Werkzeugkoffer im Test: Ergebnisse

Werkzeugkoffer im Test: Ergebnisse

Werkzeugkoffer-Test (2020)

Was haben die auf dem Kasten?

Muss Werkzeug teuer sein? Oder taugt der billige Kram aus dem Internet genauso viel? AUTO BILD wollte es genau wissen – und hat 14 Steckschlüsselsätze mit Halbzoll-Antrieb getestet!
Die erste dicke Überraschung im Werkzeugkoffer-Test: Werkzeugkästen mit viel Inhalt sind oftmals preiswerter als Basis-Ausstattungen. Nicht nur relativ, auch absolut. Bestes Beispiel: die Nobelmarke Hazet. Das Set mit 47 Teilen kostet knapp 200 Euro, die Knarre einzeln schon 55. Die ist allerdings ein Wunderwerk der Technik, besitzt 90 Zähne. Bedeutet: Der Rückholwinkel beträgt nur vier Grad, gut beim Schrauben in enger Umgebung. Absolute Spitze: 1000 Newtonmeter (Nm) Belastbarkeit. Zumindest theoretisch, bei uns begann sich bei 690 Nm der Griff zu biegen. Die Norm verlangt nur 512 Nm, Soll übererfüllt.

Gutes Werkzeug schon ab 30 Euro

Testvorrichtung: Die Spindel des Abziehers bringt die Zugkraft auf. Die Verlängerung beträgt einen Meter.

Preislich und qualitativ am anderen Ende ist Blackspur. Klar, für 13 Euro darf man nicht viel erwarten. Zumindest aber eine Verchromung, die nicht so scharfkantig abblättert, dass man sich damit rasieren könnte. Doch wie viel muss man nun wirklich anlegen für brauchbares Werkzeug? Antwort: 30 Euro. Jedenfalls bis zum 31. März. Bis dahin verkauft Motorrad-Versandhändler Louis seinen 80-Jahre-Edition-Koffer zum Jubiläums-Preis, an dem es bis auf die labbrige Halterung des Inhalts nichts zu meckern gibt. Anschließend steigt der Preis auf 50 Euro – immer noch ein Schnäppchen. Gegenüber den anderen 94-teiligen Sätzen, die vermutlich alle aus derselben Fabrik in China stammen, bietet er die weitaus beste Knarre.
Der dritte Kasten, der uns beeindrucken konnte, stammt von der Matthies-Hausmarke JMP. Sein Inhalt wirkt unzerstörbar, die Ratsche gab unserer selbstgebauten Prüfeinrichtung den Rest. Profiqualität für nur 59 Euro. Nicht beurteilt haben wir hingegen die in vielen Kästen mitgelieferten Viertelzoll-Sätze und Massen von Bits. Nette Dreingaben, aber uns ging es um den wichtigen Halbzoll-Inhalt. Etwas unter Wert geschlagen: Wera. Deren geniale Zyklop-Knarre, die sich auch wie ein Schraubendreher nutzen lässt, verliert nur wegen ihres raumgreifenden Kopfes den Anschluss zu den vorderen Plätzen. Enttäuschend: die etablierten Marken Sonic, Proxxon, Stahlwille und KS-Tools, die viele Punkte wegen ihrer minderwertigen Knarren liegen lassen.

Vieles ging zu Bruch

Viel Gummi, wenig Metall: Der Griff von KS-Tools brach bei 470 Nm schlagartig.

Spektakulärster Ausfall war der Bruch des Knarren-Griffs bei KS-Tools, dessen Trümmer uns im wahrsten Sinne um die Ohren flogen. Überraschend auch, dass ausgerechnet an der Knarre aus dem teuersten Kasten – von Stahlwille – der Ratschenmechanismus brach, wenn auch erst weit jenseits der Normanforderungen. Das Gleiche passierte ebenfalls den Werkzeugen von Tectake und Sotech, wobei Tectake wie Stahlwille mit gebrochener Verriegelung ausfiel; Sotech hingegen mit einem abgescherten Zahn des Ratschenrades. Viermal waren die Griffe nach den Versuchen leicht verbogen, jedoch ohne dass dies einen Einfluss auf die weitere Verwendung gehabt hätte. Bei der China-Ware von Blackspur (Foto links) theoretisch auch, allerdings passte dieser nach dem Test nicht mehr in seinen Koffer. Auch die 13er-Nuss überlebte den Drehmoment-Versuch mit 150 Nm nur knapp, ihr Material begann dabei zu fließen. Problem an vier Produkten: Ihr Griffgummi begann zu zerquetschen. Und einen Schaden hat auch die Matthies-Knarre verursacht: Bei 720 Nm begann sie, unseren als Anker für die Knarren hergestellten Doppel-T-Träger zu verdrehen – trotz zusätzlich aufgeschweißter Verstärkungen.
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Testurteil: sehr gut

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Testurteil: gut

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Testurteil: befriedigend

*Preise: Einkaufspreise der Testgeräte

So hat AUTO BILD getestet

Griffabzugstest: Hier ziehen wir mit bis zu 500 Newton am Griffgummi, der dabei nicht abrutschen darf.

Der Test erfolgte in Anlehnung an die DIN 3122, durchgeführt von AUTO BILD in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift "Auto Motor Zubehör" (AMZ) und deren Werkzeugexperten Jens Meyer. Zum Einsatz kamen keine genormten und geeichten Prüfgeräte, sondern handelsübliche Hilfsmittel wie eine Kranwaage. Die Abweichung wird mit +/- einem Prozent angegeben, die Ablesegenauigkeit betrug ein Newton – entspricht etwa 100 Gramm. Damit zogen wir mithilfe eines Abziehers exakt rechtwinklig an einer auf den Ratschengriff gesteckten, auf genau einen Meter abgemessenen Verlängerung, ermittelten so Newton mal Meter. Der Knarren-Vierkant steckte in einem auf Maß gefeilten Loch eines Doppel-T-Trägers. Für den Griffabzugstest wiederum lag die Zugrichtung in Grifflinie. Und zum Abschluss badeten alle Griffe mit den Gummis nach unten acht Stunden in Super-Plus-Benzin, das wegen hohen Aromatengehalts besonders aggressiv auf Kunststoffe wirkt.
Fazit von Hendrik Dieckmann: Darauf hätte ich nicht gewettet: Obwohl wir die Grenzen der Norm bewusst überschritten haben, gab es relativ wenig Bruch. Nur drei Knarren gaben vor Erreichen der geforderten 512 Nm auf, nur eine davon mit einem großen Knall. Und: Gutes Werkzeug für Preisbewusste gibt es manchmal schon für 30 Euro. Echte Liebhaber werden sich damit aber nicht zufriedengeben, sie vermissen daran den samtigen Lauf einer Hazet-Knarre oder die zahlreichen Verstellmöglichkeiten eines Wera Zyklop. Der Markt bedient beide.
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