In Kürze beginnt die Saison für Winterreifen. Wer nicht auf Ganzjahresreifen fährt, muss dann die Räder wechseln – und denkt spätestens jetzt darüber nach, ob die alten Winterreifen noch gut sind oder bereits neue hermüssen. AUTO BILD erklärt, welche Punkte Sie beachten sollten!

Profiltiefe: Wann braucht man neue Reifen?

Der Gesetzgeber schreibt ein Restprofil von mindestens 1,6 Millimetern vor. Für ausreichende Sicherheitsreserven ist das aber zu wenig, wie unsere Reifentests mit unterschiedlichen Profiltiefen immer wieder zeigen.
Reifenprofil
Reifenverschleißanzeige: Die kleinen Stege zwischen den Profilblöcken zeigen die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe an (1,6 mm) – so weit sollten Sie Ihre Winterreifen aber nicht herunterfahren, da die Sicherheitsreserven schon ab etwa vier Millimeter Restprofil deutlich abnehmen.
Bild: Ralf Timm
Winterreifen und Ganzjahresreifen sollten ein Restprofil von vier Millimetern nicht unterschreiten (Sommerreifen zwei Millimeter). Da Sie mit Ihren Reifen noch durch die Saison kommen müssen, rechnen Sie noch einen Millimeter drauf. Heißt: Wenn Ihre Winterreifen schon zu Beginn der Saison keine vier Millimeter Restprofil mehr haben – neu!

Wie alt dürfen Reifen sein?

Reifen sollten spätestens nach zehn Jahren ersetzt werden – auch wenn sie weder beschädigt sind noch zu wenig Restprofil haben. Und zwar zehn Jahre nach Produktion, nicht nach Kauf, denn bis zum Kauf haben viele Reifen bereits bis zu drei Jahre im Lager gelegen. Der Grund, warum ein Reifen unabhängig von der Profiltiefe nicht ewig gefahren werden sollte: Mit zunehmendem Alter verhärtet sich das Gummi, wodurch sich die Haftung zunehmend verschlechtert. Wer rechtzeitig auf neue Reifen wechselt, profitiert gleichzeitig vom neueren Stand der Technik, der in der Regel mit einem Sicherheitsgewinn verbunden ist.

Reifenalter ablesen

Das Alter bzw. das Produktionsdatum Ihrer Reifen erkennen Sie an der sogenannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke. DOT steht für Department of Transportation – das US-Verkehrsministerium führte die Regel ein, dass auf jedem Reifen das Herstellungsdatum angegeben sein muss. Die Nummer besteht aus einem vierstelligen Ziffernblock.
Reifenflanke mit DOT-Nummer
DOT-Nummer auf der Reifenflanke: rechts in der ovalen Umrandung das Herstellungsdatum. Die ersten beiden Ziffern (hier 20) stehen für die Woche, die zweiten (21) für das Jahr (hier die zwanzigste Woche im Jahr 2021).
Bild: Stefan Novitski
Die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche, die zweiten für das Jahr. So bedeutet zum Beispiel "0421" Herstellung in der vierten Woche des Jahres 2021.

Welche Schäden können Reifen haben?

Altersrisse im Reifen

Der Punkt, der für einen Laien oft am schwierigsten zu beurteilen ist, zumal einige Schäden noch nicht einmal äußerlich erkennbar sein müssen. Typische Schäden sind zum Beispiel Alterungsrisse, die entstehen, wenn das Gummi mit der Zeit spröde wird. Sie können sowohl in der Lauffläche als auch in der Reifenflanke auftreten.
Reportage Audi 80
Extremes Beispiel eines rissigen Reifens. Schon bei den ersten erkennbaren Rissen in der Reifenflanke oder der Lauffläche empfehlen sich neue Reifen.
Bild: Claudius Maintz

Risse und Schnitte

Risse oder auch Schnitte können aber auch durch ein plötzliches Ereignis entstehen, etwa das Überfahren eines scharfkantigen Steins bzw. Gegenstandes oder auch durch seitliches Touchieren eines Kantsteins oder sonstigen Hindernisses. Schnitte und Risse, die tiefer ins Material gehen als einen Millimeter, sind immer ein Sicherheitsrisiko und gelten auch beim TÜV als erheblicher Mangel.
Schnittverletzung eines Reifens
Bei Schnitten, die tiefer sind als einen Millimeter, müssen die Reifen ausgetauscht werden.
Bild: AUTO BILD - Privat

Schraube oder Nagel im Reifen

Durchstochene Laufflächen durch Schrauben oder Nägel können oft repariert werden. Das Loch wird vom Fachmann wieder aufgefüllt, und der Reifen ist wieder normal belastbar. Anders sieht es aus, wenn die Reifenflanke durchstochen wurde – dann muss der Reifen ersetzt werden.
Schraube im Reifen
Bei schleichendem Druckverlust unbedingt die Laufflächen aller Reifen genau kontrollieren. Oft sind eingedrungene Schrauben oder Nägel die Ursache.
Bild: AUTO BILD - Sonntag

Schäden an der Reifenkarkasse

Beulen in der Reifenflanke sind ein Zeichen dafür, dass möglicherweise die Karkasse des Reifens (das innere Reifengerüst) beschädigt ist. So etwas kann ebenfalls beim Überfahren eines Hindernisses oder Kantsteins sowie beim Durchfahren von Schlaglöchern geschehen. Aber auch ein deutlich zu niedriger Reifendruck bei gleichzeitig hoher Beladung kann zur Beschädigung der Karkasse führen.
Achtung: Auch ohne sichtbare Schäden kann das Reifengerüst beschädigt sein. Achten Sie zum Beispiel auf Anzeichen wie Lenkradflattern oder Vibrationen. Suchen Sie bei möglichen Reifenschäden, die Sie selbst nicht einordnen können, immer einen Fachmann auf (Reifenservice).

Einseitig abgelaufene Reifen

Abweichungen in der Achsgeometrie können zu einem einseitigen Ablaufen des Reifens führen. Ursache für die Fehlstellung der Spur ist auch hier häufig das Überfahren oder seitliche Touchieren von Bordsteinkanten sowie das Durchfahren von Schlaglöchern. Abhilfe schafft nur eine Achsvermessung und Spureinstellung – möglichst bevor es zum erhöhten Verschleiß des Reifens kommt.
So leben Ihre Reifen länger:
  • Kantsteine und Schlaglöcher meiden
  • Stets mit dem richtigen Luftdruck fahren
  • Reifen richtig lagern (dunkel, trocken, kühl, nicht stehend, sondern liegend oder hängend)
  • Keine Standzeiten von mehr als einem Monat, ohne die Räder zu bewegen
  • Bei scharfen Beschädigungen der Felgenränder (können auch die Reifen verletzen) Felgen reparieren/austauschen
  • Fahrwerkseinstellung bei Vielfahrern spätestens nach zwei Jahren überprüfen