ZDF-Bericht: Schadstoff-Vorwürfe gegen VW Grand California
VW reagiert auf "frontal"-Vorwürfe zum Grand California

– Ein ZDF-Bericht zu erhöhten Schadstoffkonzentrationen im VW Grand California sorgt für Wirbel. Jetzt wehrt sich Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Ein Beitrag des ZDF-Magazins "frontal" wirft Volkswagen Nutzfahrzeuge vor, jahrelang erhöhte Schadstoffkonzentrationen im Innenraum des Grand California in Kauf genommen und Kunden nicht informiert zu haben.
Es geht um sogenannte VOCs – flüchtige organische Verbindungen – aus dem GFK-Hochdach. VW widerspricht der Darstellung und betont: Die gemessenen Werte lagen stets unterhalb geltender Richtlinien.
Der Vorwurf: gesundheitsschädliche Ausdünstungen
In seinem Bericht zitiert das ZDF aus einem internen VW-Prüfbericht, wonach bereits vor dem Marktstart des VW Grand California 2019 erhöhte Konzentrationen von Styrol, Formaldehyd und Benzol im Innenraum festgestellt worden sein sollen – Stoffe, die teilweise als gesundheitlich bedenklich oder sogar krebserregend gelten.
Demnach seien Richtwerte des Umweltbundesamts sowie firmeninterne Grenzwerte überschritten worden. Besonders im Fokus: das Hochdach aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), das bis Mai 2022 in einer bestimmten Ausführung verbaut wurde. Die kritischen Emissionen sollen aus den bei der Produktion verwendeten Kunstharzen stammen.

Ein Beitrag des ZDF-Magazins "frontal" wirft Volkswagen Nutzfahrzeuge vor, erhöhte Schadstoffkonzentrationen im Innenraum des Grand California in Kauf genommen zu haben.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der Vorwurf: Trotz dieser Erkenntnisse habe VW weder einen Rückruf gestartet noch Kunden aktiv über mögliche Emissionen informiert. Erst nach Beschwerden – unter anderem durch den Camper-Ausbauer Knaus – seien Maßnahmen getroffen worden.
Ab 2022 soll das GFK-Dach zusätzlich innen beschichtet worden sein, um die Ausdünstungen zu reduzieren. Außerdem wurde ein Warnhinweis in die Bordunterlagen aufgenommen, der zum regelmäßigen Lüften auch während der Nacht rät.
Reaktion von Volkswagen Nutzfahrzeuge
Volkswagen wehrt sich auf Nachfrage von AUTO BILD gegen die Darstellung des ZDF und betont, dass es keine Gesundheitsgefahr durch die beanstandeten Emissionen gebe.
Die Ausdünstungen flüchtiger Stoffe aus Kunststoffen, wie bei GFK-Verbau üblich, seien vielmehr …
- ... technisch bekannt, aber unkritisch:
"Es handelt sich bei den Ausdünstungen aus GFK-Dächern nach eingehenden Untersuchungen an vielen Fahrzeugen um flüchtige Substanzen von Kunststoffen. Die Elemente verflüchtigen sich durch regelmäßiges Stoßlüften." - ... zeitlich abnehmend:
"Die Emissionen sind über die Nutzungszeit rasch abnehmend. Das heißt in der Regel: Je älter ein Fahrzeug ist, desto weniger Ausdünstungen." - ... unterhalb der gesetzlichen Richtwerte:
"Die auf Kundenwunsch von uns gemessenen Grand-California-Modelle unterschreiten die Gefahren-Richtwerte für Innenraumemissionen des Umweltbundesamts."
Zudem betont VW, dass auch die vom ZDF beauftragten Messungen an einem betroffenen Kundenfahrzeug zu dem Ergebnis gekommen seien, dass keine Überschreitung der Grenzwerte vorliegt. Aus Sicht des Unternehmens sei die mediale Darstellung daher nicht gerechtfertigt.
Kritisiert wird von Seiten des ZDF dabei der Umgang des Herstellers mit Geruchsbeanstandungen bei Kundenfahrzeugen – aus Sicht der Volkswagen AG zu Unrecht.
Als Reaktion auf die Kundenrückmeldungen habe man im Jahr 2022 das Bordhandbuch aktualisiert und mit konkreten Hinweisen zum Lüften versehen. Ein Rückruf sei nicht notwendig gewesen, da die Werte keine Gefährdung darstellen und sich mit der Zeit ohnehin deutlich reduzieren würden.
Emissionen kein Einzelfall
Fakt ist: VOC-Emissionen aus GFK-Bauteilen sind kein Einzelfall – sie treten auch bei vielen anderen Reisemobilherstellern auf. Entscheidend ist jedoch der Umgang mit der Thematik. Während VW auf technisch saubere Messwerte verweist, bleibt der Vorwurf bestehen, zu spät oder gar nicht ausreichend kommuniziert zu haben.
Das ZDF zitiert den Umweltrechtler Prof. Dr. Martin Führ, der einen Rückruf sowie eine Rücknahme betroffener Fahrzeuge für geboten hält. VW hingegen sieht keinen Handlungsbedarf – weder rechtlich noch technisch.
Der vollständige "frontal"-Beitrag läuft am Dienstagabend (1. Juli) um 21 Uhr im ZDF. Er dürfte die Diskussion um Emissionen im Fahrzeugbau – besonders im sensiblen Bereich Camping – weiter anheizen.
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