VW ID.7 Tourer Pro S, VW Passat 2.0 TSI 4Motion: Test
Benziner vs. Elektro: Welcher VW-Kombi packt's am Ende besser?

Familienfreunde im Antriebsvergleich: Kann der Kombi-Klassiker VW Passat mit Verbrenner gegen den elektrischen ID.7 Tourer bestehen?
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Über 50 Jahre dabei und noch lange nicht am Ende. Der VW Passat startete 1973 (Fließheck, Kombi ab 1974), hat seine direkten Mitstreiter wie Ford Mondeo und Co längst überlebt und muss sich jetzt hausinterner Konkurrenz stellen.
Fahrzeug-Deals
Der elektrische ID.7 Tourer hat den Kombi-Klassiker nicht nur aus seiner seit 1977 angestammten Produktionsstätte Emden nach Bratislava verdrängt, er will ihn auch auf der Straße überholen. Hat er Chancen?
Der Lademeister hat einen Verbrenner
Beide Kombis empfangen ihre Gäste mit reichlich Raum vorn wie hinten. Im ID.7 sitzt man zwar deutlich weiter oben, er trägt sein Dach aber auch drei Zentimeter höher – so fällt die Sitzposition immer noch angenehm aus. Gepäckfragen beantwortet der Passat souveräner.

Kompetenterer Kombi: Ins Heck des Passat passen zwischen 620 und 1920 Liter, der ID.7 Tourer verpackt zwischen 605 und 1714 Liter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während beim Kofferraumvolumen mit aufrechter Fondlehne noch fast Gleichstand herrscht (Passat 620 l, ID.7 605 l), darf der Passat nach Umlegen der zweigeteilten Lehne stolze 1920 Liter einladen – das sind immerhin 206 Liter mehr als beim Tourer. Vorteil Passat auch beim Anhängerbetrieb. Wo der ID.7 gerade mal 1000 Kilogramm ziehen darf, schleppt der Passat bis zu 2200 Kilogramm ab.
Eher schlichter Arbeitsplatz im ID.7
Auf den ersten Blick ähneln sich die Cockpits, in denen jeweils ein 15 Zoll großer Touchmonitor (Aufpreis, Serie 12,9 Zoll) in der Mitte dominiert. Der deutlichste Unterschied findet sich im Fahrerdisplay: Im ID.7 kommt es ziemlich schlicht daher und liefert nur die nötigsten Infos, wird aber von einem HUD mit Augmented Reality ergänzt.

Sauber verarbeitetes Cockpit mit guter Qualität, das sehr einfache Fahrerdisplay wirkt trotz des zusätzlichen Head-up-Displays billig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Passat gibt es digitale Instrumente, die zwischen klassischen Rundansichten, sportlichem Zentral-Drehzahlmesser und moderner Kacheloptik wechseln können.
Fahrzeug-Deals
Wenig zu meckern gibt es bei der Qualität. Beide Kombis zeigen sich weitgehend klapperfrei und solide zusammengesteckt, die Materialien gehen haptisch in Ordnung. Grund zum Nörgeln liefert auch das Multimediasystem samt Sprachsteuerung kaum. Über "Hey, Id" werden auch frei formulierte Wünsche zielsicher umgesetzt. Die wichtigsten Assistenzsysteme fahren bei beiden ohne Aufpreis mit, wobei der Passat auch ACC "stop & go", Kreuzungsassistent sowie eine vorausschauende Tempomat-Regelung mitbringt.
Der Stromer geht es gelassener an
Beim Fahren beweist der heckgetriebene ID.7 eine gewisse Zurückhaltung. Von der Ampel weg geht der fast 2,2 Tonnen schwere Tourer durchaus flott, aber nicht mit brutalem Schub. Seine 286 PS und 545 Newtonmeter erlauben dafür herrlich lineares Beschleunigen und souveräne Überholvorgänge.

Absolut ausreichend: Der ID.7 Tourer sprintet aus dem Stand in 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind 180 km/h möglich.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
So säuselt man mit großer Gelassenheit durch die Republik, genießt die auch auf der Autobahn niedrigen Fahrgeräusche und arrangiert sich mit bescheidenen 180 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie einer um die Mittellage eher indirekt übersetzten Lenkung.
Mehr Fahrspaß steckt im Passat
Der mit 265 PS etwas schwächere Passat ist da aus anderem Holz geschnitzt. Weil er nur als R-Line angeboten wird, federt er straff und verbindlich, lässt über die mitteilsame Lenkung und den trittsicheren Allradantrieb durchaus Fahrspaß durchblicken.

Vergleichstest-Dynamiker: Der VW Passat geht als R-Line ziemlich gut ums Eck. Zudem schlägt er den ID.7 bei den Fahrleistungen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Weil er zudem fast eine halbe Tonne weniger Gewicht auf die Waage bringt, sprintet er auch fast eine Sekunde schneller auf 100 km/h, stürmt bis Tempo 250 einigermaßen mühelos vorwärts. Das in 15 Stufen verstellbare Adaptiv-Fahrwerk (Option im Paket) lässt dabei freie Wahl zwischen gemütlichem Gleiten und knackiger Kurvenhatz.
Sparsamer fährt man im ID.7 Tourer
Bleiben noch die Kosten. Billig sind beide nicht, der weniger üppig ausgestattete ID.7 bleibt aber tatsächlich 4645 Euro günstiger als der Passat im feinen R-Line-Trimm. Weil der Stromer mit 20 kWh/100 km nicht zu viel verbraucht (Achtung: Die im Testwagen verbaute Wärmepumpe kostet 990 Euro extra!) und der Pro S den großen 86-kWh-Akku (netto) nutzt, waren im Test bei 12 Grad Außentemperatur immerhin fast 500 Kilometer nonstop drin.

Klarer Sieger: Bei den Kilometerkosten schlagt der ID.7 den Passat mit 69 zu 82 Cent. Nur bei der Versicherung ist der Stromer teurer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nicht schlecht, auch wenn der Passat knapp 800 Kilometer schafft. Immerhin soll der ID.7 dank 200 kW Ladeleistung in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent SoC kommen, in zehn Minuten Strom für 236 Kilometer einsammeln.
Fahrzeugdaten
Modell | VW ID.7 Tourer Pro S | VW Passat 2.0 TSI 4Motion |
|---|---|---|
Elektro | Benziner | |
Motor | Elektromotor | Vierzylinder, Turbo |
Leistung/Systemleistung | 210 kW (286 PS) | 195 kW (265 PS) |
Drehmoment | 545 Nm | 400 Nm |
0-100 km/h | 6,7 s | 5,8 s |
Vmax | 180 km/h | 250 km/h |
Antrieb/Getriebe | Hinterrad/Einganggetriebe | Allrad/Siebengang-Doppelkupplung |
Verbrauch | 14,0 kWh/100 km | 8,0 l S/100 km |
Reichweite WLTP | 689 km | k. A. |
Testverbrauch | 20,0 kWh/100 km | 8,4 l S/100 km |
Reichweite Testverbrauch | 483 km | 785 km |
Batteriekapazität/Tank | 86 kWh | 66 l |
Länge/Breite/Höhe | 4961/1862-2141/1551 mm | 4916/1849-2090/1521 mm |
Radstand | 2971 mm | 2837 mm |
Kofferraum | 605-1714 l | 620-1920 l |
Leergewicht/Zuladung | 2248/452 kg | 1765/535 kg |
Anhänge-/Stützlast | 1000/75 kg | 2200/90 kg |
Typklassen (HPF/TK/VK) | 19/23/23 | 13/24/25 |
Grundpreis | 59.895 Euro | 64.540 Euro |
Kraftstoff-/Stromkosten (60.000 km)* | 5280 Euro | 9475,20 Euro |
Wartung (4 Jahre) | 640 Euro | 2300 Euro |
Steuer (4 Jahre) | 0 Euro | 1008 Euro |
Versicherung (HPF/VK 4 Jahre) | 8036,60 Euro | 6.066,68 Euro |
Wertverlust (4 Jahre; 60.000 km)** | 27.545,71 Euro | 30.359,62 Euro |
Gesamt | 41.502,31 Euro | 49.209,50 Euro |
Euro pro Kilometer | 0,69 Euro | 0,82 Euro |
Abgesehen von der Versicherung fährt der Elektriker in allen Unterhaltsangelegenheiten günstiger und unterbietet den Passat bei den Kilometerkosten mit 69 zu 82 Cent dann recht deutlich. So gilt die Empfehlung hier dem ID.7 – als starker Benziner ist der Passat zu kostspielig. Wer wirklich sparen und es weit bringen will, landet aber wohl beim Passat 2.0 TDI.
Fazit
Beide Mittelklasse-Kombis fahren ausgesprochen gut und bieten viel Platz. Doch auch wenn der ID.7 Tourer bei Reichweite und Ladezeiten klar hinter dem Passat zurückbleibt, sichert er sich hier über den bemerkenswerten Kostenvorteil die Empfehlung der Redaktion. Als 2.0 TSI R-Line macht der Passat zwar viel Spaß, rechnet sich aber nur schwerlich.
Service-Links

























