VW: Hauptversammlung Mai 2015
Neustart nach dem Machtkampf

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Tausende Aktionäre versammelten sich in Hannover zur VW-Hauptversammlung. Ex-Chefaufseher Ferdinand Piëch war nicht dabei.

Von links: VW-Aufsichtsratsmitlieder Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche, Vorstandschef Martin Winterkorn.
VW-Aufsichtsrat: Zwei neue Frauen
Bei dem Aktionärstreffen fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt der langjährige Aufsichtsratschef und VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Er war Ende April als Verlierer des Machtkampfs zurückgetreten. Piëch hatte die Führungskrise beim größten europäischen Autobauer mit dem Versuch einer Demontage Winterkorns ausgelöst. Der Betriebsrat, das Land Niedersachsen als Ankeraktionär sowie die Großaktionäre der Familie Porsche hatten aber zu Winterkorn gestanden. Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmenmehrheit an VW. Zusammen mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschef Piëch war auch dessen Ehefrau Ursula als Aufsichtsrätin zurückgetreten.
Ende einer Ära: Ferdinand Piëch tritt zurück
Winterkorn würdigte die Verdienste Piëchs um Volkswagen: "Dieser Konzern und seine Menschen – und auch ich – haben Herrn Dr. Piëch sehr viel zu verdanken." Piëch habe die Automobilindustrie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt wie kein Zweiter – als Unternehmer, als Ingenieur und als "mutiger Visionär".
Die Geschäftsbasis des Konzerns sieht Winterkorn durch die Führungskrise nicht beschädigt. „Es gab in den letzten Wochen unzählige Interpretationen, Spekulationen und leider auch Übertreibungen”, sagte er. "Sie als unsere Anteilseigner müssen wissen: Volkswagen ist ein kerngesundes, gut aufgestelltes Unternehmen. Ein Unternehmen mit sehr guten Geschäftsergebnissen und mit mindestens genauso guten Zukunftsperspektiven."
Piëch-Rücktritt: Volkswagen am Scheideweg
Auch der kommissarische VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber würdigte die Leistungen Piëchs. "Piëch hat sich außerordentliche Verdienste um Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie erworben", sagte der frühere IG-Metall-Chef Huber unter dem Beifall der Aktionäre.

Für Ferdinand Piëch und seine Ehefrau waren Julia Kuhn-Piëch (l.) und Louise Kiesling (r.) in den VW-Aufsichtsrat nachgerückt.
VW-Machtkampf: Winterkorn bleibt im Amt
Unterdessen unternimmt VW erste Schritte für eine Dezentralisierung seiner Führung. Dazu bündelt der Konzern sein schweres Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding. Die neue Dachgesellschaft für die Lkw und Busse im VW-Konzern erhält einen eigenen Aufsichtsrat, in dem die Arbeitnehmer nach Konzernvorbild ein gewichtiges Wort mitreden. Die Pläne für die Holding sind schon seit längerer Zeit bekannt.
Die Dezentralisierung in der Nutzfahrzeug-Sparte könnte als Blaupause für weitere Teile des Konzerns dienen. "Wir brauchen klare Strukturen im Konzern, um in den einzelnen Bereichen schnell und flexibel handeln zu können", forderte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Von der neuen Holding verspricht sich VW eine "engere Vernetzung der Marken, kürzere Entscheidungswege und mehr Tempo in der Umsetzung".
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