auto ist nur der Anfang. Und eigentlich auch nur die Basis. Fertig? Noch lange nicht.