VW California eHybrid 4Motion im Test
Das Beste aus drei Welten: VW bringt Hybrid-Allrad in den Camper

Der neue Plug-in-Hybrid-Allradantrieb sorgt für ein rein elektrisches Anfahren des Bullis im Stadtverkehr. Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge unterstreicht man damit noch mal den Alltagsnutzen. Doch welchen Mehrwert liefert das für Camper?
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Es wurde schon viel geschrieben zum neuen California. Doch auserzählt ist die Geschichte des neuen Modells eines legendären Klassikers noch lange nicht. So hat man sich bei Volkswagen Nutzfahrzeuge dazu entschieden, den "Cali" nun auch mit dem hauseigenen Plug-in-Hybrid-Allradantrieb auszustatten.
Rein elektrisches Anfahren mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 95 Kilometern gepaart mit einem 1,5-Liter-Turbobenziner soll das Stromern mit Langstreckentauglichkeit und maximaler Traktion verbinden. Dieses "konkurrenzlose System" verbinde das Beste aus drei Antriebswelten, ohne dabei technische oder fahrdynamische Kompromisse eingehen zu müssen. Das weckt natürlich unser Interesse. Wir schauen aber auch noch einmal auf die für uns entscheidenden Camping-Aspekte.

Für bis zu 95 Kilometer elektrische Reichweite sorgt die 19,7-kWh-Batterie. Der Ladevorgang ist kurzweilig.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Das ist er: Der New California kommt auf einem völlig neuen Basisauto daher. So hat man bei VW erstmals die Transporterbasis verlassen und mit dem neuen Multivan ein Fahrzeug gewählt, das näher am Pkw und damit näher am Alltagsnutzen verortet sein soll. Bei Fans sorgte das für wenig Begeisterung. Die Sorge: Der Cali verliert den Kern des typischen Bulli-Feelings.
Optisch erinnert der Wagen mit der lang gezogenen Motorhaube und den seitlichen Längsfenstern tatsächlich eher an die Wolfsburger Familienautos Sharan oder Touran als an einen Transporter. Der Unterschied zu T6, T5 oder T4 ist deutlich. Die neue California-Basis ist insgesamt auch schmaler geworden, was sich insbesondere im Inneren des Campers bemerkbar macht.
Fahrzeugdaten | VW California eHybrid 4Motion |
|---|---|
Motorisierung | 1.5 TSI eHybrid4Motion |
Leistung | 130 kW (177 PS) bei 5500/min |
Hubraum | 1498 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang-DSG/Allrad |
Batteriekapazität | 19,7 kWh |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 45 l/Benzin |
Länge/Breite/Höhe | 5173/1941/1972 mm |
Radstand/Bereifung | 3124 mm/215/65 R 16 |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2659/291 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1600/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/Boden | Blech |
Liegefläche oben L x B | 2050 x 1140 mm |
Liegefläche unten L x B | 1980 x 1060 mm |
Innenhöhe geschlossen/offen | 1297/2108 mm |
Kühlschrank | 37 l |
Herd | Gas, 1 Flamme |
Bordbatterie | 80 Ah/LiFePO4 |
Frisch-/Abwassertank | 29/22 l |
Gasvorrat/Heizung | 1x 2,8 kg/Kraftstoff-Standheizung |
Grundpreis/Testwagenpreis | 99.574 Euro / 107.815 Euro |
Mit dem neuen Plug-in-Hybrid-Allradantrieb gehen die Verantwortlichen in Hannover den eingeschlagenen Weg aber zumindest konsequent und unterstreichen damit den Fokus auf Pkw-Feeling und Alltag. Ein diskutabler Punkt, bei dem Familien für sich bewerten müssen, wie häufig der Wagen im Jahr als Reisemobil und wie häufig als reines Auto genutzt wird. Kommt man dann zu dem Ergebnis, dass der Wagen primär als Alltagsfahrzeug und nur gelegentlich als Camper dient, erhält man mit dem neuen Cali eine verbesserte Version davon.
Camping-Features: Bewährtes mit neuen Ideen
Campingtechnisch zunächst einmal alles, was man von dem Klassiker gewohnt ist: Aufstelldach, Küchenzeile, drehbare Vordersitze und ein weiteres Bett durch Umbau der Rücksitze. Aufgrund des neuen Basisautos wurden allerdings ein paar Dinge angepasst. So ist die auffälligste Neuheit wohl die zweite Schiebetür auf Fahrerseite. Dort endet der Küchenblock jetzt deutlich vor dem Fahrersitz, wodurch das Ein- und Aussteigen ermöglicht wird.

Schicker Möbelbau, tolles Lichtkonzept und ein verbessertes Aufstelldach: Der California bleibt in vielen Punkten der Platzhirsch.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Der Klapptisch lässt sich nun sowohl innen als auch außen am Küchenblock einhängen. So kann draußen im Stehen geschnippelt werden, was eine praktische Neuerung darstellt. Für die Küche bedeutet das allerdings weniger Platz, und so müssen Camper künftig mit einer statt zwei Gasflammen auskommen. Aus der Kühltruhe ist eine ausziehbare Kühlbox geworden. Eine Spüle mit 29-Liter-Frischwassertank gibt es weiterhin. Insgesamt wirkt das Interieur sehr hochwertig und stylish. Da hat man sich bei VW nicht lumpen lassen und wird seiner Rolle als Campervan-Platzhirsch vollends gerecht.

Mit 1,06 Meter Breite eignet sich das Bett für zwei Erwachsene leider nicht wirklich, schade!
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Auch das digitale Bedienpanel für Füllstände und Lichtsteuerung ist nett und überzeugt. Die Rücksitzbank musste zwei Einzelsitzen weichen, was etwas mehr Flexibilität ermöglichen soll. Klappt man diese um, entsteht ein Bett mit einer Länge von knapp zwei und einer Breite von 1,06 Meter.
Der Knackpunkt: Schlafkomfort bleibt auf der Strecke
Und da wären wir beim Knackpunkt des neuen California: die Schlafplätze. Dieses Auto als Familienfahrzeug zu verkaufen setzt voraus, dass Mami und Papi genug voneinander haben und das Ehebett ohnehin nicht mehr miteinander teilen, denn auf knapp einen Meter Breite passen keine zwei Erwachsenen. Zumindest nicht komfortabel.
Ähnlich sieht es leider im Aufstelldach aus. Dort nächtigt man nun auf einer Breite von 1,14 Metern (beim T6 waren es noch 1,20 Meter). Das ist schon sehr schmal, um dort mit zwei Erwachsenen bequem zu schlafen. Gepaart mit der wenige Zentimeter dicken Matratze ist das bei einem Campervan dieser Preisklasse leider dürftig.
Punkten kann hingegen der neue Faltenbalg. Dieser ist nun zweilagig, wodurch das Innere nun endlich richtig abgedunkelt wird. Trotzdem: Der Fokus auf die Alltagstauglichkeit fordert vor allem nachts seinen Tribut. Wenn dann noch mehr als zwei Personen verreisen, wird's eng. Das ist schade, denn ansonsten ist der Cali nach wie vor schön gemacht, komplett durchdacht und bietet alles, was man erwarten darf.
Fahrgefühl: Komfort trifft moderne Technik
Sehr komfortabel! Mit zahlreichen Assistenzsystemen, USB-C-Ladebuchsen und einem großen Display samt Apple CarPlay und Co ist der Wagen jetzt absolut auf Höhe der Zeit. In Verbindung mit dem neuen Antrieb ergibt das ein gelungenes Gesamtpaket.

Durch die lange Front sind "Bulli-Feeling" und Nutzfahrzeug-Charakter leider weg, der Fahrkomfort ist dagegen toll.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Das rein elektrische Anfahren mit einer Reichweite von bis zu 95 Kilometern wirkt vor allem im Stadtverkehr angemessen. Für wen die Reichweite auf den ersten Blick gering erscheint, dem sei gesagt, dass vor allem im Stadtverkehr die meisten Fahrten weniger als 50 Kilometer lang sind. Im Alltag ist der California damit also zum reinen E-Auto geworden. Auch auf dem Campingplatz ist das leise elektrische Anrollen ein Pluspunkt.
Die beiden E-Maschinen treiben sowohl die Vorder- als auch die Hinterachse an und sorgen damit für maximale Traktion. Schnee und Matsch sollten damit auch kein Problem mehr sein. Für die Langstrecke liefert der Turbobenziner die nötige Ausdauer.
Gewohnt hochwertiger Kompromiss
Die elektrische Hinterachse schaltet sich übrigens auch dazu, wenn die Batterie leer ist, weil der benötigte Strom durch den TSI-Motor und die in dem Fall als Generator arbeitende elektrische Vorderachse produziert wird. Dieses Verfahren ist äußerst bequem. In verschiedenen Fahrprofilen, etwa Eco oder Sport, können darüber hinaus persönliche Präferenzen eingepflegt werden. So liefert der Sportmodus die maximale Systemleistung und schaltet den Allradantrieb bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h zu.
Wer auf solche Optionen Wert legt und überwiegend ein Fahrzeug für Stadtverkehr und Urlaubsreisen haben möchte, bekommt beim California den gewohnt hochwertigen Kompromiss. Mit dem neuen Antrieb und dem neuen Basisauto schlägt das Pendel nun aber eindeutig in Richtung Alltagsnutzung.
Fazit
In puncto Fahrkomfort setzt der California mit dem Plug-in-Allradantrieb neue Maßstäbe und macht damit wichtigen Boden zum Konkurrenten Mercedes Marco Polo gut. Auch der Campingausbau ist modern, schick und wird den hohen Ansprüchen gerecht. Der Fokus auf die Alltagsnutzung fordert jedoch seinen Tribut. So sind die Betten schlicht zu schmal. Auch die Küche fällt mit nur einer Gasflamme dürftig aus.
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