VW: Millionenschaden durch Diebstahl von Autoteilen
Konzern hat es den Dieben "extrem leicht gemacht"

Bild: Frank May
Volkswagen kommt nicht zur Ruhe! Der Konzern steckt nicht nur in der Krise, er kämpft auch gegen interne Diebstähle. Die bedrückenden Zahlen: Im ersten Halbjahr 2024 leitete VW bereits 81 Disziplinarverfahren wegen Diebstahls, Betrugs und Anstiftung gegen eigene Mitarbeiter ein.
Ein besonders gravierender Fall wurde nun vor dem Landgericht Braunschweig behandelt. Sechs Männer im Alter von 40 bis 56 Jahren gestanden, im VW-Logistikzentrum Harvesse bei Peine Autoteile im Wert von über einer Million Euro entwendet zu haben. Zur Beute gehörten 506 Bremssättel, 1216 Bremsscheiben und 5292 Radlager.
So lief der millionenschwere Diebstahl ab
Zwei Mitglieder der Gruppe betrieben eine eigene Autowerkstatt und nutzten Kontakte nach Polen und Russland, um gezielt die dort benötigten Ersatzteile zu organisieren.
Sie erstellten regelmäßig "Bestelllisten" der benötigten Teile und übergaben diese an einen weiteren Angeklagten, der als Lagerarbeiter bei VW tätig war.

Bei VW kehrt keine Ruhe ein.
Bild: Swen Pförtner
Dieser Mitarbeiter lud die bestellten Teile auf Lkws, die normalerweise das Werk in Braunschweig mit Produktionsmaterialien beliefern sollten. Die beiden ebenfalls involvierten Lkw-Fahrer hielten dann unterwegs auf einem Parkplatz an und luden die Ware auf einen wartenden 7,5-Tonner um. Ein sechster Komplize sicherte den Ablauf ab und erhielt dafür jeweils 100 Euro pro Fahrt.
Die Staatsanwaltschaft konnte der Bande insgesamt 13 solcher Fahrten nachweisen. Der Hauptorganisator und Spediteur Vitaly H. sowie der VW-Mitarbeiter Eugen M. wurden zu jeweils drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Ein weiterer Lkw-Fahrer erhielt eine Strafe von drei Jahren und vier Monaten, die Werkstattbesitzer wurden zu drei Jahren und vier Monaten sowie zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Lediglich der Helfer erhielt eine Bewährungsstrafe von acht Monaten.
VW reagiert auf die Diebstähle
Das Gericht wertete strafmildernd, dass alle Beteiligten bislang unbescholten waren, die Taten bereits fünf Jahre zurückliegen und es offenbar ein Versäumnis in der Diebstahlkontrolle bei VW gab. Trotz der monatlichen Inventuren, bei denen Bestandslücken auffielen, wurden kaum Maßnahmen ergriffen. Der vorsitzende Richter bemängelte: "Es ist ihnen extrem leicht gemacht worden."
Um solche Fälle in Zukunft zu verhindern, hat VW mittlerweile ein anonymes Hinweisgebersystem und zusätzliche Kontrollmechanismen eingeführt. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2024 wegen Regelverstößen 708 Mitarbeiter entlassen und 2151 abgemahnt.
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