Wahre Schönheit kommt von innen. Diese Weisheit interessiert in der prestigegetriebenen Oberklasse offenbar nicht allzu viele Kunden. Der Beweis: Nur 84.235 Exemplare des VW Phaeton fanden binnen 15 Jahren weltweit einen Käufer – trotz eines fantastischen Interieurs und gründlicher Modellpflegen in den Jahren 2007, 2010 und 2014.
Ein Auto wie dieses wird es als VW vermutlich nie wieder geben. Die in der Gläsernen Manufaktur in Dresden von Hand montierte Limousine scheint aus dem Vollen gefräst, wirkt wie ein legitimer Nachfolger der 140er S-­Klasse von Mercedes. Die adelige Konzernschwester Bentley Continental Flying Spur lief zeitweise vom gleichen Band. Den konstruktiven Overkill bestätigt die Waage: 2100 Kilogramm wiegt selbst die Phaeton­-Basisversion.

Für den Unterhalt eines VW Phaeton braucht es finanziellen Spielraum

VW Phaeton 3.0 TDI 4Motion
Edles Cockpit und 18­-Wege-Komfortsitz mit Massagefunktion, Heizung und Lüftung. Das Leder ist aber ungepflegt und rissig.
Dennoch ist man mit den standfesten 3.0-­TDI­-Motoren relativ genügsam unterwegs. Bei umsichtiger Fahrweise reichen rund neun Liter. Durstiger, aber nicht schneller sind die V6­-Benziner. Hochklassig im Antriebskomfort, aber nochmals teurer im Unterhalt sind die V8­-Variante (335 PS), der V10 TDI (313 PS) und die feinen W12­-Ableger (420 bzw. 450 PS). Auch wenn der Gebraucht­-Einstieg inzwischen leicht um 5000 Euro möglich ist, braucht es finanziellen Spielraum für die Unterhaltung. Der letzte Besitzer unseres Testfahrzeugs hatte diesen offenbar nicht: Der Wagen wirkt nach 200.000 Kilometern verbraucht, das Lackkleid ist zweitklassig ausgebessert, die Ledersitze sind rissig und ungepflegt. Zwar sind die 240 Pferde offenkundig noch vollzählig unter der Haube, doch der Bordcomputer meldet Probleme bei Luftfahrwerk, Lichtanlage und Bremse. Dazu liegt das Infotainment in den letzten Zuckungen.

Ein billiger VW Phaeton ist nicht immer der beste

VW Phaeton 3.0 TDI 4Motion
Dritt­- und Viertbesitzer ignorierten leider oft Regelwartungen. In diesen Fällen droht teurer Reparaturstau.
Das P in den Augen haben so manche Phaeton­-Eigner, wenn die große Limousine ungeplant in die Werkstatt muss. Die komplexe Konstruktion macht geschulte Experten erforderlich: Nicht alle VW-­Betriebe sind mit dem vor fünf Jahren ausgelaufenen Topmodell im Detail vertraut. Spezialwerkstätten wie Rapacho in Lüdinghausen (NRW) werden mittlerweile von Phaeton-­Fahrern aus halb Europa angefahren: "Wer billig einkauft, investiert danach in der Regel locker 4000 bis 5000 Euro in die Mängelbeseitigung", sagt Rapacho-­Geschäftsführer Yusuf Idin. Daher empfiehlt es sich, nach dem besseren und nicht nach dem billigeren Auto zu suchen. Ein lückenloses Scheckheft ist ein wichtiges Kaufargument: Manchmal endete die Sorgfalt im Unterhalt mit dem Auslaufen des Leasingvertrags. Diese Fahrzeuge können übelste Euro-­Gräber sein und taugen oft nur noch als Teileträger.

Bildergalerie

VW Phaeton 3.0 TDI 4Motion
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Kamera
VW Phaeton im Gebrauchtwagen-Test
 

Fazit

von

AUTO BILD
Komfort und Materialqualität machen den Phaeton auch im gehobenen Alter zu einem Erlebnis. Interessenten sollten sich bewusst sein, dass die Unterhaltskosten nicht unbedingt zu einem Volks-­Wagen passen.