Renault Alpine: die Geschichte
Der Flachmann ist zurück

Sie wird leicht, 300 PS stark und hat einen Mittelmotor. Aber kann die neue Renault Alpine an die berühmten Vorgänger anknüpfen?
- Joachim Staat
Video: Renault Alpine Vision (2017)
Die Legende kehrt zurück
"Französischer Stil und beste Detailqualität"
Lange zauderte Renault mit dem Comeback, nun strotzt die Studie vor selbstbewusster Inszenierung. Auf den Flanken das große Markenlogo, die Dachsäule ziert eine Trikolore. Wo die A110 noch nackt bis rau war, soll eine aufwendige Einrichtung das neue Sportcoupé eine Preis-Etage höher rücken: Da glänzt poliertes Alu neben Leder, neben dem TFT-Display als Tacho steht auf der Mittelkonsole eine Stoppuhr – als Renn-Reminiszenz, wie wir sie sonst von Porsche kennen. Überm Startknopf muss der Fahrer vorm Zünden eine Klappe wegklicken. "Französischer Stil und beste Detailqualität", verspricht Innenraumdesigner Laurent Negroni.
Fantasie ersetzte Geld
Aber gelingt der Neustart einer Marke, deren größte Erfolge über 40 Jahre her sind und die 1995 sang- und klanglos unterging? "Das wird nicht leicht", meint Heinz-Christian Kleinemeier, der sich als junger Mann mit dem Bazillus der flachen Franzosen infiziert hat. "Ende der 60er fuhr ich erste Rennen auf einem R8 Gordini, aber mein Traum war immer eine A110." Kurz darauf besaß er seine erste, heute fährt der Inhaber eines Autohauses mit drei Schmuckstücken aus der Alpine-Historie vor. Die älteste, eine blaue A106 von 1956, hat noch den Originaltacho des 4CV mitten im Armaturenbrett. "Die haben alles, was eben passte, vom Cremeschnittchen genommen und ihre Kunststoffkarosse darübergebaut, bei der das Heckfenster vom Renault Frégate als Frontscheibe dient." Immerhin, das Design steuerte Michelotti aus Italien bei. Fantasie ersetzte Geld. Kleinemeier: "Das waren geniale Bastler."
Einsteigen verlangt Beweglichkeit

Die flache Form ist bis heute eine Augenweide, einsteigen ist eine schwierige Angelegenheit.
Bild: Roman Raetzke
1977 erstmals mit Sechszylinder

Der kleine Motor brachte es auf 115 PS, das reichte für 7,5 Sekunden auf 100 km/h.
Bild: Werk
Verarbeitung auf Porsche-Niveau

Die Alpine A610 kam mit V6-Motor und 250 PS, wog aber schon fast 1,5 Tonnen.
Bild: Roman Raetzke
Und die wollen nun Alpine wieder aus der Taufe heben? Lange genug hat’s gedauert, obwohl Renault-Fans immer wieder gefordert haben, die Marke brauche sportliche Serienableger, damit das Formel-1-Team – sonst zu abgehoben – endlich aufs Image einzahle. 2012 kam die Ankündigung, 2015 eine erste Studie: Alpine kehrt zurück. Dahinter steckt Kalkül, denn der Markt für Premiumsportler soll bis 2020 auf 300.000 Fahrzeuge wachsen. Die Franzosen rechnen: 40 Prozent gehen in die USA, 35 Prozent nach Europa, davon ein Drittel nach Deutschland. Und Asien? Nur mickrige 15 Prozent.
Billig wird die Alpine nicht
Was wollen diese Käufer? Power und Persönlichkeit. Beides soll die neue Alpine besitzen – als ein leichter, schöner und starker David, der mit französischem Charisma und seiner Rennsport-DNA glaubwürdig antritt gegen die Goliaths der Szene wie BMW M235i, Nissan 370Z oder Ford Mustang mit Achtzylinder. Einen Preis für die Alpine nannte Renault-Chef Carlos Ghosn nicht. Wir erwarten eine Spanne zwischen 40.000 und 45.000 Euro für die stärkste S-Version mit 300 PS. Klingt selbstbewusst. Den Alpine-Bazillus sollten Käufer also schon mitbringen.
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