VW Golf GTE Facelift im Test
Watt geht ab: Im Golf GTE steckt Fahrspaß und Sparpotenzial

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Vor allem der Plug-in-Hybrid wurde nicht nur optisch aufgemöbelt, es gab mit dem Vierzylinder EA211 evo auch mehr Hubraum (jetzt 1,5 statt 1,4 Liter), der Akku wuchs auf fast die doppelte Kapazität (19,7 statt 10,4 kWh netto), und das Topmodell GTE bekam eine ordentliche Leistungsspritze (272 statt 245 PS).
Auch Zwei-Meter-Piloten sitzen bequem
Das Format des Golf bleibt alltagsgerecht, vier Erwachsene sitzen ordentlich. Die Vordersitze gefallen mit bequemen Polstern und gutem Seitenhalt, die integrierte Kopfstütze reicht hoch genug, um auch Zwei-Meter-Piloten nicht zu ärgern. Wenn etwas fehlt, dann eine Verlängerung für die Beinauflage.

Das Format des Golf ist mit 4,29 Metern Länge bei 2,63 Metern Radstand alltagsgerecht. Vier Erwachsene sitzen ordentlich.
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Hinten bleibt der Sitzkomfort okay, bei einer Beinhöhe von 36 Zentimetern über dem Fahrzeugboden müssen auch große Gäste nicht hocken wie ein Frosch. Hier fehlt allerdings eine Neigungsverstellung für die Lehne.
Bedienung gibt wenig Rätsel auf
Software-Update und Beleuchtung für die (nach wie vor gewöhnungsbedürftigen) Slider verbessern die Bedienbarkeit, der große 12,9-Zoll-Touchbildschirm mit scharfer Grafik und kurzen Reaktionszeiten gibt wenig Rätsel auf, die aufmerksame Sprachassistenz nutzt unter anderem ChatGPT.

Ein Cockpit im vertrauten VW-Layout, Edelstahl-Pedalerie und Sportlenkrad sind die Sportabzeichen für den GTE.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nix zu meckern also? Doch: Dem Navi fehlt eine Satellitenansicht, die vier Sensor-Schnellwahlfelder um den Warnblinker-Knopf sind zu klein und hätten einen festen Druckpunkt verdient, die Motorhaube wird nach wie vor per Stange gehalten. Und die Hybridbatterie kostet satte 108 Liter Kofferraum.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Golf GTE |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R4, Turbo + E-Motor, PHEV |
Leistung Verbrennungsmotor | 130 kW (177 PS) |
Hubraum | 1498 cm³ |
Einbaulage/Nockenwellenantrieb | vorn quer/Zahnriemen |
Leistung Elektromotor | 85 kW (116 PS) |
Systemleistung | 200 kW (272 PS) |
Systemdrehmoment | 400 Nm |
Vmax | 230 km/h |
Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40 R 18 Y |
Reifentyp | Bridgestone Potenza S005 |
Radgröße | 7,5 x 18" |
Abgas CO2 | 7 g/km |
Verbrauch* | 0,3 l S + 15,9 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität | 40 l/19,7 kWh |
Ladeleistung/Ladezeit (AC/DC) | 11/40 kW/2:30 Std./26 Min. |
Kraftstoffsorte | Super |
Vorbeifahrgeräusch | 70 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1700/750 kg |
Stützlast | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 273–1129 l |
Länge/Breite/Höhe | 4289/1789–2073**/1478 mm |
Radstand | 2630 mm |
Grundpreis | 47.950 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 51.550 Euro |
Das Motoren-Duo aus 177 PS starkem 1,5-Liter-Vierzylinder und E-Maschine mit 116 PS schiebt immerhin 272 PS und 400 Nm Systemleistung an die Vorderräder. Entsprechend quirlig geht der GTE zur Sache, hakt Tempo 100 nach 6,1 und Tempo 200 nach 21,5 Sekunden ab, schafft maximal 230 km/h – nicht schlecht für einen 1630 Kilogramm schweren Plug-in.

Verbrenner und E-Motor bringen es auf 272 PS Systemleistung. Orange Hochvoltkabel im Motorraum verraten den Teilzeitstromer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Zusammenspiel der beiden Motoren erfolgt unbemerkt und völlig reibungslos. Bis 140 km/h lässt sich sogar allein mit Strom durchs Land flüstern, im Eilmodus packt der Turbo energisch (und akustisch präsent) zu, der Doppelkuppler findet schnell und ruckfrei die passenden Übersetzungen.
Insgesamt ist der GTE sehr sparsam
Dank des großen Akkus mit 19,7 kWh Nettokapazität schafft der GTE auf unserer Testrunde 108 Kilometer rein elektrisch. Da werden viele Pendler unter der Woche zu E-Mobilisten, die sich auch am Wochenende nicht einschränken müssen. Der GTE segelt gern und oft, die Rekuperation arbeitet mit weiser Voraussicht (allerdings ohne B-Stufe, um verstärkt Energie einzusammeln). Auch so liegt die Gesamtreichweite dann aber bei 820 Kilometern. Dazu trägt auch der sparsame TSI bei, selbst ohne Akku-Unterstützung reichen ihm 5,6 Liter alle 100 Kilometer.

Ordentlich: Im Test verbrauchte der GTE 3,4 Liter Super und 8,4 kWh auf 100 Kilometer – bei 60 Prozent Hybrid- und 40 Prozent E-Anteil.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Mitgedacht haben die Wolfsburger auch beim Thema Laden. Der GTE verfügt serienmäßig über einen 11-kW-Wechselstromlader, der den Akku in 2,5 Stunden komplett nachfüllt. Und sogar Schnellladen geht. Mit 40 kW dauert es von 10 auf 80 Prozent im Idealfall keine halbe Stunde.
Messwerte
Modell | VW Golf GTE |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,7 s |
0–100 km/h | 6,1 s |
0–130 km/h | 9,1 s |
0–160 km/h | 13,2 s |
0–200 km/h | 21,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,8 s |
80–120 km/h | 3,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1630/470 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,0 m |
Sitzhöhe | 515 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,9 m |
aus 100 km/h warm | 34,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Stromverbrauch | 21,1 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-, 40 % E-Anteil) | 3,4 l S + 8,4 kWh/100 km |
Verbrauch mit entladener Batterie | 5,6 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 80 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 714 km + 108 km elektrisch |
Trotz aller eben skizzierter Vernunft kann der GTE natürlich auch Spaß. Die mitteilsame Lenkung und das Sportfahrwerk machen Kurven zum Vergnügen, die elektronische Differenzialsperre sorgt für passenden Grip, die gut dosierbare, bissige Bremse und reichlich Assistenz minimieren die Risiken.
Wer eben bei Sportfahrwerk um seine Bandscheiben fürchtete: keine Panik. Der GTE federt fest, aber nicht fies. Und das weit gespreizte Adaptivfahrwerk (15 Stufen, 880 Euro) erlaubt, selbst die Schwiegereltern gefahrlos zum Ausflug zu bitten.
Testwagen für über 50.000 Euro
Nein, leider kein Fehler: Der Golf GTE kostet wirklich 47.950 Euro – mindestens. So wie von uns getestet und bewertet, kommen stolze 51.550 Euro zusammen, inklusive aller Extras stehen auf dem Preisschild des Testwagens sogar 56.440 Euro. Auch Leasing ist nicht unbedingt eine Alternative. VW verlangte bei Redaktionsschluss 551 Euro pro Monat (keine Anzahlung, 48 Monate, 15.000 km/Jahr).

Teuer: Für den Golf GTE verlangt VW mindestens 47.950 Euro. Inklusive aller Extras kostete der Testwagen satte 56.440 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Okay, dafür kann sich aber schon die Grundausstattung des GTE sehen lassen. Immer an Bord sind: Abbiegebremsfunktion und Ausweichunterstützung, automatische Distanzregelung ACC, Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Ausstiegswarnung, Verkehrszeichenerkennung, Center-Airbag, adaptiver Geschwindigkeitsbegrenzer, Apple CarPlay/Android Auto kabellos, Infotainmentsystem mit 12,9-Zoll-Monitor, induktive Ladefunktion, Sportsitze, Dreizonen-Klimaautomatik, Keyless Go, LED-Plus-Scheinwerfer mit Abbiege- und Schlechtwetterlicht, Sportfahrwerk, elektronische Differenzialsperre und mehr.
Wertung VW Golf GTE
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Gutes Raumkonzept, übersichtlich, ordentlicher Qualitätseindruck, aber Motorhaube mit Stange. | 4 / 5 |
Antrieb | Flotte Fahrleistungen, harmonischer Hybridantrieb, aufmerksames DSG, Verbrauch okay. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Angenehm handlich, fahrsicher, mitteilsame Lenkung, stabile Bremse mit gutem Pedalgefühl. | 4 / 5 |
Connected Car | Aufmerksame Sprachbedienung, kabellose Handyeinbindung, Navigation ohne Satellitenkarte. | 4 / 5 |
Umwelt | Hohes Außengeräusch, Gewicht noch okay, Plugin mit großem Akku, kann Schnellladen (40 kW). | 2,5 / 5 |
Komfort | Sitze vorn gut, aber ohne Auszug für Beinauflage, DCC (Option) bringt guten Komfort, meist leise. | 4 / 5 |
Kosten | Hoher Preis, mäßiger Restwert, nur zwei Jahre Garantie. Unterhalt insgesamt recht günstig. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Gut gefallen haben uns auch die zwei Jahre Wartungsintervall und zurückhaltende Versicherer. Weniger Begeisterung lösen die Wolfsburger mit ihrer Garantie aus, die anscheinend unverrückbar zwei Jahre beträgt – während andere Hersteller schon zweistellige Jahreszahlen ausrufen! Darüber sollte VW ruhig noch mal gut und besser nachdenken ...
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