Warum der MG4 für viele der bessere Elektro-Golf ist
China-Golf mit Strom: MG4 flirtet vorsichtig mit der Zukunft

Kaum ein Chinese ist so klassisch unterwegs wie MG. Aber so ganz will die SAIC-Tochter den Fortschritt dann doch nicht davonlaufen lassen – und fängt ihn deshalb jetzt beim MG4 mit einem neuen Cockpit wieder ein.
Bild: MG
Er gilt vielen als die chinesische Antwort auf den Golf mit elektrischen Vorzeichen. Denn während die Niedersachsen ihrer Stammkundschaft mit dem ID.3 zum Teil zu weit gesprungen sind, ist der MG4 ein fast schon konventioneller Kompakter, der eher nebenbei auch elektrisch fährt.
Und weil MG zum SAIC-Konzern gehört, mit dem VW in China gemeinsame Sache macht, haben die zwei zwar technisch nichts gemein. Doch zumindest den Geist des Golfs haben die Chinesen offenbar genau studiert und mit dem MG4 fast besser getroffen als VW mit dem ID.3. Während der Stromer aus Niedersachsen die konservativen VW-Fans mit digitalem Overflow und all der Toucherei verschreckt, wird bei seinem Schwipp-Schwager aus Shanghai gedreht, gedrückt und geklickt wie in einer Zeit, als Telefone noch Tasten hatten.

Bis zu 545 Kilometer Reichweite: MG verbessert die Effizienz des MG4 spürbar.
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Und das kommt offenbar an. Nicht umsonst ist der MG4 der stille Star unter den Export-Chinesen und in der Statistik weiter vorn als die meisten anderen elektrischen Volumenmodelle.
MG4: mehr Digitaltechnik, aber nicht ohne Knöpfe
Wenn die Chinesen dem MG4 zum Frühjahr ein Facelift spendieren, wird die Sache noch ein bisschen spannender. Denn während VW gerade gründlich zuhört, bei seinen ID-Modellen deshalb wieder zurückrudert und die Bedienung peu à peu ein wenig gestriger gestaltet, will sich MG dem Fortschritt nicht vollends verschließen und räubert dafür beim großen Bruder MG S5.

Das Facelift bringt größere Displays und eine überarbeitete Mittelkonsole.
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Neben ein bisschen frischer Schminke und Feinschliff bei der Hardware ist es deshalb vor allem das neue Cockpit, das künftig den Unterschied macht. Aber selbst wenn hinter dem Lenkrad jetzt ein Display mit 10,25 Zoll prangt und daneben eines mit 12,8, hat der bei VW abgeworbene Designchef Jozef Kaban genügend Knöpfe im Cockpit gelassen, dass sich die Altvorderen aus der analogen Welt dort auch noch zurechtfinden. Und weil es zudem eine neue Mittelkonsole gibt, knallt jetzt auch nicht mehr in jeder Kurve das Knie gegen die Ladeschale für das Smartphone.
Unter dem Blech bleibt (fast) alles beim Alten: Es gibt wie bisher drei Motorvarianten mit 190 oder 245 PS und Heckantrieb und maximal 180 km/h oder den "Xpower" mit zwei E-Maschinen und 435 PS, der immerhin 200 Sachen schafft. Und es gibt die 64-kWh- oder die 77-kWh-Akkus, die man aus der ersten Halbzeit kennt.

Der MG4 Urban soll später im Jahr 2026 unter 30.000 Euro starten.
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Sie reichen jetzt – dank ein bisschen Feinschliff an der Aerodynamik – für 452 und bis zu 545 Kilometer und laden wie bisher mit elf kW am Wechselstrom sowie 154 oder 144 kW am Gleichstrom. Allerdings verspricht MG eine flachere Ladekurve, die länger eine höhere Leistung hält und den MG4 deshalb unter dem Strich schneller wieder flott macht.
Facelift verteuert den Einstieg
Zwar tut dem MG4 der Feinschliff merklich gut, doch für Preisfüchse ist das Facelift erst einmal eine schlechte Nachricht. Der kleine Akku mit 49 kWh fliegt raus und mit ihm das Einstiegsmodell. Deshalb geht es jetzt erst bei 42.990 Euro los und der MG4 wird auf dem Papier gleich mal 20 Prozent teurer. Erst wenn man genau hinschaut, relativiert sich der Aufschlag und das alte und das neue Modelljahr trennen nur ein paar Hundert Euro.
Aber keine Sorge, MG gibt den Preiskampf damit nicht auf. Im Gegenteil. So schaffen die Chinesen Platz für ein neues Modell, das als MG4 Urban noch in diesem Jahr deutlich unter die 30.000-Euro-Hürde rutschen soll.
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