Spätestens wenn das Profil der Winterreifen die Vier-Millimeter-Marke unterschreitet, ist es Zeit für neue Winterreifen. Zwar schreibt der Gesetzgeber eine Mindestprofiltiefe von nur 1,6 Millimetern vor, doch Tests mit unterschiedlichen Profiltiefen haben gezeigt, dass dann die Reifen schon längst nicht mehr genügend Reserven besitzen. Und auch wenn die Pneus älter als elf Jahre sind oder Beschädigungen aufweisen, sollten sie dringend ausgetauscht werden. Was beim Winterreifen-Kauf zu beachten ist.

Welchen Winterreifen für welches Auto kaufen?

Welcher Winterreifen auf das eigene Auto passt, können Sie im Fahrzeugschein nachlesen.
Fahrzeugschein und Führerschein
Die passende Reifengröße für Ihr Auto steht im Fahrzeugschein unter Ziffer 15.1 und 15.2.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
"Neuer" Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I)
: In den Zeilen 15.1 und 15.2 findet sich die Reifengröße. Sind auf Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Dimensionen vorgesehen, kann hier auch eine Kombination eingetragen sein. Die in der Zulassungsbescheinigung eingetragene Reifendimension muss aber nicht zwingend montiert werden, es gibt weitere passende Reifengrößen für das Auto. Die sind im sogenannten CoC-Dokument ("Certification of Conformity", deutsch: "EG Übereinstimmungserklärung") zu finden, das entweder den Fahrzeugunterlagen beiliegt oder beim Händler angefordert werden kann.
"Alter" Fahrzeugschein: Hier findet sich die Reifengröße in den Zeilen 20 und 21 bzw. 22 und 23. Zusätzlich sind im Punkt 33 manchmal weitere möglichen Felgen- oder Reifendimensionen sowie Hinweise zur Verwendung von Schneeketten eingetragen.
Alternativ gibt es bei vielen Online-Shops die Möglichkeit, direkt nach passenden Reifen für ein bestimmtes Automodell zu suchen. Dennoch sollte man sich nicht allein auf die Angaben eines Web-Shops verlassen und die Zulassung abweichender Dimensionen überprüfen.
Alpine Symbol Winterreifen
Seit dem 1. Januar 2018 dürfen nur noch Winterreifen mit dem Alpine-Symbol verkauft werden.
Bild: Werk
Winterreifen sind am sogenannten Alpine-Symbol (angedeuteter Berg mit Schneeflocke) zu erkennen, das auf der Reifenflanke eingeprägt ist. Die Größe des Reifens setzt sich aus einer Zahlen-Buchstaben-Kombination zusammen, die auf der Seitenwand des Reifens abzulesen ist. Sie sieht beispielsweise wie folgt aus: 195/65 R 15. Das bedeutet:
• 195 – 195 mm Reifenbreite
• 65 – Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent
• R – Reifenbauart (R = radial oder D = diagonal, Diagonalreifen gibt es in der Regel nur noch bei Oldtimern)
• 15 – Felgendurchmesser in Zoll
In einigen Fällen steht außerdem ein Lastindex dabei (z. B. 90 = 600 kg) sowie ein weiterer Buchstabe, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit für den jeweiligen Reifen angibt (z. B. V = 240 km/h)

Was ist beim Kauf von Winterreifen zu beachten?

Video: Reifen-Ratgeber

Die wichtigsten Reifen-Tipps

Vor dem Winterreifen-Kauf sollten sich Autofahrer über ihre Bedürfnisse klar werden: Wer viel in den Bergen und kalten Gebieten unterwegs ist, benötigt Reifen, die bei Eis und Schnee sehr gute Eigenschaften aufweisen. Wer überwiegend lange Strecken fährt und oft auf der Autobahn unterwegs ist, sollte ein größeres Augenmerk auf die Langlebigkeit und das Fahrverhalten bei Nässe legen. Um den passenden Reifen zu finden, helfen Winterreifen-Tests. Dabei werden die Reifen nach genau diesen Eigenschaften beurteilt. Auch die Hersteller machen Angaben dazu. Nicht ganz unwichtig ist es außerdem, auf einen möglichst geringen Rollwiderstand zu achten, denn das spart Kraftstoff. Zudem ist für viele Autofahrer das Abrollgeräusch ein wesentliches Kriterium. Da die Reifen ein wichtiger Sicherheitsfaktor sind, sollten Käufer Abstand nehmen von billigen No-Name-Produkten.

Wie kann man beim Winterreifen-Kauf sparen?

Einer der wichtigsten Punkte, um Geld zu sparen, ist auch beim Winterreifen-Kauf der Preisvergleich. Oft wird der gleiche Reifen auf dem Markt zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Hier lohnt es sich, auch den Komplettpreis inklusive Montage zu vergleichen. Online-Besteller sollten vorab schauen, in welcher Werkstatt sie die Reifen zu günstigen Konditionen montieren lassen können. Ein weiterer Einflussfaktor beim Preis: der Termin. Viele Autofahrer warten mit Reifenkauf und -wechsel bis zum ersten Schnee. Dann sind viele Winterreifen bereits ausverkauft und die Terminbücher in den Werkstätten voll. Besser ist es, sich frühzeitig (am besten schon Ende September oder Anfang Oktober) um neue Winterreifen zu kümmern. Aufgrund der noch geringen Nachfragen sind die Preise dann oft günstiger. Wer noch mehr sparen will, sollte antizyklisch kaufen. Also Sommerreifen im Winter und Winterreifen im Sommer.
Wichtig: Neue Reifen sollte man erst vorsichtig einfahren. Sie sind noch mit einer Schicht eines Trennmittels bedeckt, damit sie beim Vulkanisieren nicht an der Form kleben bleiben. Diese Beschichtung ist erst nach ein paar 100 Kilometern abgefahren. Dann ist auch die Gummischicht erst aufgeraut – der Reifen hat dann mehr Grip.

Jetzt lieber auf Ganzjahresreifen wechseln?

Ganzjahresreifen sind in den letzten Jahren deutlich besser und beliebter geworden – viele Hersteller bieten sie mittlerweile sogar werkseitig an, um Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. So liefert etwa Volvo in einigen Märkten bestimmte Modelle ab Werk mit Ganzjahresreifen aus, um Reifenwechsel zu vermeiden und die Umweltbilanz zu verbessern. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Mit Ganzjahresreifen spart man sich den saisonalen Wechsel und benötigt keinen Lagerplatz für den zweiten Reifensatz. Dazu sind die Reifen oft leiser als klassische Winterreifen, somit bringen die Reifen zum Teil auch einen Komfortgewinn bei der Fahrt. Allerdings eignen sich Ganzjahresreifen eher für Autofahrer mit weniger als rund 12.000 Kilometern Jahresfahrleistung, da die weichere Gummimischung bei intensiver Sommernutzung schneller verschleißt. Wer hingegen ein größeres oder schwereres Auto fährt, damit oft schnell unterwegs ist oder in Regionen mit regelmäßig winterlichen Bedingungen lebt, fährt mit echten Winter- und Sommerreifen sicherer – die Spezialreifen bieten in ihren Einsatzbereichen mehr Performance und Langlebigkeit.

Kann man Winterreifen auch gebraucht kaufen?

Kleinanzeigen-Portale, aber auch Reifenhändler haben gebrauchte Winterreifen im Angebot. Auch wenn der Schnäppchenpreis oft verlockend ist, sollten Autofahrer dabei auf einiges achten. Der wichtigste Faktor ist das Alter: Reifen sollten nicht länger als elf Jahre im Gebrauch sein. Der ADAC empfiehlt sogar nur dann gebrauchte Winterreifen zu kaufen, wenn sie nicht älter als drei Jahre sind. Mit zunehmendem Alter verlieren Reifen generell an Qualität – und dadurch auch an Sicherheit. Das Alter des Reifens ist anhand der DOT-Nummer (oft direkt hinter der Reifendimension abzulesen) erkennbar.
Messen der Profiltiefe
Auf die Profiltiefe achten: AUTO BILD empfiehlt mindestens vier Millimeter bei Winterreifen.
Bild: Werk
Sie setzt sich zusammen aus der Kalenderwoche und dem Herstellungsjahr. Ein Reifen mit der DOT-Nummer 2119 wurde also in der Kw 21 im Jahr 2019 produziert. Außerdem sollten Käufer von gebrauchten Reifen die Profiltiefe messen. Unter vier Millimeter besitzen Winterreifen nicht mehr genügend Reserven, vor allem bei Schnee. Denn bei Profiltiefen unterhalb von vier Millimetern verzahnen sich die Profilblöcke nicht mehr wirksam mit dem Schnee. Die Profiltiefe sollte also noch deutlich darüber liegen, damit sich der Kauf lohnt. Auch der Zustand des Reifens sollte eingehend untersucht werden: Es sollten keine Beschädigungen vorhanden sein.

Großer AUTO BILD-Winterreifen-Test

Welche Winterreifen sind wirklich empfehlenswert? AUTO BILD testet jede Saison Winterreifen in unterschiedlichen Dimensionen, darunter spezielle Formate für SUV und andere Fahrzeugklassen. Die Ratgeberseite liefert neben aktuelle Testergebnissen, klare Kaufempfehlungen, weitere Infos zu Winterreifenpflicht, Profiltiefe, DOT-Nummer, EU-Label und Reifengrößen.