Er ist das Universalgenie im großen Gleichteileregal des VW-Konzerns. Er befeuert die Kompaktklasse, motorisiert den Mittelstand, beehrt selbst die Führungsebene in zwei Leistungsstufen und ist bei Audi – zum Hybriden befördert – mittlerweile sogar in der Chefetage angekommen. Kein anderer Motor ist weiter verbreitet als er. Und kein anderer zeigt ähnlich viele Gesichter. Der 2.0 TSI wechselt seinen Charakter je nach Ort und Einsatz. Doch eigentlich muss man noch nicht einmal durch die Klassen spazieren, um den EA 888 von verschiedenen Seiten kennenzulernen. Manchmal genügt auch der Blick ins direkte Umfeld. Im Falle des Golf GTI also auf Scirocco und den im letzten Jahr neu aufgelegten Beetle.
VW Beetle 2.0 TSI DSG
Das freundliche Kulleraugengesicht sichert dem Beetle die Sympathiewertung.
Bild: Lena Barthelmeß
Die Schmährufe, die sich der Vorgäger des neu aufgelegten Beetle einhandelte, sollen den Neuen nicht mehr ereilen. Schließlich wirkt der zweite Beetle-Anlauf deutlich gefälliger. Er buckelt sich flacher über Rundschnauze und Schrägheck, zitiert seinen Urahn in manchen Details wie dem Käferfach nun sogar direkt und flirtet vorn mit drolligen Rundscheinwerfern samt LED-Lametta. Klingt nach Retro aus dem Lehrbuch, wirkt verglichen mit Mini Cooper oder Fiat 500 allerdings noch immer zu gewollt, um authentisch zu sein. Oder anders formuliert: Der neue Beetle hat Charme, nur leider ist es eben nicht der des Originals.
VW Scirocco 2.0 TSI DSG
Breite Spur und guten Reifen sichern dem Scirocco Punkte in der Querdynamik-Wertung.
Bild: Lena Barthelmeß
Bezüge zum Vorgänger verbieten sich beim Scirocco schon aufgrund der optischen Diskrepanz. Was jedoch nichts daran ändert, dass er seinen Ur-Auftrag, nämlich den, ein preiswertes Coupé fürs Volk zu sein, nach wie vor bestens erfüllt. Trotz allgegenwärtiger Golf-Wurzeln sitzt er an entscheidender Stelle deutlich sportlicher. Tief positionierte Sportsessel und der grundsätzlich etwas engere Zuschnitt bürsten das trockene VW-Flair etwas auf. Fahrdynamisch punktet er durch seinen niedrigeren Schwerpunkt und die breitere Spur, die im Vergleich zum GTI vorn um 36 Millimeter, hinten um 61 Millimeter wächst.
VW Golf GTI DSG
Auf der Bremse hängt der Golf GTI leicht das Heck heraus und unterstützt dadurch den Einlenkimpuls.
Bild: Lena Barthelmeß
Die Vorzeichen für den GTI könnten also durchaus besser stehen. Zumal er der Einzige in diesem Trio ist, dessen Ruf als Kompaktsportler-Ikone auf dem Spiel steht. Entsprechend engagiert setzt sich unser Testwagen in Szene. Besonders im Vergleich zum Scirocco, der laut Datenblatt zwar mit gleicher Leistung antritt, sich letztlich aber etwas verhaltener anfühlt. Eine Einschätzung der Motorleistung anhand unseres mobilen Messgeräts von Insoric (Info: www.wetterauer.de) untermauert den Eindruck. Nominell treten beide mit 211 PS und 280 Newtonmetern an, gemessen steht der GTI-Motor mit 228 PS und 312 Newtonmetern aber etwas besser im Futter als das Scirocco-Triebwerk, das laut Insoric auf 218 PS und 288 Newtonmeter kommt.
Weitere Details zu den drei sportlichen aus dem Hause VW und wer am Ende das Rennen macht, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt's im Online-Heftarchiv als PDF-Download.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Die Fahrdynamik teilen sich GTI und Scirocco paritätisch auf: Der Golf fährt sich handlicher, tönt kerniger und sichert sich dadurch die Fahrspaß-Wertung. Der Scirocco geht das Thema Querdynamik ernster an; er liegt satter, baut mehr Querbeschleunigung auf. Im Alltag fehlt ihm aber schlicht die Multifunktionalität des GTI, um hier nach Punkten zu siegen. Der Beetle widmet sich dagegen ganz der sanften Seite des TSI. Er ist weder sportlich noch praktisch, ein absolut untypischer VW und vielleicht gerade deshalb so charmant.