Die California-Familie hat Zuwachs bekommen: den Grand California Dune, ein Sondermodell des modellgepflegten Campervans Grand California, der in zwei Längen verfügbar ist. Volkswagen nennt ihn "Der neue Grand California". Das halten wir, mit Verlaub gesagt, für etwas übertrieben. Doch gibt es durchaus so viele nützliche Verbesserungen des Vorgängers, dass sich genaues Hinschauen lohnt.
Aber blicken wir zunächst kurz zurück: Rund zwei Jahre nach der Präsentation des ersten Prototyps auf dem Caravan Salon Düsseldorf nahm Volkswagen 2019 wieder ein vollwertiges Reisemobil mit Sanitärraum ins Programm. Das gab es zuletzt beim California Exclusive auf Basis des T4 und beim Sven Hedin auf Basis des großen Transporters LT. Wie den California baut Volkswagen auch den großen Bruder in Eigenregie aus. Der Ausbau erfolgt bis heute in unmittelbarer Nähe des polnischen Crafter-Werkes. Insbesondere dieses Interieur polarisierte die VW-Fangemeinde.

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Die eine Seite, zu der sich auch der Autor zählt, erfreute sich am gradlinigen Design und den in Weiß gehaltenen Möbeln. Letzteres führte aber Kritiker dazu, vom Charme einer Arztpraxis zu sprechen.
Das helle, cleane Interieur wirkt edel.
Bild: Ingo Barenschee
Ein Gesundheitsproblem gab es dann tatsächlich bei der ersten Generation des Grand California. Die Hochdächer aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) dünsteten gesundheitsschädliche Stoffe wie Benzol, Styrol und Formaldehyd aus, besonders wenn das Dach unter starker Sonneneinstrahlung heiß wurde, also bei Wetter, das man als Camper gern hat. Das äußerte sich unter anderem auch durch unangenehmen Geruch im Innenraum. Dieser viel diskutierte Malus ist heute aus der Welt. VW versichert, das Problem im Griff zu haben, indem es die Dächer neuerer Fahrzeuge von innen versiegelt. Bei unserem Testwagen registrierten wir im Innenraum ein angenehmes Raumklima.

Das ist der Grand California Dune 600

Der VW Grand California Dune ist ein voll ausgestatteter Campingbus der Oberklasse, der in zwei Längen angeboten wird – als 680 mit 6,80 Meter Länge und als 600 mit knapp sechs Meter Länge. Der 680 verfügt über Längseinzelbetten im Heck, der von uns gefahrene 600 kommt als Querschläfer. Geschlafen wird also in einem quer eingebauten Doppelbett im Heck, dessen Mittelteil sich zum Transport sperriger Güter auch hochklappen lässt.
Damit sich erwachsene Menschen hier quer hinlegen können, braucht es im Schlafbereich zwei Karosserieausbuchtungen, gern auch liebevoll als Schlafohren bezeichnet. Dennoch erreicht die Liegelänge nicht annähernd zwei Meter, weshalb Menschen mit Gardemaß hier nicht gut schlafen. Alle anderen schon. Die Kombination aus hochwertigen Matratzen und Tellerfedern sorgt für angenehmen Schlafkomfort. Hinten liegt keine ganzteilige Matratze, sondern ein ganzes Puzzle. Da tut man sich mit der Verwendung eines rechteckigen Spannbetttuchs nicht leicht.
Motorisierung 
Reihenvierzylinder-Diesel 
Leistung 
120 kW (163 PS) bei 3600/min 
Hubraum 
1968 cm3 
Drehmoment 
410 Nm bei 1500 bis 2000/min 
Höchstgeschwindigkeit 
156 km/h (erl. 100 km/h) 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufen-Wandlerautomatik/Allrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
75 l/Diesel + 18 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
5986/2040/3090 mm 
Stehhöhe 
2180 mm 
Radstand/Bereifung 
3640 mm/235/60 R 17 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
3172/716 kg 
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) 
2000/750 kg 
Außenmaterial Wand/Dach/ Boden 
Stahlblech/GFK/ Stahlblech 
Liegefläche Mitte L x B 
1930 x 1360 mm 
Liegefläche Heck L x B 
1600-1930 x 1220 mm 
Kühlschrank 
70 l 
Herd 
Zweiflammen-Gaskocher 
Bordbatterie 
95 Ah, AGM 
Frisch-/Abwassertank 
100/80 l 
Gasvorrat/Heizung 
2,5 kg/Dieselgebläseheizung 
Grundpreis/Testwagenpreis 
96.366 Euro / 112.000 Euro 
Ferner findet sich im Oberstübchen eine gegen einen stattlichen Aufpreis erhältliche Liegestatt, die sich beim Fahren oberhalb des Fahrerhauses versteckt und für die Nacht ausgezogen werden kann. Mehr als ein Notbett ist das aber nicht. Hier findet nur ein Erwachsener, eher ein, zwei Kinder Platz. Wären wir Käufer, die knapp 3700 Euro Aufpreis und das nicht unerhebliche Mehrgewicht würden wir uns sparen.
Das optionale Dachbett würden wir allenfalls als Notlösung einstufen.
Bild: Ingo Barenschee
Dafür – wir hatten es schon erwähnt – schätzen wird das moderne Ambiente im Wagen. Die vorwiegend aus Kunststoffformteilen hergestellten Möbel sind in leicht gebrochenem Weiß gehalten. Neu sind die feinen Farbakzente durch ein Dekor namens "Atami Bambus", in dem der Boden, die Tischplatte sowie die Arbeitsplatte in der Küche gehalten sind. Deren ausziehbare und übers Bett klappbare Verlängerung ist aber weiterhin weiß.
Die Doppelsitzbank – mit Isofix-Kindersitzbefestigung – sowie die beiden leicht drehbaren Pilotensitze in der ersten Reihe, die gemeinsam die Sitzgruppe bilden, sind grau gepolstert. Das Drehen der Sitze fällt noch leichter, weil der neue Grand California über eine elektrische Feststellbremse verfügt, der Handbremshebel zwischen den Sitzen also entfällt.

Digitale Steuerung und Lichtstimmung

Obendrein bietet der Grand California die Möglichkeit, die Lichtstimmung innen elektronisch an die eigene Stimmung anzupassen. Die dimmbare LED-Beleuchtung, die über das Zentralpanel (Touchscreen) geregelt wird, erscheint in den Farben Weiß, Blau, Grün oder Rot.
Mit diesem Panel lässt sich neuerdings auch der Kühlschrank einstellen und alle weiteren Komfortfunktionen wie Heizung und Boiler, die sich mit Diesel befeuern lassen und bei Landstromanschluss auch mit einem elektrischen Heizstab – beides erstaunlicherweise Sonderausstattung (922 Euro). Die Fahrerhaus-Standheizung schlägt nochmals mit rund 1500 Euro zu Buche.
Das alles funktioniert auch ferngesteuert über die California-App auf dem Smartphone. Es ist schon kommod, wenn man vom Bett aus den Boiler hochheizen kann oder von der Skipiste aus die komplette rollende Skihütte.

Tisch hat festen Platz im Kofferraum

Der Tisch hat nun, wie es sich gehört, während der Fahrt einen festen Platz im Kofferraum – nicht mehr auf dem Heckbett. Dieser Tisch wird in einer Schiene im Fahrgastraum eingehängt und bildet dann mit Vordersitzen und Doppelsitzbank die Dinette.
Zusätzlich findet sich nun auch an der Außenwand des Küchenblocks eine Schiene, in der sich der Tisch bei geöffneter Schiebetür einhängen lässt. In Kombination mit den beiden mitgelieferten Campingstühlen ergibt sich hier eine schöne Outdoor-Sitzgelegenheit, erst recht, wenn für rund 1300 Euro die Markise mitbestellt wurde.
Der Kühlschrank ist eine Schublade, da verflüchtigt sich die Kälte schnell.
Bild: Ingo Barenschee
Alles super also? Nicht ganz. Die Oberschränke sind zwar formschön, aber nicht besonders praktisch zu beladen und auch nicht sehr voluminös. Bei einem Fahrzeug dieser Größe wünschen wir uns mehr. Es empfiehlt sich also, sich bei der Garderobe etwas zu beschränken und vorzugsweise knitterfreie Kleidung einzupacken. Immerhin hat Volkswagen diesen Schränken nun Netze spendiert, sodass beim Öffnen der Klappen die Klamotten nicht gleich wieder herausfallen. Neu sind auch die praktischen Verdunklungsmatten, die sich mit Magneten an den jeweiligen Karosserieteilen festhalten.
Die Körperpflege findet in einem sehr kompakt geschnittenen Waschraum statt, der mit einem Klappwaschbecken den knappen Platz maximal ausnutzt. Nach dem Duschen muss man allerdings kurz mit dem Lappen durch, denn für einen Duschvorhang war kein Platz mehr. Wenn es die Situation erlaubt, nutzt man die serienmäßige Außendusche im Heck.

Das hat der VW Grand California Dune 600

Die Dune-Modelle zeichnen sich im Wesentlichen durch die Lackierung "Ascotgrau" und nicht lackierte – also schwarze – Kunststoffbeplankung aus. Dazu kommen noch zwei Dune-Schriftzüge seitlich am Dach sowie ein weiterer am vorderen Dachabschluss. Die seitliche schwarze Fensterlinie ziert ein stilisierter Kompass, der uns entfernt an das alte Westfalia-Logo erinnert. Schwarze 17-Zoll-Leichtmetallräder mit der schönen Bezeichnung "Lismore" passen sich ins Farbschema ein.
Der Fahrerarbeitsplatz ist eine wahre Freude. Statt Schaltknüppel gibt es nun einen Lenkstockhebel.
Bild: Ingo Barenschee
Auch wenn Volkswagen immer wieder den Abenteuergeist des Dune beschwört, verzichtete man auf aufmerksamkeitsheischende AT-Bereifung. Denn der Allradantrieb 4Motion ist optional erhältlich, die Achtstufenautomatik hingegen ist Serie.

So fährt der Dune 600 4Motion

Fürs Fahren bekommt der Grand California eine Eins mit Sternchen! Die elektromechanische Lenkung arbeitet vorbildlich, der Wagen lässt sich auch in engen Passagen präzise um die Kurven zirkeln. Hinzu kommt ein umfangreiches Angebot an Fahrerassistenzsystemen, etwa der einwandfrei arbeitende Spurhalteassistent.
Die Kompaktheit des Dune 600 weckt den Entdeckergeist der Besatzung. Da lässt sich auch abseits ausgetretener Pfade viel erleben.
Bild: Ingo Barenschee
Den 2.0 TDI hat Volkswagen in der Leistung von 177 auf 163 PS zurückgenommen. Dies geschah im Hinblick auf die einzuhalten Abgasnormen, aber auch auf die Dauerhaltbarkeit. So ist der Motor thermisch weniger belastet.
Bei einem Reisemobil bestimmt ohnehin weniger die Höchstleistung als vielmehr das maximale Drehmoment die Fahrdynamik. Und das bleibt bei 410 Nm, das in einem Drehzahlbereich zwischen 1500 und 2000 Touren anliegt. In Kombination mit der butterweich schaltenden Wandlerautomatik ermöglicht dies eine sehr souveräne Art der Fortbewegung. Auch am Schaltprogramm der Automatik gibt es wenig zu nörgeln.
Was nervt, ist die Tatsache, dass man auch auf Autobahnen die Fahrleistungen nicht annähernd ausnutzen darf, weil der Testwagen aufgrund von Allradantrieb und vielen Extras auf 3,88 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht aufgelastet wurde.

Fazit

von Martin Häußermann
Optisch ist der Grand California Dune innen und außen gelungen. Die Wäschefächer jedoch sind der Fahrzeuggröße nicht angemessen. Im Grunde ist der Dune ein Zwei-Personen-Auto. Dann kann man auch das schwere und teure Dachbett weglassen und wieder einen 3,5-Tonner draus machen.