XPeng-Chef spricht Klartext: Das sind die Pläne für Deutschland
He Xiaopeng: "Wir sind nicht allein hier, um Geld zu verdienen"

Kaum ein Hersteller gibt dabei derzeit derart Vollgas wie XPeng, erst im Jahr 2014 gegründet. AUTO BILD sprach mit Mitbegründer und Firmen-CEO He Xiaopeng über die Pläne für den europäischen Markt!
Bild: Xpeng
- Stefan Grundhoff
XPeng ist im Gegensatz zu Konzernen wie BYD, SAIC oder Geely eher ein chinesisches Autounternehmen aus der zweiten Reihe. Nachdem die Marke mit Sitz in Guangzhou und europäischen Satelliten in München (R&D Center) sowie Amsterdam (Europazentrale) zunächst mit Fahrzeugen wie G6 oder G9 Achtungserfolge erzielte und die Konkurrenz mit spektakulären Ladezeiten zu fairen Preisen schockte, erweitert sie ihr Portfolio jetzt nach oben und unten.
Die neuesten Modelle XPeng P7+, L03 und insbesondere der Luxusvan X9 machten nicht allein durch ihr exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Marke aufmerksam. Firmen-CEO He Xiaopeng hat für seinen noch jungen Tech-Konzern viel größere Pläne, die weit über neue Autos, autonomes Fahren und Elektroarchitekturen hinausgehen. Im Kern stehen die künstliche Intelligenz und – wenn es nach ihm geht – auch die Luftfahrt.
AUTO BILD: Der chinesische Automarkt ist seit einiger Zeit stark unter Druck. Wird es dort zeitnah die von vielen erwartete Konsolidierung geben, oder wird die noch auf sich warten lassen? Ist die angespannte Situation auf dem Heimatmarkt der Grund, weshalb die chinesischen Hersteller mehr denn je nach Europa drängen? He Xiaopeng: Ich kann in diesem Fall nur für XPeng und nicht für die chinesische Autoindustrie sprechen. Der Markt in China ist aktuell herausfordernder denn je und das wird aus meiner Sicht noch fünf bis zehn Jahre so weitergehen. Der Export nach Europa ist wichtig für uns, damit wir uns breiter aufstellen können. Dabei ist Europa ebenso wichtig wie andere Märkte.
Wird es beizeiten eigene Produktionsanlagen von XPeng in Europa geben, oder setzen Sie weiterhin auf einen Import der Fahrzeuge, die aktuell zumeist in den Werken Zhaoqing und Guangzhou (Provinz Guangdong) gefertigt werden? So könnten Sie Strafzölle umgehen. Unser Plan ist es, bis zum Jahr 2030 mehr als eine Million Fahrzeuge außerhalb von China abzusetzen. Für Gespräche, die die Übernahme von Produktionsanlagen in Europa betreffen, oder entsprechende Kooperationen sind wir in jedem Fall offen und führen diese auch bereits. Jüngst haben wir eine Fertigung in Indonesien eröffnet und werden bald in Malaysia damit starten, dort XPeng-Fahrzeuge zu produzieren.

Mit günstigen E-Autos und Hightech greift XPeng die etablierten Hersteller in Europa an.
Bild: S. Grundhoff
Sie haben mit den Modellen XPeng X9 und P7+ nicht nur neue Autos vorgestellt, sondern die künstliche Intelligenz bei Ihrem neuesten Fahrzeug L03 als Next-Gen AI SUV Coupé in den Vordergrund gestellt. Ist die KI ein derart zentrales Element in Ihren Modellen? Wir sehen XPeng nicht als Autohersteller, sondern als einen echten Tech-Konzern, der eben auch Fahrzeuge produziert und Software entwickelt. Wir leben in wirtschaftlich wie technisch sehr spannenden Zeiten. Von 2015 bis 2020 gab es den Antriebswechsel vom Verbrenner auf den Elektroantrieb, der nach wie vor andauert. Die neue Revolution ist die künstliche Intelligenz und die Symbiose von Roboter und Auto. Das ist der neue große Trend, der uns in den kommenden Jahren begleiten wird. Es gibt keinen Grund, vor der KI Angst zu haben, denn die Technologie soll den Menschen unterstützen und nicht ersetzen. Wir bei XPeng entwickeln und arbeiten an den besten Werkzeugen, um dies erfolgreich umzusetzen. Uns ist dabei allein der langfristige Erfolg wichtig.
Nachdem der Markteintritt in Europa nunmehr geschafft ist – was sind die großen Herausforderungen und Aufgaben für Ihre Marke in den kommenden Jahren? Der Eintritt in die einzelnen Märkte war und ist alles andere als einfach. Wir haben in Deutschland aktuell rund 70 Händler und wollen dies bis Ende des Jahres [2026, d. Red.] auf 110 ausweiten, um eine entsprechende Flächendeckung zu erreichen. Viele unserer Partner sind auch Händler deutscher Premiummarken, mit denen wir uns messen wollen. Doch wir sind nicht allein hier, um Geld zu verdienen, denn wir wollen die Welt mit unseren Produkten ein kleines Stück besser machen – auch in Europa. Das wird zum Beispiel durch das autonome Fahren gelingen, denn davon kann jeder profitieren.

He Xiaopeng glaubt, dass KI den Menschen unterstützen und nicht ersetzen wird.
Bild: S. Grundhoff
Wenn Sie XPeng als Tech-Konzern sehen und seit geraumer Zeit zum Beispiel auch an Flugtaxis arbeiten – sind hier weitere Schritte geplant und werden wir uns bald nicht nur mit Autos, sondern mit Fluggeräten im urbanen Umfeld fortbewegen? Davon gehe ich nicht aus, denn der Lärm dieser Flugtaxis würde viele Leute stören. Deshalb sehe ich das in den kommenden Jahrzehnten eher für Lieferdienste und Personenbeförderung in ländliche Gebiete oder schwer erreichbare Regionen, die so deutlich einfacher zu erreichen sind.
Sie waren 2014 Mitbegründer von XPeng. Mittlerweile expandieren Sie weltweit. Wofür soll XPeng aus Ihrer Sicht stehen? Das ist nicht einfach zu beantworten. Ich hatte vor XPeng eine eigene Firma, die schließlich von Alibaba übernommen wurde. Das ist so, als ob man seine Tochter in die Hände eines Unbekannten gibt. In Asien steht XPeng in erster Linie für autonomes Fahren. In Europa wird das etwas anders sein, auch wenn wir hier beizeiten das autonome Fahren der Stufen vier und fünf bekommen werden. XPeng steht hier für mich in erster Linie für smarte High-End-Technologie, die wir mit unserem Unternehmen bieten.
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