Oldtimer in Kalifornien
Die Straßen von San Francisco

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Wo alte Autos zum Alltag gehören, lässt es sich gut leben. In San Francisco zum Beispiel: Unzählige Klassiker prägen die steilen Straßen der Stadt am Pazifik. Cable Car und Oldtimer geben sich ein Stelldichein.
Ein später Morgen, hoch über dem Pazifik. Nebel zieht vom Meer in die Bucht, wie immer. San Francisco ist nicht Los Angeles. Hier gibt es Wetter, nicht nur Smog und Hitze. Der Weg in die Stadt führt über die Golden Gate. Ein Wunder an Stimmung. Trucks dröhnen, korrekte Hybriden surren neben den welkenden V8-Vans der Handwerker. Dazwischen zieht ein gelber Alfa Spider in Richtung Süden. Hübsch, sie am Steuer, blond, mit großer Brille. Nur ihr Alfa ist ein wenig verlebt. Bilder fluten in den Kopf. Ja, 1967 fuhr da schon mal einer. Ein roter Duetto, am Steuer ein sehr junger Dustin Hoffman. Simon & Garfunkel sangen dazu. Der Spider ist bald weg, verschwunden im Verkehrsgewühl, sie bog ab in Richtung Pacific Heights.
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"Ich mag die deutsche Technik", sagt der 61-jährige Ingenieur. Er schraubt gern selbst – und fährt im Alltag 02. Es ist tatsächlich so: Auf den steilen Straßen von San Francisco rollen überraschend viele Klassiker. Oft sind es keine verhätschelten Schoßhündchen für die Wochenend-Tour. Sie stehen nicht in der Garage, sondern am Bordstein. Voll im Leben eben. Viele Europäer sind dabei. Sehr viele, aber die Stadt hängt ja auch mental stärker an der Alten Welt als der Rest der USA. Hoch im Kurs stehen BMW 02, aber auch andere Modelle der Münchner. VW ist populär, Porsche immer noch die alte, große Liebe. Mercedes gibt's endlos viele, obwohl die sich für eine Stadt wie San Francisco beinahe zu preußisch, zu staatstragend geben. Da passen schon eher die Volvo – nicht nur Kombitypen der 60er und 70er, sondern auch der Schneewittchensarg und seine Coupé-Vorläufer ohne Glastür im Nacken.
Und Saab natürlich, in allen Stadien des Zerfalls. Früher, in den 50ern, gab es in San Francisco sogar einen DKW-Klub. Und Borgward fand kalifornische Liebhaber für seine Isabella, unterhielt einen großen Schauraum auf der Van Ness Avenue. Hauptsache, anders – das muss beim Autokauf in dieser Stadt ein gängiges Motto gewesen sein. Das Straßenbild zeigt es noch heute, und zwar fast ohne Einschränkungen. Umweltzonen, Smogplaketten, Fahrverbote wie in Deutschland? Undenkbar. Die Alltagsfahrer von San Francisco sind stattdessen ungehalten darüber, dass junge Klassiker ab 1976 den Smog-Test bestehen müssen – und häufig daran scheitern. Für ältere Autos gibt es dagegen freie Fahrt. Sofern sie die Steigungen schaffen.


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