Der VW California gilt als die eierlegende Wollmilchsau unter den Campern. Es gibt praktisch nichts, was er nicht kann in Alltag und Freizeit. Das können wir in der großen Klasse auch, dachte sich VW und brachte den Grand California 600 mit zusätzlicher Schlaffunktion unter dem Dach.
Denn von Hause aus ist der Grand Cali eigentlich ein Zweischläfer, auch der große 680er. Außerdem wurde das Basisfahrzeug überarbeitet und fährt jetzt mit modernem automotiven Cockpit vor, wie es der aktuelle Mercedes Sprinter vorgemacht hat.

Das ist der VW Grand California 600

Ein Schönling unter den Kastenwagen – allein schon die schicke Zweifarblackierung in Rot und Weiß sorgt für einen stylishen Auftritt. Kostet aber auch ganz ordentlich, exakt 3766,35 Euro Aufpreis. Auch die am Testwagen montierten Leichtmetallfelgen sind schön, belasten das Budget mit weiteren 2201,50 Euro. Die Proportionen stimmen bei dem hochgewachsenen, großen Bruder des California. Im Gegensatz zu dem kleineren Kult-Camper baut der Grand California ja auf dem Crafter auf und nicht auf dem – ganz neuen – Multivan.
Schick ist er ja, der Grand California. Die unverzichtbare Markise an der Beifahrerseite kostet 1279,25 Euro extra.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Auch der Crafter wurde modernisiert, wenn auch nicht so stark wie das kleinere Modell. Vor allem im Cockpit hat sich einiges getan, und das wirkt! Neben dem griffigen (und serienmäßigen) Multifunktionslenkrad fällt das große Zentraldisplay im Armaturenträger auf. Zahlreiche Ablagen erleichtern das Leben am Steuer, so kann man kleine und große Getränkeflaschen abstellen, Smartphones, Kaffeebecher und so weiter griffbereit verstauen. So weit, so schön. Aber kann der Grand California auch Camping?
Motorisierung 
2.0 TDI 
Leistung 
120 kW (163 PS) bei 3600 U/min 
Hubraum 
1968 cm3 
Drehmoment 
410 Nm bei 1500-2000 U/min 
Höchstgeschwindigkeit 
100 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufenautomatik/ Allrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
75 l/Diesel + 18 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
5986/2040/2971 mm 
Radstand/Bereifung 
3640 mm/ 235/60 R 17 C 117/115 R 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
3322/558 kg 
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) 
2000/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis 
88.006,45 Euro / 118.558,51 Euro
Zugelegt! Im kleinen Grand California 600 können optional und für zusätzliche 3611,65 Euro bis zu vier Personen nächtigen. Richtigerweise muss es 2+2 Personen heißen, denn im Obergeschoss können sich nur kleine Camper zur Ruhe betten. Schade eigentlich, denn die Konstruktion macht einen soliden Eindruck, ist aber schlicht zu kurz und auch nicht megabreit.
Das halbe Bett schiebt sich über den vorderen Bereich, sodass es zwar über dem Fahrerhaus ein wenig knapp wird, ansonsten aber volle Stehhöhe im Camper herrscht. Mama und Papa Camper schlafen im (recht stark taillierten) Querbett im Heck, das aber trotz dreigeteilter Matratze wirklich ordentlichen Schlafkomfort bietet. Dazu tragen nicht zuletzt große Kunststofffedern im Unterbau bei, die für zusätzlichen Komfort sorgen.
Der weiße Innenraum polarisiert – einige finden ihn steril, andere superschick.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Einrichtung in hellem Weiß mag man oder auch nicht, das ist Geschmackssache. An Bord befindet sich ein schmaler Küchenblock mit Zweiflammenkocher und Spüle, jeweils unter einer Glasabdeckung. Rechts gibt es ein Brett als zusätzliche Arbeitsfläche, das durch Druck entriegelt und neben der Spüle hochfährt. Es gibt eine große Besteckschublade, zwei kleine Fächer und eine Kühl-Gefrier-Kombination, die vor Kopf eingebaut ist, also auch von außen bedient werden kann. Die Sitzgruppe besteht aus einer Zweiersitzbank und einem großen Tisch, der in die Bordwand eingehängt auf einem schmalen Fuß steht und verschoben werden kann.
Die bequemen Pilotsitze sind drehbar und können integriert werden. Das erfordert allerdings Fingerspitzengefühl, denn das Fahrerhaus ist recht schmal. Hinten befinden sich obere Stauschränke, die rechts und links nach oben und unten geöffnet werden können. Einzig die Verschlüsse machen keinen hochwertigen Eindruck, an einer Schrank-klappe klemmte schon einer.
Der obere Bereich des zweigeteilten Bettes wird nach hinten gezogen. Das Zusatzpolster links bringt nur einen Hauch mehr Liegefläche.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das Bad präsentiert sich ganz in Weiß, mit Klappwaschbecken, Toilette, Spiegelschrank, Dusche (via ausziehbarer Armatur), offenen Ablagen, Kleider- und Handtuchhaken sowie Schränkchen praxistauglich.
Ein Wort zum zentralen Bedienpanel an der Badwand: Es zickt! Die Anzeigen sind übersichtlich, während eines Campingaufenthaltes zeigte es aber trotz eines Landstrom-Anschlusses eine beständig schwächer werdende Starterbatterie an. Zum Glück war's ein Anzeigefehler. Auch die Alarmanlage führt ein Eigenleben, schlug mehrfach ungefragt an.

So fährt der Grand California

Ganz formidabel! Ähnlich komfortabel wie der Mercedes Sprinter, der ja die derzeitige Benchmark im Transporter-Segment darstellt, aber griffiger, etwas strammer. Mir gefällt das sehr gut. Eine ganze Armada an Assistenzsystemen hilft dem Fahrer bei seiner Arbeit. Es reicht vom Abbiegeassistenten (487,90 Euro) über die akustische Warnung bei eingelegtem Rückwärtsgang (410,55 Euro), dem Advanced-Paket mit (u. a.) automatischer Distanzregelung und Spurkontrolle (1612,45 Euro) bis zum Professional-Paket mit Parklenkassistent (624,74 Euro). Sehr sinnvoll ist die Rückfahrkamera (368,90 Euro). Serienmäßig an Bord sind zudem u. a. Berganfahr-, Seitenwind- und Spurhalteassistenten sowie Einparkhilfe vorn und hinten.
Jeder Zentimeter ist genutzt, auch die Hecktüren. Dort sind Tisch und Stühle untergebracht (624,75 Euro).
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Im Testwagen werkelte der 2,0-Liter-Diesel mit 163 PS, unterstützt von Achtstufenautomatik und Allradantrieb. Beim Anfahren fehlt ein bisschen der Punch, aber da der Grand California auf 3,88 Tonnen aufgelastet war, ist ohnehin bei Tempo 100 Schluss. Schade eigentlich, denn der Crafter fährt gut und gern schneller. Allerdings bringt der Wagen in dieser Konstellation 3,3 Tonnen leer auf die Waage. Ganz schön viel. Pluspunkt ist auf jeden Fall die vernünftige Zuladung von 558 Kilogramm.
Keine Frage, der Grand California 600 ist einfach toll. Das winzige Zusatzbett und die Tempozügel für so ein agiles Fahrzeug finde ich nur so halb gut. Warum gibt es das nicht für den 680er? Da könnte das Bett länger ausfallen, und die Tempobegrenzung wäre auch nur halb so wild.