XPeng: Pick-up mit eingebautem Helikopter
Der erste Schritt auf dem Weg zum Flugauto
Bild: XPeng
Auf den ersten Blick sieht er aus wie eine schlechte Kopie vom Tesla Cybertruck. Doch wer genau hinschaut, erkennt in dem pistolengrauen Koloss auf dem XPeng-Stand bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas den vielleicht smartesten Pick-up, der es bislang auf die Electric Avenue geschafft hat.
Denn wo andere nur reichlich Platz für Waren, Werkzeug oder herkömmliche Freizeitgerätschaftenbieten bieten, hat Tan Wang, Chef des XPeng-Ablegers Aeroht, seinem Pick-up eine elektrische Drohne aufgeschnallt. Und zwar keine zum Spielen, sondern eine zum Drinsitzen. Sie ist groß genug für zwei Personen, lädt sich auf Knopfdruck automatisch von der Pritsche ab, entfaltet sich und macht sich bereit zum Abheben.
Das macht unser Auto zum ersten automatischen Flugzeugträger für die Straße, schwärmt der Tan Wang. Und im Gegensatz zu vielen anderen Vordenkern will er es nicht bei der Vision belassen, sondern schon 2026 mit der Serienfertigung beginnen. Nicht umsonst kann er auf das Produktionsnetzwerk, die Zulieferer und nicht zuletzt auf die Konten eines Autoherstellers zugreifen, an dem sich zuletzt sogar VW beteiligt hat.
Geplanter Preis: 300.000 Euro für Pick-up und Drohne
"Das garantiert uns hohe Qualität und einen niedrigen Preis", sagt Wang. Wobei das natürlich relativ ist: Denn umgerechnet rund 300.000 Euro wird das Doppel wohl kosten, wenn es in gut 18 Monaten in den Handel kommt. Viel Geld für einen Pick-up.

Rund 300.000 Euro wird das Doppel von XPeng wohl kosten.
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Aber ein Schnäppchen für ein Auto mit eingebautem Helikopter. Und vor allem macht das verkappte Flugauto mehr her als jeder Ferrari, der bei der avisierten Kundschaft ohnehin schon in der Garage steht.
Dafür gibt es einen etwas grobschlächtig gezeichneten Pick-up von 5,50 Meter Länge mit vier Sitzen hinter Portaltüren und im Fond einseitig blinden Scheiben, der wegen der schweren Last von über 700 Kilo hinten eine Zwillingsachse bekommt. Aber mit Allradantrieb, Hinterachslenkung und Luftfederung soll er so leicht und so komfortabel zu fahren sein wie ein normales SUV.
Dabei setzt Wang wie derzeit so viele chinesische Autohersteller auf einen Plug-in-Hybrid mit Marathon-Qualitäten. Deshalb kann das Mutterschiff nicht nur sechsmal die Drohne laden, sondern auch 1000 Kilometer fahren, bis 800-Volt-Akku und Tank leer sind.

Selbst in China braucht man zusätzlich zum Autoführerschein eine Fluglizenz für den elektrischen Helikopter.
Bild: XPeng
Das Glanzstück allerdings ist der elektrische Heli im Heck, der den chinesischen Cybertruck erst zum Flugzeugträger macht. "Auf Knopfdruck beginnt das automatische Entladen, und nach drei Minuten ist der Zweisitzer abflugbereit", sagt Wang. Man muss zum Sicherheitscheck nur noch die sechs Arme mit den Rotoren verriegeln, einsteigen und abheben. "Selbst das Starten einer Spielzeugdrohne ist aufwendiger", sagt der Firmenchef.
Zusätzlich zum Führerschein braucht man eine Fluglizenz
Einziger Haken: Selbst im fortschrittgläubigen und für alle technischen Errungenschaften offenen China braucht man dafür neben dem Führerschein auch eine Fluglizenz. Trotzdem ist die Bedienung denkbar einfach, ein Joystick und eine Hand reichen. Oder man spult wie bei einer Kameradrohne einfach ein paar Automatikprogramme ab.
Richtig große Sprünge kann man mit dem Huckepack-Heli freilich nicht machen, die Flughöhe liegt unter 300 Metern und die Reichweite bei ein paar Dutzend Kilometern. Das reiche nicht zum Reisen, räumt Wang ein. "Aber wo andere durch die Berge oder an der Küste wandern müssen, können sich unsere Kunden die Landschaft mühelos von oben anschauen", skizziert er einen wichtigen Einsatzzweck. "Und Ersthelfer und Katastrophenschützer bekommen damit ebenfalls ein neues Werkzeug", umreißt er den anderen und freut sich, dass in seinen Büchern bereits 3000 mehr oder minder verbindliche Vorbestellungen stehen.

2026 soll der Flugzeugträger für die Straße in den Handel kommen.
Bild: XPeng
Am Ende der Mission landet der Mini-Copter wieder hinter dem Auto. Der Pilot entriegelt die Rotorarme, die Drohne faltet sich von selbst zusammen, entschwindet automatisch auf der Pritsche – und kaum läuft der Motor des Mutterschiffs, saugen sich auch die Akkus des Fliegers wieder voll für den nächsten Ritt durch die Luft.
Nicht, dass er mit diesem Projekt nicht genug zu tun hatte, doch Firmenchef Wang gibt sich mit kleinen Herausforderungen nicht zufrieden. Während bei uns Firmen wie Lilium oder Volocopter gerade in die Pleite geschlittert sind, will Wang binnen fünf bis zehn Jahren einen elektrischen Senkrechtstarter für die urbane Luftfahrt auf den Weg bringen. Und danach will er endlich den Traum so vieler Entwickler wahr machen und ein echtes Flugauto bauen, das auf Knopfdruck dem Stau davonschwebt.
Zwar weiß er selbst, dass sich die Tüftler seit über 50 Jahren sie Zähne daran ausbeißen und dass es die Elektromobilität mit ihren schweren Akkus nicht eben leichter macht. Doch mit Blick auf schier unerschöpfliche Ressourcen an Mensch und Material in seinem Riesenreich und auf die Rückendeckung der Regierung in Peking lässt er sich nicht entmutigen. "Wer, wenn nicht wir Chinesen, soll die Idee denn sonst zum Fliegen bringen?"
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