VW Tayron: Gebrauchtwagen-Test
Gebraucht wird der Tayron spannend!

So langsam, aber sicher ist der VW Tayron als Gebrauchtwagen verfügbar. AUTO BILD checkt, ob und für wen sich das SUV aus Vorbesitz lohnt.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Neu zu sein, ist gerade bei Vernunftautos ein sehr flüchtiger Zustand. Kaum sind die Nummernschilder montiert und man ist vom Händlerhof gerollt, purzelt der Preis. Unser VW Tayron ist gerade ein Jahr alt, hat 17.184 Kilometer von der Welt gesehen und kostet jetzt dennoch nur noch 32.989 statt ursprünglich 55.414 Euro. Macht knapp 22.500 Euro oder 40 Prozent Abschlag für ein Auto, das eigentlich noch gar nicht gebraucht aussieht.
Vielleicht ist der Tayron aber auch erst jetzt dort angekommen, wo er aus Verbrauchersicht von Anfang an hingehörte. Als Neuwagen musste der Nachfolger des Tiguan Allspace seinen unbekannten Namen und ziemlich selbstbewusste Preise rechtfertigen. Als junger Gebrauchter kann er jetzt zeigen, was ihn tatsächlich auszeichnet: viel Raum für Familie und Gepäck sowie hoher Reisekomfort auf vernünftiger Grundfläche.
Der Tayron tritt als zeitgemäßes Familienauto auf
Das ist er: Auch wenn der Name an ein Importmodell erinnert: Der Tayron wurde in Wolfsburg entwickelt, wird dort gebaut und beerbte 2025 den Tiguan Allspace. Technisch basiert er auf dem aktuellen Tiguan 3 und dessen MQ-Bevo-Plattform, wuchs mit 4,79 Meter Länge aber satte 22 Zentimeter über das Schwestermodell hinaus. Davon profitieren sowohl Passagiere als auch Gepäck enorm. Optisch ist der Tayron ein typischer VW: schmale Scheinwerfer, durchgehende Lichtleisten und beleuchtete VW-Logos entsprechen dem aktuellen Look der Marke.

Mit 4,79 Meter Länge überragt der Tayron die erste Generation des VW Touareg um gut vier Zentimeter.
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Vorn herrschen großzügige Platzverhältnisse, in Reihe zwei definitiv oberklassige. Eine längs verschiebbare Rückbank erhöht den Praxiswert. Als Fünfsitzer fasst der Tayron bis zu 885 Liter Gepäck, bei umgelegter Rückbank maximal 2090 Liter. Der optionale Siebensitzer behält selbst hinter der dritten Reihe noch ein einkaufstaugliches 345-Liter-Gepäckabteil. Die beiden Klappsitze sind keine vollwertigen Reiseplätze für Erwachsene. Die Plug-in-Hybride bleiben wegen ihrer Batterie grundsätzlich Fünfsitzer, bieten rund 175 Liter weniger Stauraum.
Technische Daten
1.5 eTSI OPF DSG | 2.0 TDI DSG | 2.0 TSI OPF 4Motion DSG | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1498 cm³ | 1968 cm³ | 1984 cm³ |
Leistung | 110 kW (150 PS) bei 5000/min | 110 kW (150 PS) bei 3000/min | 195 kW (265 PS) bei 5000/min |
Drehmoment | 250 Nm bei 1500/min | 360 Nm bei 1600/min | 400 Nm bei 1650/min |
Höchstgeschwindigkeit | 208 km/h | 207 km/h | 240 km/h |
0–100 km/h | 9,6 s | 9,7 s | 6,1 s |
Tank/Kraftstoff | 55 l/Super | 55 l/Diesel | 58 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Siebengang-DSG/Vorderrad | Siebengang-DSG/Vorderrad | Siebengang-DSG/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4792/1853/1668 mm | 4792/1853/1668 mm | 4792/1866/1666 mm |
Kofferraumvolumen | 885-2090 l | 885-2090 l | 885-2090 l |
Leergewicht/Zuladung | 1683/467 kg | 1771/489 kg | 1809/501 kg |
Anhängelast in kg (gebr./ungebremst) | 1800/750 kg | 2000/750 kg | 2300/750 kg |
Schon beim Grundpaket ist einiges los
Das hat er: Bereits der Tayron Life ist kein Verzichtsmodell. Drei-Zonen-Klima, digitale Instrumente, 12,9-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera, ACC, Spurwechsel und Spurhalteassistent sowie ein Parkassistent gehören zum Grundpaket. Lästig und kostentreibend ist jedoch der Trend, für die verbaute Hardware nicht automatisch sämtliche Funktionen freizuschalten.
Das Abo-Modell erhöht langfristig die Unterhaltskosten. Der Elegance bietet mit Echtholz, Akustikverglasung, elektrischer Heckklappe, Keyless Go und feineren Sitzpolstern eine komfortablere Aura. Der R-Line müht sich mit kräftigeren Schürzen, Sportsitzen und großen Alufelgen dagegen um Sportlichkeit.

Voll im digitalen Zeitalter angekommen, verzichtet der Tayron auf analoge Instrumente. Die Verarbeitung gefällt, die Schalterdiät nicht jedem.
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Empfehlenswerte Extras sind die ergoActive-Sitze, das adaptive DCC-Pro-Fahrwerk und die HD-Matrix-Scheinwerfer. Anhängerkupplung und dritte Sitzreihe machen den Tayron noch familientauglicher. Der Materialmix ist (noch) klapperfrei, kann den hohen Neupreis aber nicht an jeder Stelle einlösen. Das Cockpit wirkt frisch, doch manches Kunststoff- und Bediendetail ist seltsam schlicht. Echte Alltags-Pluspunkte: der zentrale Drehregler für Lautstärke und Fahrprogramme, die Klimafunktionen bleiben dauerhaft am unteren Bildschirmrand erreichbar.
Von kreuzbrav bis souverän reicht das Motorenspektrum
So fährt er: Den Einstieg bildet der 150 PS starke 1.5 eTSI mit Frontantrieb und 48-Volt-Mildhybridsystem. Er rollt leise und soll durch Segeln und Zylinderabschaltung im Alltag sparen. Voll besetzt wirkt er angestrengt, normalen Familienbedürfnissen dürfte er dennoch genügen. Der 2.0 TDI mit 150 PS wirkt kräftiger und fährt besonders auf Langstrecken spürbar sparsamer. Mit 193 PS, Allradantrieb und bis zu 2,4 Tonnen Anhängelast gewinnt der Tayron TDI zusätzlich Format, passt gut zu Caravan und Pferdeanhängern.

Je nach Variante kann der VW Tayron bis zu 2,4 Tonnen schwere Anhänger an den optionalen Haken nehmen.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Die 204 und 265 PS starken TSI wirken kraftvoller, entwickeln aber größeren Durst. Die Plug-in-Hybride leisten 204 und 272 PS, sind neu bei Dienstwagenfahrern gefragt. Ihre 19,7-kWh-Batterie ermöglicht elektrische Kurzstrecken. Geladen wird mit 11 kW (AC) oder flotten 40 kW am DC-Lader. Beim Fahren versteckt der Tayron seine Größe recht talentiert. Die Lenkung arbeitet präzise, die Abstimmung setzt jedoch klar auf Komfort statt auf Fahrdynamik. Besonders mit DCC Pro federt der große VW geschmeidig, wirkt auf langen Strecken voll in seinem Element.
Stärken
- Starkes Raumangebot
- Optional sieben Sitze
- Umfangreiche Konfigurationsvielfalt
Schwächen
- Preistreibende Mehrausstattungen
- Kleinere Softwareschwächen
- Etwas müder Basismotor
Lästig sind vereinzelte Software- und Sensorikthemen
Das macht Ärger: VW bietet zwei Jahre Neuwagengarantie (optional bis fünf Jahre), drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf die Hochvoltbatterie gibt es acht Jahre oder 160.000 Kilometer (SoH-Wert 70 Prozent). Für eine klassische Mängelbilanz ist der Tayron noch arg jung. Der TÜV liefert noch keine belastbaren Langzeitergebnisse.
Was sich bislang zeigt, sind Einzelbeobachtungen: sporadisch ausfallende Assistenzsysteme, schwarz bleibende oder neu startende Infotainment-Bildschirme, vergessene Nutzerprofile sowie übereifrige Park- und Notbremsfunktionen. Keyless Go, elektrische Heckklappe, Sitzmemory und Rücksitzentriegelung verdienen Aufmerksamkeit. Beim eHybrid Ladeport und Ladekabel kontrollieren, auf eine plausible elektrische Reichweite achten. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind für den Tayron insgesamt drei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,3 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 135 g/km |
Inspektion | 450-950 Euro |
Haftpflicht (13)* | 446 Euro |
Teilkasko (21)* | 658 Euro |
Vollkasko (21)* | 1173 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 124 Euro |
Ersatzteilpreise*
Startergenerator | 2256 Euro |
|---|---|
Turbolader | 2061 Euro |
Wasserpumpe | 705 Euro |
Zahnriemen | 1224 Euro |
Nachschalldämpfer | 808 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1608 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1036 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1670 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 18 V) | 700 Euro |
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