VW Golf V GTI Pirelli: die zweite Generation
Auf den Spuren des zweiten Pirelli-Golf

Bild: Volkswagen AG
- Stefan Grundhoff
Trotzdem ist der Pirelli-Golf nicht nur unter ausgemachten Golf-Fans oder gar allein in Deutschland eine noch junge Klassikerlegende. Auch der zweite Pirelli-Golf, auf technischer Basis des Golf V GTI, dürfte ebenso wie die eng verwandte Edition 30 das Zeug zu einem begehrten Youngtimer haben.
Der Pirelli II ist weitaus unbekannter, denn es entstanden nur wenige Hundert Modelle mit der obligatorischen Pirelli-Plakette am Heck, während von der Ursprungsgeneration des Golf GTI Pirelli zum Ende der ersten Generation mehr als 10.000 Fahrzeuge vom Band liefen und zumeist jüngere Kunden beglückten.
Golf GTI V Pirelli zum 30. Geburtstag
Abgeleitet ist der Golf GTI V Pirelli vom GTI der Edition 30, den die Wolfsburger anlässlich des 30. Geburtstags der kompakten Sportversion präsentierten.

Der Golf der zweiten Pirelli-Generation ist etwas für Kenner.
Bild: Volkswagen AG
Entsprechend erstarkte der zwei Liter große Vierzylinder-Turbomotor des Baumusters EA 888 mit an sich 147 kW/200 PS und 280 Nm auf immerhin 169 kW/230 PS und 300 Nm. Der Golf der zweiten Pirelli-Generation ist etwas für Kenner, denn man muss schon genau hinschauen, um den Golf V GTI durch die kleine Plakette am Heck und spezielle Leichtmetallfelgen als solchen erkennen zu können.
Die Modelle haben Xenonscheinwerfer nebst Reinigungsanlage, und ebenso wie beim Standard-GTI gibt es neben dem rot umrandeten Kühlergrill serienmäßig Nebelscheinwerfer in der Frontschürze.
Der Motor ist eine Wucht
Auch wenn der Pirelli-GTI seit seiner Premiere beim einst so bedeutenden GTI-Treffen am Wörthersee schon mehr als 15 Jahre auf dem Buckel hat – er macht Laune und der Motor ist eine Wucht. Das Turboloch in niederen Drehzahlregionen ist überschaubar, und auch beim Fahrverhalten präsentiert sich der knapp 1,4 Tonnen schwere Fronttriebler deutlich leichtfüßiger als das Topmodell des VW Golf R32, der mit seiner Kombination aus Sechszylinder, DSG und Allradantrieb seinerzeit das Maß der Dinge war und daher auch die Pirelli-Version und die Edition 30 im Schatten parken ließ.

Das eingestanzte Reifenprofil der Pirelli-Pneus ist eine besondere Schau, die dem wertigen, aber sehr nüchternen Innenraum eine besondere Note verleiht.
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Musste der Ahne seine 82 kW/112 PS noch über schmale 185er-Pneus in Vortrieb umwandeln, so ist der Nachfolger auf stämmigen 18-Zöllern mit 225er-Reifen unterwegs, die den Grenzbereich gekonnt verschieben. Das Fahrwerk ist stramm, aber nicht zu hart, und die Regelsysteme übernehmen jene Arbeit, die Mitte der 1980er noch der Fahrer in Händen hielt.
Der Pirelli-Golf des Jahres 2007 war kein Unikum mit obligatorischer Ausstattung aller Modelle, sondern es gab ihn als Sechsgang-Handschalter und mit einem ebenfalls sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe. Die mit ihm eingeführte Lackierung "Sunflower Gelb" ist Geschmacksache – höher gehandelt werden heute die zahmeren Lackierungen.
Zudem konnte sich der geneigte Kleinserienkunde entscheiden, ob er auf Echtledersitzen oder Sportstühlen mit Reifenmuster in den Dinamica-Mittelbahnen sitzen wollte. So oder so ist der Seitenhalt prächtig, und beim Golf GTI der fünften Generation gab es auf Wunsch nicht nur eine elektrische Lordosenstütze, sondern neben der obligatorischen Sitzheizung eine elektrische Verstellung.
Eingestanztes Reifenprofil
Das eingestanzte Profil der Pirelli-Pneus in den Sitzen ist dabei eine besondere Schau, die dem wertigen, aber sehr nüchternen Innenraum eine besondere Note verleiht. Passend farblich aufgesetzt die farbigen Nähte in Sitzen und Lenkrad. Beim Handschalter umschließt die Hand des Fahrers bei der Gangwahl wie schon beim Ur-Pirelli einen nachempfundenen Golfball.

Der VW Golf V GTI Pirelli leistet 169 kW/230 PS und 300 Nm.
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Bei den Fahrleistungen liegen die beiden Pirellis ebenfalls stattlich auseinander. 1,8-Liter-Sauger gegen 2,0-Liter-Turbo-Direkteinspritzer, 82 kW/112 PS gegen 169 kW/230 PS und knapp 190 km/h Spitze gegen annähernd Tempo 250. Den größten Unterschied macht jedoch das maximale Drehmoment von 300 Nm, das beim aufgeladenen Fünfer ab 2200 Touren zur Verfügung steht und dem Fronttriebler im Gegensatz zum Golf I von unten heraus jede Menge Tatendrang mit auf den Weg gibt und die Leistung spürbar am Lenkrad zerren lässt.
Ob der VW Golf V GTI Pirelli jemals den Kultcharakter des ersten Pirelli-Golf erreichen wird, darf bezweifelt werden. Doch er ist eine echte Rarität und gerade mit dem in die Sitzmittelbahnen eingestanzten Reifenprofil hat er etwas ganz Besonderes, das seine Jünger strahlen lässt. Gut erhaltene Modelle mit weniger als 100.000 Kilometern sind zwischen 16.000 und 20.000 Euro bekommen.
Leider hat der ein oder andere GTI-Fan dem eigenen Traumwagen über die Jahre unterhaltsame Tuningmaßnahmen zugemutet, was ihn auf dem Gebrauchtwagenmarkt deutlich weniger begehrlich macht. Wenn der Zweiliter-Turbo-FSI leistungsgesteigert wurde und es sportliche Dreingaben an Fahrwerk und Räder-/Reifenkombinationen gibt, sollte man um das Modell ohnehin einen Bogen machen. Dann bietet selbst der VW Golf GTI V Pirelli kein Werterhaltungs- oder gar Wertsteigerungspotenzial.
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