Praktisch, zuverlässig, preiswert. Kia genießt einen guten Ruf. Große Emotionen entfachen die braven Kompakten und SUVs jedoch nicht. Immer nur den Biedermann zu spielen, wurde den Koreanern jedoch auf Dauer zu dröge. Mit voluminösen Schürzen, feisten 18-Zöllern und auffälligen Viereck-LEDs will der pro_cee'd GT der Marke einen deutlich sportlicheren Anstrich verleihen – und Platzhirsche wie VW Scirocco und Opel Astra GTC frontal angreifen.

Beschleunigungs-Aha im Kia

Kia Pro Cee'd GT
Der Kia wirkt hier und da etwas weniger geschliffen als seine Kontrahenten.
Bild: Christian Bittmann
Kia Kia pro_cee'd GT Der Sprint gelingt dem Koreaner schon mal ganz gut. Sein 204 PS starker Vierzylinder legt nach kleinem Turboloch kräftig los, marschiert stämmig durch den mittleren Drehzahlbereich, lässt es obenherum allerdings etwas an Drehfreude vermissen. Bis 160 km/h nimmt er dem Rüsselsheimer dennoch fast drei Sekunden ab, obwohl Opel den bisherigen 1600er-Turbo mit 180 PS zugunsten eines 20 PS stärkeren Aggregats aussortiert hat.
Opel Astra GTC 1.6 DIT
Mehr Power, aber immer noch zu schwer: der Opel Astra GTC.
Bild: Christian Bittmann
Opel Astra GTC 1.6 DIT Das Upgrade düpiert zwar seinen Vorgänger, beschleunigt den GTC fast zwei Sekunden schneller auf 160 km/h (19,8 zu 21,6 Sekunden) und zieht mit bis zu 300 Newtonmetern mittels Overboost-Funktion ungleich kräftiger durch (Elastizität 80–120 km/h im sechsten Gang in 10,0 statt bisher 15,3 Sekunden). Doch auch das neue Triebwerk kann die stattlichen 1,5 Tonnen Leermasse nicht vergessen machen – der Astra GTC bleibt einfach zu schwer. Zudem fängt der Motor ab 3000 Touren an zu dröhnen.
VW Scirocco 2.0 TSI
Mit einem Wendekreis von unter elf Metern macht der Scirocco eine gute Figur.
Bild: Christian Bittmann
VW Scirocco 2.0 TSI Gewichtsprobleme kennt der VW Scirocco nicht. Das niedrigste Leergewicht des Trios trifft auf einen temperamentvollen und kultivierten Zweiliter-Turbo mit 210 PS. Bissig tritt er aus dem Drehzahlkeller an, dreht munter hoch, klingt dabei angenehm kernig-heiser und schenkt dem Kia bis 160 km/h eine gute Sekunde ein. Dazu flutscht seine Schaltung spielerisch durch ihre Gassen. Bei der Elastizität muss er trotz höherem Drehmoment den Koreaner jedoch ziehen lassen – Tribut an die relativ lange Übersetzung der Gänge vier bis sechs.

Fazit

von

Frank Wiesmann
Der Scirocco bleibt mit den besten Fahrleistungen und agilstem Handling unangefochtener Sportler, verlangt aber bei Preis und Platzangebot die meisten Kompromisse. Somit teilt er sich Platz zwei mit dem preisgünstigeren und geräumigeren Opel, dessen hohes Gewicht die Leistung seines neuen 200-PS-Motors spür- und messbar hemmt. Dem Kia fehlt etwas fahrdynamischer Feinschliff und (mit Serienauspuff) sportlicherer Sound. Ansprechende Fahrleistungen, hoher Alltagsnutzen und günstigste Preisgestaltung verhelfen ihm aber zum Sieg.