ZF ProAI RoboThink: Autonomes Fahren
Künstliche Intelligenz vom Bodensee

Zulieferer ZF macht sich fit für das autonome Fahren und tritt dabei in Konkurrenz zu den Automobilherstellern. AUTO BILD sagt, was der Zulieferer plant.
- Wolfgang Gomoll
Von ZF haben viele ein ziemlich festgefügtes Bild. Die Technikschmiede vom Bodensee ist bekannt für Getriebe, Lenkungen und Dämpfer. Doch jetzt bringt sich der Zulieferer in Stellung, um im Kampf um die Vorherrschaft beim autonomen Fahren eine entscheidende Rolle zu spielen. Bei den Kameras, die in Autos verbaut werden, ist ZF nach eigenen Angaben schon Weltmarktführer, und auch bei den Roboterautos will der Zulieferer in der Spitze mitspielen.
Das Investionsvolumen liegt im zweistelligen Milliardenbereich
Um die neuen Technologien zu entwickeln, investiert der Zulieferer in den nächsten fünf Jahren zwölf Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung. "Damit sind wir auf dem Niveau von einigen Automobilherstellern", sagt ZF-Chef Wolf-Henning Scheider. Entscheidend dafür, wer die Trümpfe bei den Automobilen der Zukunft in der Hand hält, sind die zentralen Steuergeräte. Mit dem ProAI RoboThink stellt ZF jetzt den nach eigenen Angaben stärksten Zentralrechner für das autonome Fahren vor. Damit soll die künstliche Intelligenz in den Autos auf ein neues Niveau gehoben werden. Bis zu vier dieser Einheiten können miteinander gekoppelt werden, was dann der Rechenkraft von etwa 120 iPhone X gleichkommt. Diese Konfiguration ermöglicht autonomes Fahren der Level vier und fünf, also unter den schwierigsten Umständen.
Der modulare Aufbau ermöglicht bedarfsgerechte Kombinationen
Die RoboThink-Einheit ist das Flaggschiff einer ganzen Palette von unterschiedlich leistungsstarken Zentralrechnern, die für autonome Fahrfunktionen vorgesehen sind. ZF setzt dabei auf eine modulare, offene Plattform für die Soft- und Hardware. So lassen sich die Steuergeräte mit verschiedenen Chipsätzen bestücken, die beispielsweise auch von den Kameraspezialisten MobilEye oder Xilinx, dem weltgrößten Hersteller von programmierbaren Logik-ICs, stammen können. Je nach Anwendungsbereich sind die Autobauer damit in der Lage, verschiedene Rechner der ProAI-Reihe miteinander zu kombinieren. Das ist auch eine Kostenfrage: Schließlich ist der RoboThink-Rechner rund zehn bis 15 Mal teurer als das "Einsteigermodell" ZF ProAI Gen1.
Lange Entwicklungszyklen kennt die Soft- und Hardware nicht
Die Vehemenz, mit der die Schwaben dieses Projekt vorantreiben, zeigt eine Verschiebung des traditionellen Verhältnisses zwischen Autobauer und Zulieferer, bei dem Mercedes, BMW & Co das Heft des Handelns in der Hand hatten. "Wir sind an einem Punkt, an dem wir die OEMs herausfordern", heißt es in Friedrichshafen hinter vorgehaltener Hand. Allerdings wagt sich ZF auch auf dünnes Eis. Denn Fakt ist auch, dass bei der neuen Technologie der Verdrängungswettbewerb noch härter sein wird, als bisher. Während bei Getrieben, Dämpfern und Lenkungen die Entwicklungszyklen auch mal sieben Jahre dauern durften, muss bei Soft- und Hardware deutlich schneller gehandelt werden. Allerdings setzt dieses Tempo auch die Architekturlieferanten wie ZF unter Druck, wer bei dieser Entwicklungsgeschwindigkeit nicht Schritt halten kann, wird vom Markt gedrängt.
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