Wie ein Unfall die H2-Versorgung in Deutschland lahmlegt
Kein Wasserstoff an vielen H2-Tankstellen

Bild: infraleuna
In Wasserstoff werden große Hoffnungen gesetzt: Gerade erst hat die Bundesnetzagentur das sogenannte "Kernnetz" für die Wasserstoffversorgung der Zukunft genehmigt. Es ist – mit allen Verzweigungen – rund 9000 Kilometer lang und soll bis 2032 aufgebaut werden, damit Brennstoffzellenfahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit dem sauberen Energieträger betrieben werden können. Derzeit ist die Logistik noch auf Lkw-Transporte angewiesen.
Bei einem solchen Lkw-Trailer mit Wasserstoff-Druckflaschen hat sich im Spätsommer ein folgenreicher Unfall ereignet: Am Morgen des 26. August gab es im Chemiepark Leuna (Sachsen-Anhalt) auf dem Gelände der Linde GmbH, einem der größten Produzenten von technischen Gasen, einen heftigen Knall. Es kam auf einem der abgestellten Sattelzug-Auflieger zu einer Verpuffung, also zu einer minder heftigen Explosion von Wasserstoff-Gas. Die Werksfeuerwehr brachte den Brand unter Kontrolle, es gab zum Glück keine Verletzten.

In dem Bild aus Leuna ist der beschädigte Auflieger mit den Wasserstoffflaschen zu erkennen, die sich durch die Verpuffung rußig schwarz färbten.
Bild: infraleuna
An Wasserstoff mangelt es an sich nicht
Doch die Ursachenforschung zieht sich in die Länge – und hat inzwischen dazu geführt, dass viele H2-Tankstellen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland gar nicht oder nur eingeschränkt mit dem Gas beliefert werden können. Wasserstoff sei in ausreichendem Maße vorhanden, so ein Tankstellenbetreiber gegenüber AUTO BILD. Doch es mangelt an Transportmitteln: Sämtliche Trailer der Leuna-Bauart seien aus dem Verkehr gezogen und würden auf Dichtigkeit untersucht.
Wie lange diese Sicherheits-Checks dauern werden, ist unklar. Da in der Branche langfristige Lieferverträge üblich sind, kann offenbar nicht schnell Abhilfe geschaffen werden. So kommt es immer wieder an Wasserstoff-Tankstellen zu Engpässen. Wer mit einem Brennstoffzellen-Auto unterwegs ist, sollte regelmäßig mit einem Tankstellenverzeichnis prüfen, ob an der Station des Vertrauens gerade Wasserstoff zum Tanken vorhanden ist. Auf die Preise hat das Geschehen indes keinen Einfluss, ist aus der Branche zu hören.
Anfragen von AUTO BILD zu diesem Thema ließ Linde bisher unbeantwortet.
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