100.000 Umdrehungen pro Minute – das ist kein Turbo, sondern eher ein Super-Turbo. Der Zuliefer-Gigant ZF Friedrichshafen hat auf der IAA Nutzfahrzeuge 2024 eine Komponente mit diesem Leistungsspektrum vorgestellt. Es handelt sich um ein sogenanntes Rezirkulationsgebläse. Das relativ kleine, aber extrem leistungsstarke Bauteil ist für Brennstoffzellen konzipiert, die Wasserstoff-Fahrzeuge mit Energie versorgen.
Wasserstoff ist neben dem Akku der favorisierte Energieträger der Zukunft. Stellantis hat kürzlich die Serienfertigung für leichte Transporter mit Brennstoffzellenantrieb begonnen, Opel und Renault stellten auf der IAA Nutzfahrzeuge Prototypen von Wasserstoff-Transportern der Sprinter-Klasse vor, die ebenfalls den Strom für ihre Elektromotoren aus Brennstoffzellen beziehen.

Gebläse sammelt nicht genutzten Wasserstoff

Das Rezirkulationsgebläse von ZF soll die Effizienz des Antriebs erhöhen. Seine Anwendung hilft dabei, bei der Energiegewinnung nicht genutzten Wasserstoff zu sammeln und erneut dem Kreislauf zuführen. Dafür arbeitet es mit einem Kompressor zusammen, den ZF bereits anbietet. Der Kompressor verdichtet die Umgebungsluft, deren Sauerstoffanteil für die Fusion innerhalb der Brennstoffzelle gebraucht wird.
Rekuperationsgebläse für Wasserstoff von ZF
Das Gebläse ergänzt den Luftkompressor von ZF (Bild), der die Sauerstoffversorgung der Brennstoffzelle sichert.
Bild: ZF
Der Wasserstoff wird aus einem mitgeführten Tank eingeblasen, bei der Fusion beider chemischen Elemente zu Wasser wird ein Elektron freigesetzt, das zum Antrieb zur Verfügung steht. Da die Wasserstoffzufuhr bisher relativ grob dosiert war, wurde die Substanz nicht optimal genutzt. Das Rezirkulationsgebläse fängt diesen nicht genutzten Wasserstoff nun auf und führt ihn dem Kreislauf wieder zu, sodass er in den Fusionsprozess zurückgehen kann.

Luft-Lagerung reduziert Verschmutzung des Brennstoffzellen-Stacks

Das Gebläse ist laut Hersteller "kompakt, leicht und auf Effizienz optimiert". Eine neuartige Luftlagerung der Gebläsewelle reduziert den Bedarf an Schmierung. Das wiederum verringert die Verschmutzung des Brennstoffzellen-Stacks. Das verlängert die Lebensdauer des Antriebs. Ein integrierter Wechselrichter unterstützt 800-Volt-Hochspannungssysteme. Das Bauteil stellt einen weiteren Schritt von ZF zum Systemanbieter und Zulieferer bei alternativen Antrieben dar. "Diese Innovationen zeigen, wie wir die Dekarbonisierung vorantreiben", teilt ZF-Vorstandsmitglied Peter Maier mit.