Große Gesten waren noch nie sein Ding. Der Golf 7 ist als Kombiversion Variant lieber nützlicher Alltagsheld. Er ist ein uneitler Typ, der fast alles kann und niemandem erklären muss, warum gerade er vor der Tür steht. Für die siebte Generation fand Volkswagen beim Variant außerdem eine erstaunlich stilsichere Design-Handschrift, die vielleicht gerade durch den Verzicht auf unnötigen Lifestyle-Schmuck das ehrliche Nutzwert-Auto bis heute vortrefflich altern lässt.
AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt Golf 7 Variant
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Mehr Platz, gute Ergonomie und erstaunlich viel Qualität

Das ist er: Im Sommer 2013 kam der Golf 7 Variant auf den Markt, 2017 folgte ein gründliches Facelift. Und genau diese späten, von Kennern der Marke gern Golf 7.5 genannten Autos sind besonders interessant. Äußerlich änderte VW nur Details, investierte in neue Stoßfängerformen und diskreten Chromzierrat. Doch technisch gab es ein deutlicheres Update: frische Motoren, neue Infotainmentsysteme, zusätzliche Assistenten, LED-Scheinwerfer und auf Wunsch das digitale Kombiinstrument Active Info Display.
VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
Als Variant macht sich der Golf 7 4,57 Meter lang, was gegenüber dem Standard-Golf gut 30,9 Zentimeter Zuwachs bedeutet.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Was gut gefällt, ist der Formfaktor. Mit 4,57 Meter Länge ist der Variant gut 30 Zentimeter länger als der normale Golf, streckt sein Format tatsächlich in Richtung 90er-Jahre-Passat aus. Und genau das gefällt gut. Der Variant funktioniert für vierköpfige Familien lässt sich gleichzeitig aber noch angenehm dirigieren. Beim Kofferraum zahlt sich das längere Heck aus. Stattliche 605 Liter passen hinein, bei umgeklappter Rückbank sind es bis zu 1620 Liter. Und nicht nur die Literangabe stimmt zufrieden: Die Ladekante ist niedrig, die Öffnung groß, das Abteil insgesamt rechteckig-praktisch. So praktisch sogar, wie kein gleich alter mittelgroßer Volvo Kombi mehr sein sollte.

Technische Daten

Technische Daten
Motor
Vierzylinder/vorn quer
Vierzylinder/vorn quer
Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Hubraum
1498 cm³
1968 cm³
1984 cm³
Leistung
110 kW (150 PS) bei 5000/min
110 kW (150 PS) bei 3500/min
221 kW (300 PS) bei 5500/min
Drehmoment
250 Nm bei 1500/min
340 Nm bei 1750/min
400 Nm bei 2000/min
Höchstgeschwindigkeit
218 km/h
218 km/h
250 km/h
0–100 km/h
8,7 s
9,0 s
4,0 s
Tank/Kraftstoff
50 l/Super
50 l/Diesel
55 l/Super
Getriebe/Antrieb
Sechsgang man./Vorderrad
Siebengang-DSG/Vorderrad
Siebengang-DSG/Allrad
Länge/Breite/Höhe
4567/1799/1496 mm
4567/1799/1496 mm
4586/1799/1515 mm
Kofferraumvolumen
605-1620 l
605-1620 l
605-1620 l
Leergewicht/Zuladung
1375/535 kg
1485/535 kg
1590/520 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
1500/680 kg
1600/740 kg
-
Ergonomie konnte VW in dieser Golf-Fahrzeuggeneration übrigens generell richtig gut. Vorn sitzt es sich mit 1,60 Meter oder 1,95 Meter Körpergröße durch den großen Verstellbereich mit Würde. Und im Fond reicht der Platz ebenfalls für Erwachsene, doch der Komforteindruck ist räumlich und in der Detailliebe etwas einfacher. Noch stärker ist der bleibende Qualitätseindruck. Klare Instrumente und einfache Bedienung wurden großgeschrieben. Aufwendig geschäumte Kunststoffe, sauber rastende Schalter und penible Passungen erinnern daran, wie viel Aufwand und Mühe die Wolfsburger damals in ihren Kompakten investierten. Zwar ist das Interieur inzwischen sichtbar gealtert, aber neben manch jüngeren Kompakten fühlt es sich subjektiv eine ganze Klasse wertiger an.

Ex-Geschäftswagen sind oft die bessere Wahl

Das hat er: Trendline, Comfortline und Highline heißen die drei relevanten Ausstattungslinien. Trendline liefert die Basics, ist durch einfache Polsterstoffe und meist kleine Stahlräder klar die Economy-Lösung. Die Comfortline ist der vernünftige Mittelweg, der feine Highline bringt edleres Ambiente. Nur für Fans, teuer und deswegen hier nicht weiter betrachtet: der sportliche Diesel GTD, der Understatement-Allrad-Sportler R (mit 310 PS bis zu 270 km/h schnell) und der Crossover Alltrack.
VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
Ergonomisch ist der Golf 7 seinem Nachfolger überlegen. Die Materialien sind für die Klasse solide.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Beim Golf Variant zählt meist weniger die Linie, sondern wo der Erstbesitzer die Extrakreuzchen setzte. Und da können gerade Ex-Geschäftswagen überraschen. Diese machten oft Strecke, wurden dafür häufig mit Business-Paketen geordert. Navi, Sitzheizung und vor allem der hervorragende ergoActive-Fahrersitz sind echte Kaufargumente. Letzterer bietet eine ausziehbare Oberschenkelauflage, elektrische Lordosenstütze und minimalistische Massagefunktion.
Beim Facelift sind außerdem Voll-LED-Scheinwerfer, adaptiver Tempomat (ACC), Discover und Media-Infotainment empfehlenswert. Das Active-Info-Display-Kombiinstrument sieht moderner aus, ist dagegen aber verzichtbar. Interessant sind auch die zahlreichen Sondermodelle. "Sound" und später "Join" boten recht viel Ausstattung fürs Geld. Üppig wirkt der 2019 angebotene IQ.Drive mit ACC, Blind Spot Sensor, Lane Assist, Park Assist, Climatronic und Winterpaket.

Für jeden Einsatz der passende Motor

So fährt er: Unauffällig gut. Dem Variant liegen Autobahn, Landstraße und mit geringen Abstrichen auch die Stadt. Bei den späten Benzinern startet das Programm mit dem 1.0 TSI mit 110 PS. Der kleine Dreizylinder reicht für den Alltag, wirkt beladen jedoch gequält. Besser zum Variant passen die stärkeren Vierzylinder. Besonders die 150-PS-Version ist eine gute Wahl, sie wirkt recht kultiviert und ist bei vernünftiger Fahrweise sparsam.
VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
Brav untersteuernd abgestimmt, ist der Golf Variant kein Kurvenräuber, aber dafür komfortabel und sicher.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Oft steht TDI am Heckdeckel. Der 1.6 TDI leistet 115 PS. Seine Fahrleistungen sind unspektakulär, für Pendler und ruhige Langstreckenfahrer sind dafür Verbräuche um fünf Liter möglich. Mehr Reserven bietet der 2.0 TDI mit 150 PS und 340 Nm. Voll beladen, mit Anhänger oder auf der Autobahn gefällt dieser kräftigere Typ klar besser. Mit DSG ist er ein souveräner Reisewagen. Der 184 PS starke GTD ist die sportliche Alternative, spielt für die 10.000-Euro-Vernunftnummer leider wie der 300 PS starke R aber keine Rolle.
Exotisch und im Alter technisch nicht immer unproblematisch sind die TGI-Modelle mit Erdgasantrieb und 110 PS, die jedoch je nach Tankstelle enorm niedrige Kraftstoffkosten verursachen. Bei höheren Laufleistungen sollte die Wartungshistorie stets lückenlos sein. Beim Diesel gilt außerdem: Nutzung schlägt Kilometerstand. 200.000 überwiegend auf der Autobahn gefahrene Kilometer müssen kein Ausschlussgrund sein.

Stärken

  • Guter Nutzwert
  • Umfangreiche Konfigurierbarkeit
  • Starke Qualitätsanmutung

Schwächen

  • Karge und lahme Grundmodelle
  • Teils teure DSG-Probleme
  • Sensible Peripherie der TDI-Motoren

Solide, aber nicht ohne Schwächen

Das macht Ärger: VW bot ab Werk zwei bis fünf Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Das trockene 7-Gang-DSG neigt beim Anfahren zu Ruppigkeit, zeigt erhöhten Kupplungsverschleiß. Die damals neuen 1.5-TSI ACT-Motoren nerven teils durch Ruckler im unteren Drehzahlbereich. Dafür haben die TDI-Motoren bei hohen Laufleistungen teils Probleme mit dem AGR-System, vollen Partikelfiltern oder defekten Injektoren. Viel Kurzstrecke erhöht das Risiko.

Bildergalerie

VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
VW Golf Variant 2.0 TDI DSG
Galerie "VW Golf 7 Variant im Gebrauchtwagen-Test" mit 17 Bildern öffnen
VW Golf 7 Variant im Gebrauchtwagen-Test
Multimedia-Themen: Das Infotainment gilt gegenüber der MIB-3-Generation insgesamt als solider und weniger störanfällig, leidet vereinzelt unter Software-Hängern und Touchscreen-Aussetzern. Leckagen: Die Wasserpumpe wird gern undicht, ebenso das optionale Panoramadach. Arg strapazierte Exemplare zeigen teils Rostansätze an Schwellern, den hinteren Radläufen und der Hinterachse. Beim KBA sind für den Golf 7 Variant 35 Rückrufe hinterlegt.

Unterhaltskosten

Unterhaltskosten
Testverbrauch
5,6 l D/100 km
CO2 gem. WLTP-Zyklus
138 g/km
Inspektion
350-600 Euro
Haftpflicht (14)*
613 Euro
Teilkasko (21)*
770 Euro
Vollkasko (16)*
1136 Euro
Kfz-Steuer (Euro 6d-Temp)
278 Euro

Ersatzteilpreise*

Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT)
839 Euro
Anlasser
751 Euro
Wasserpumpe
978 Euro
Zahnriemen
817 Euro
Nachschalldämpfer
571 Euro
Kotflügel vorn links, lackiert
1257 Euro
Bremsscheiben und -klötze v.
667 Euro
Infotainmenteinheit
1189 Euro
4 Sommerreifen (Dimension 205/55 R 16 H)
550 Euro

Fazit

von AUTO BILD
Früher war nicht alles besser. Aber der Golf 7 Variant wurde sorgfältig konstruiert, mit Premium-Appeal. Teile sind recht günstig, aber die Wartungshistorie sollte passen.