Nur jede zweite Waschstraße ist ihr Geld wert! So lautete vor 40 Jahren das harte Urteil. Kratzige Bürsten, trübes Wasser, viel Schaum, aber wenig Glanz. Unser Waschstraßen-Test in der allerersten AUTO BILD zeigte damals: Autowäsche ist Vertrauenssache. Doch wer heute durch moderne Anlagen fährt, merkt schnell: Bei vielen in der Branche hat sich was gedreht.
Waschstraße
AUTO BILD-Waschstraßentest vor 40 Jahren: Das Ergebnis war durchwachsen, elf Anlagen bekamen ein "mangelhaft".
Bild: AUTO BILD
Ein Montagvormittag in Berlin-Marienfelde. Richtung Waschstraßeneinfahrt fließt ein steter Strom an dreckigen Autos, das Publikum bunt gemischt. Erst geht's durch die Wäsche und dann auf die Parkflächen zum kostenlosen Saugen. Rund 40 Prozent Frauen stehen um neun Uhr in der Schlange.
Die Autowäsche ist längst kein reines Männerrevier mehr, sondern Service-Stopp für alle. Es soll schnell gehen, sauber und möglichst nachhaltig sein.

Ressourcenschonend waschen ist ein wichtiges Ziel

Nachhaltigkeit ist überhaupt das große Thema. Das Waschstraßendach in Marienfelde ist begrünt, Regenwasser wird aufgefangen. Die Staubsaugerhalle ist zugepflastert mit Solarmodulen. Kleine Windräder finden sich rund um die Waschstraße, liefern Extra-Strom. Ziel: möglichst CO2-neutral waschen. Hinter dem Konzept steht ein klarer Anspruch. Christian Weber von IMO erklärt: "Ein Ziel ist es natürlich, ressourcenschonend zu waschen, das heißt für uns, Frischwasser- und Energieverbräuche zu senken beziehungsweise mit Regenwasser und regenerativer Energie zu arbeiten."
Tatsächlich werden hier rund 80 Prozent des Wassers wiederaufbereitet. Doch wie steht es um alte Sorgen: wie etwa Streusalz im Kreislauf? Gerade im Winter ein Dauerbrenner unter Autofahrern. Weber beruhigt: "Auch wenn wir rund 80 Prozent des Wassers recyceln, ist Streusalz im Waschwasser kein Thema." Filter- und Aufbereitungssysteme holen viele der problematischen Stoffe heraus.
Waschstraße
Solar auf dem Dach und Windkraft neben der Waschstraße, so möchte der Betreiber möglichst CO2-neutral waschen.
Bild: Thomas Starck
Überhaupt hat sich die Technik weiterentwickelt. Wo früher kratzige Bürsten rotierten und mancher um seinen Lack bangte, arbeiten heute weiche Schaumstoffstreifen. Und der Blick geht weiter nach vorn. Die Branche tüftelt an der nächsten Generation der Fahrzeugreinigung. Weber sagt: "Geplant wird die möglichst kontaktlose Reinigung. Hochdruck mit rotierenden Düsen und chemischen Helfern könnte die Lösung in Zukunft sein." Weniger mechanischer Kontakt, biologisch abbaubare Chemie, das könnte die eigentlich unbegründeten Kratzer-Sorgen endgültig zur Vergangenheit werden lassen. Die ersten Anlagen arbeiten schon so.

Viele Autobesitzer haben Angst vor Kratzern

Trotz aller Technik bleibt der Mensch wichtig. Viele Kunden wollen Orientierung im Programm-Dschungel zwischen Basiswäsche, Aktivschaum, Unterboden, Wachs und Versiegelung. "Kunden mögen den persönlichen Service, mit Empfehlungen zum Waschprogramm und Tipps zur Reinigung", sagt Weber.
Klar ist auch: Die Kundschaft schaut aufs Geld: "Waschstraßenbesucher sind kostensensibel, lieben aber auch viel Schaum bei der Wäsche, stehen auf Extras wie die Vorwäsche von Hand oder eine Versiegelung für den Autolack", erklärt Weber. Viel Leistung fürs Geld, das ist die Erwartung.
Waschstraße
Wichtig ist die Vorwäsche von Hand. Grober Schmutz verschwindet, hartnäckiger Dreck wird angelöst.
Bild: Thomas Starck
Eine Angst vieler Autobesitzer: Kratzer! Schäden können passieren – bei 400 Millionen Autowäschen pro Jahr keine Überraschung. Eine Gefahr sind Fremdkörper in den Bürsten, etwa ein abgerissener Scheibenwischer des Vorgängers. Hier ist der Waschstraßenbetreiber in der Pflicht. Ein Qualitätsmerkmal ist übrigens der Geruch: "Ein muffiger Geruch beim Waschen ist ein Zeichen für zu altes Brauchwasser. Der Betreiber müsste hier dringend tauschen", so Weber. Ein einfacher Hinweis, der viel über Wartung verrät.

Das Waschstraßen-ABC

Zwischen Schaumparty und Kratzalarm: Worauf Sie achten müssen, bevor die Bürsten loslegen.
Nach dem Winter ist die Fahrzeugtechnik maximal gestresst, viele Autos sehen aus wie rollende Salzstreuer. Höchste Zeit für die Waschstraße. Aber nicht blind reinfahren! Wer sein Blech liebt, checkt vor dem Besuch ein paar Dinge.

Welches Programm?

Teuer heißt nicht automatisch besser. Entscheidend ist eine gründliche Vorwäsche, sie löst groben Dreck und schont den Lack. Für Vielfahrer reicht meist ein solides Mittelprogramm. Heißwachs klingt gut, ersetzt aber keine echte Politur. Wichtiger als wohlklingende Namen sind moderne Bürstentechnik und eine gepflegte Anlage.

Winter-Special: Salz runter!

Unterboden, Schweller und Radkästen brauchen nach Eis und Schnee Extra-Aufmerksamkeit. Streusalz frisst sich sonst in jeden Falz. Bei Minusgraden nach der Wäsche Türen, Tankklappe und Dichtungen trocken wischen, sonst friert’s fest. Silikonspray schützt. Wer sichergehen will, fährt danach ein paar Kilometer, damit Bremsen und Restwasser trocknen.
Waschstraße
Rund 50.000 Schaumstoffstreifen streichen übers Blech, sorgen so für die Reinigung in einer Waschstraße. Der durchschnittliche Waschstraßenbesuch dauert acht Minuten.
Bild: Thomas Starck

Vor dem Einfahren

Spiegel einklappen, Antenne ab, Dachbox runter. Lose Kennzeichen oder Zierleisten sichern. Klingt banal, wird aber oft vergessen: Fenster und Schiebedach komplett schließen! Automatik meist auf "N", Motor laufen lassen, Fuß von der Bremse – Bedienungsanleitung beachten. Bei elektrischer Parkbremse vorher informieren. Und: Auto verriegeln, damit Bürsten nicht Tankdeckel oder Klappen öffnen. Im Zweifel die Mitarbeiter fragen, die kennen sich mit den meisten Fahrzeugmodellen bestens aus.

Während der Wäsche

Nicht lenken, nicht bremsen. Die Anlage macht das schon, auch wenn die Bürsten wirken wie ein übermotivierter Oktopus.

Schaden entdeckt?

Sofort melden! Fotos machen, Uhrzeit und Programm notieren, Protokoll durch einen Mitarbeiter erstellen lassen. Und fair bleiben: Nicht jeder Kratzer stammt von der Anlage.
Die regelmäßige Fahrzeugwäsche vermeidet Gammel und erhält den Fahrzeugwert. Gerade in der kalten Jahreszeit immer mit Vorwäsche, so verschwindet der grobe Schmutz, bevor die Bürsten loslegen. Nach der Wäsche bietet sich ein kurzer Technik-Check an: Licht durchschalten, Reifendruck, Motoröl und Kühlwasser kontrollieren.