Äpfel mit Birnen vergleichen – für viele ein Verbrechen gegen die Objektivität. Weil Äpfel und Birnen angeblich ganz verschieden und deshalb nicht vergleichbar sind. Dabei gehören beide zur Familie der Rosengewächse und zur Gattung Kernobst, sind also eng verwandt. Da drängt sich ein Test fast auf. Und die deutlichen Differenzen in Optik und Geschmack machen das Ganze nur spannender. Ein interessanter Ansatz, den wir ganz frech auf VW Multivan 2.0 TSI und Mercedes E 250 T-Modell übertragen. Beide ordnen wir der Familie der Pkw zu, Gattung Freizeit- und Familienfahrzeuge. Beide holen 204 PS aus einem Vierzylinder-Turbo. Und beide kosten etwa 50.000 Euro. Das passt somit ziemlich gut.

Überblick: Alle News und Tests zum VW T5 Multivan 

VW T5
Riesiges Transporttalent: Der variable Multivan schluckt bei Bedarf bis zu 4300 Liter Gepäckvolumen.
Wobei die Unterschiede in Aufbau, Antrieb und Aussehen die nötige Würze für einen etwas anderen Vergleich liefern. Und an dessen Ende liefern wir die Antwort auf die Frage: Welche Fahrzeug-Frucht schmeckt der freizeitaktiven Gutverdiener-Familie besser? Keine Frage, an das Transport-Talent des fahrenden Kastenbrots aus dem Hause VW Nutzfahrzeuge reicht der Benz nicht heran. Nicht mal annähernd. Mit 695 bis 1950 Liter Stauraum, geteilt klappbarer Fondlehne und zur Not sogar mit dritter Sitzreihe im Kofferraum (ab 1083 Euro) bemüht er sich zwar redlich, bleibt aber chancenlos. In den nicht mal längeren, allerdings fast einen halben Meter höheren Multivan passt einfach immer noch mehr rein – wer zum Reitzeug nicht auch noch das Pferd einpacken will, wird den T5 kaum voll bekommen. Bis zu 4300 Liter verschwinden im Heck – vorausgesetzt, der Besitzer schafft es, die zwar verschiebbare, aber unglaublich schwere und ausgesprochen fummelige Fondbank ohne Verletzung aus dem Auto auszubauen. Natürlich sind auch zusätzliche Sitze möglich – bis zu acht in drei Reihen, auf Wunsch drehbar.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes E-Klasse

Mercedes E-Klasse
Agiler, souveräner, komfortabler: In Fahrt lässt die Mercedes E-Klasse den T5 locker stehen.
Darüber hinaus verwöhnt der T5 gegen Gebühr auch mit Schubladen, Tisch, Bett und zweiter Schiebetür. Nur Pool und Penthouse lassen sich in der Aufpreisliste nicht finden. Mehr PS ebenfalls nicht. Der Zweiliter-TSI, der sonst den Golf GTI beflügelt, bringt es im Multivan auf 204 PS und 350 Nm Drehmoment. Genug, um den T5 zum Express-Bus zu befördern und aus der Masse der zum Teil doch arg untermotorisierten Bulli-Bande herauszuheben. Kaum mehr als zehn Sekunden vergehen bis Tempo 100. Und wenn es sein muss, rennt der Kasten im sechsten Gang des aufmerksamen DSG 200 km/h. Respekt. Auch wenn so ein Bus dann nicht nur deutliche Windgeräusche verursacht, sondern der Strudel im Tank auch heftig am Portemonnaie zerrt. Schon unser Testverbrauch liegt mit 11,4 Litern pro 100 km fast drei Liter über dem des E 250 T, bei Vollgas schafft der Multivan auch locker das Doppelte. Doch nicht nur wegen des niedrigeren Verbrauchs reist es sich im T-Modell um Klassen entspannter. So eine E-Klasse fährt sich einfach erheblich agiler, souveräner und komfortabler.
Wo der Nutzfahrzeug-Charakter des großen VW auf schlechter Piste schon mal unangenehm aufstößt, gleitet der E 250 meist gelassen durchs Land. Zudem legt der ebenfalls 204 PS starke 1.8er, der wegen des leichten Hubraumnachteils mit 310 Nm auskommen muss, die deutlich flottere Sohle aufs Parkett. Nur 8,3 Sekunden genügen für Landstraßentempo, die Puste geht dem kleinen Turbo erst bei 230 km/h aus. Da sieht der T5 kein Land und allenfalls noch die Rücklichter des Benz. Doch wen wundert es – immerhin bremsen die deutlich größere Stirnfläche und gewaltige 600 Kilo mehr Gewicht das Temperament des VW.
Beim Blick in die Preislisten erfährt auch unsere Begeisterung für die beiden Freizeit-Freunde einen herben Dämpfer. Das E 250 T-Modell, das immer mit Siebenstufen-Automatik vorfährt, kostet mal eben – ohne weitere Extras – 49.058 Euro. Der Multivan Comfortline 2.0 TSI kommt mit Siebengang-DSG sogar auf 50.075 Euro. Dafür müssen fleißige Familien verdammt lange sparen. Auch der Unterhalt dieser feinen Frachter will erst mal verdient sein. Steuer und Versicherung (inklusive Vollkasko) kommen leicht auf 2000 bis 3000 Euro im Jahr. Mercedes will sein T-Modell zudem jedes Jahr und damit doppelt so oft wie VW den T5 in der Werkstatt sehen – und speist uns, wie leider auch VW, dennoch mit nur zwei Jahren Garantie ab. In diesem Punkt sind unsere Äpfel und Birnen leider kein bisschen verschieden.

Fazit

Letztendlich setzt sich der VW Bus in diesem Vergleich der teuren Freizeitfreunde knapp durch. Die fast unbegrenzten Nutzungs-Möglichkeiten verschaffen ihm so viel Vorsprung, dass dem Mercedes trotz des deutlich angenehmeren Fahrverhaltens, besseren Komforts und günstigeren Verbrauchs nur der zweite Platz bleibt.