Nextbase bringt zwei günstige Dashcam-Alternativen zum iQ auf den Markt. Doch wie zuverlässig und leistungsfähig sind die Modelle Piqo 1K und 2K? AUTO BILD hat sie getestet!
Nextbase hat mit der iQ eine hochwertige, aber kostspielige Dashcam auf den Markt gebracht. Nun will der Hersteller mit den Piqo-Modellen zeigen, dass es auch preiswerter geht. Diese beiden Kameras bieten eine reduzierte Ausstattung und erreichen eine maximale Auflösung von 2560 × 1080 Pixeln (1K-Version) beziehungsweise 2560 × 1440 Pixeln (2K-Version).
Die Variante mit der niedrigeren Auflösung ist zum Marktstart für 119 Euro erhältlich, während das höher auflösende Modell 149 Euro kostet. Wie gut die Piqo-Kameras in der Praxis tatsächlich abschneiden, hat AUTO BILD getestet.
Im Gegensatz zur Nextbase iQ, deren Halterung als zentrale Steuereinheit diente und entsprechend groß sowie auffällig war, sind die Piqo-Modelle deutlich dezenter. Die Modelle K1 und K2 besitzen dasselbe Gehäuse und die gleiche Halterung. Diese besteht aus einer abnehmbaren Platte mit Klebepad sowie einem fest montierten Element, das über ein Gelenk mit der Dashcam verbunden ist.
Die Montage gestaltet sich unkompliziert – einfach ankleben und fertig.
Bild: AUTO BILD
Die Anbringung der Piqos ist unkompliziert, und dank des Kugelgelenks lassen sie sich flexibel ausrichten. Gleichzeitig bleiben sie sicher in Position und wackeln selbst bei einer Vollbremsung nicht. Durch die kompakte Halterung und das platzsparende Gehäuse (4 × 10 × 4 cm, H × B × T) bleiben sie während der Fahrt nahezu unbemerkt.
Nextbase ist auf neuestem Stand
Für die Stromversorgung der Piqo-Modelle befindet sich eine USB-C-Buchse auf der rechten Seite. Im Lieferumfang sind sowohl ein USB-C-Kabel als auch ein Adapter für den Zigarettenanzünder enthalten. Wer bereits über einen USB-C-Anschluss im Auto verfügt, kann die Dashcams alternativ darüber betreiben. Während bei der iQ ein OBD-II-Kabel mitgeliefert wurde, muss es bei den Piqos separat gekauft werden – für 40 Euro. Zusätzlich ist für 30 Euro ein Kabelset erhältlich, das eine direkte Verbindung zur Bordelektronik ermöglicht. Beide Adapter sind erforderlich, um den Parkmodus der Dashcam zu aktivieren.
Auf das Smartphone angewiesen
Die beiden Geräte haben einen Nachteil: Sie sind nur mit dem Smartphone und der entsprechenden Nextbase-App (für iOS und Android) nutzbar. Sowohl die Einrichtung als auch die Bedienung erfolgen ausschließlich über das Handy, da die Piqo-Modelle kein eigenes Display besitzen. Die Einrichtung ist unkompliziert, und die Menüführung ist insgesamt übersichtlich. Wer das Live-Bild der Kamera betrachten möchte, muss allerdings mit einem starken Versatz zwischen Kamera- und Handy-Bild rechnen.
Nextbase setzt vollständig auf die Steuerung über ihre App und hat diese übersichtlich und benutzerfreundlich gestaltet.
Bild: Nextbase , Apple
Im Gegensatz zur iQ ist für die Nutzung kein Nextbase-Account mehr zwingend erforderlich. Stattdessen bietet der Hersteller einen "Gast-Modus" an, über den die Dashcams voll funktionsfähig sind. Wer jedoch das kostenpflichtige "Protect"-Abo abschließen möchte, benötigt weiterhin ein Nutzerkonto.
Funktionen der Nextbase-App
Das kostenpflichtige Abonnement (erhältlich für 2,99 Euro monatlich oder 29,99 Euro jährlich) gewährt Zugriff auf einen Cloud-Speicher von 180 Tagen für die Aufnahmen, verlängert die Garantie um ein weiteres Jahr und aktiviert die SOS-Funktion. Im Notfall verbindet sich das Gerät automatisch mit dem Rettungsdienst und überträgt wichtige Daten wie GPS-Position sowie benutzerspezifische Informationen wie etwa Blutgruppe oder Fahrzeugmodell – sehr hilfreich.
Doch auch ohne ein zusätzliches Abo erhalten Nutzer nützliche Funktionen. So lässt sich im "Guardian Mode" (Schutzmodus) festlegen, wo und mit welcher Geschwindigkeit gefahren werden darf. Wird eine dieser Grenzen überschritten, erstellt die Dashcam eine schreibgeschützte Aufnahme. Dies ist besonders praktisch, wenn das Auto verliehen wird oder an einen Automechaniker übergeben wird.
Eine weitere nützliche Funktion ist der "Witness Mode" (Zeugenmodus), der sich per Sprachbefehl aktivieren lässt. Die Dashcam erstellt dann ebenfalls einen schreibgeschützten Clip, hier wird der Nutzer über sein Handy benachrichtigt. Anschließend kann entschieden werden, ob die Aufnahme zur Sicherheit in die Cloud hochgeladen werden soll. Das Nextbase iQ bietet eine erweiterte Version dieser Funktionen, bei der Aufnahmen und Benachrichtigungen automatisch über das Mobilfunknetz verschickt werden.
Verbesserungsbedarf
Die oben beschriebenen Funktionen sind nutzlos, wenn die Bildqualität nicht stimmt. Tagsüber liefern beide Piqos solide Aufnahmen. Der Bildwinkel ist weit genug, um problemlos mehrspurige Straßen abzudecken, und auch die Verkehrsteilnehmer sind gut erkennbar. Bei der 2K-Variante wirken die Farben etwas lebendiger und intensiver als bei der 1K. Details sind gut erkennbar, aber die starke Körnung und das sichtbare Bildrauschen trüben den Gesamteindruck.
Die Piqo 1K verwendet das ungewöhnliche 21:9-Bildformat (2560 x 1080 Pixel).
Bild: Nextbase, AUTO BILD
Nachts zeigen die Dashcams die gleichen Schwächen: Dunkle Bereiche sind zu dunkel und helle Bildausschnitte sind zu strahlend. Zum Beispiel sind Nummernschilder, die von Scheinwerfern beleuchtet werden, nicht lesbar. Immerhin lassen sich Fahrzeugmodell und -farbe erkennen. Dennoch gibt es mittlerweile Wettbewerber, die bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich bessere Ergebnisse liefern.
Im Dashcam-Menü gibt es nicht viele Anpassungsmöglichkeiten. Bei beiden Modellen lässt sich die Auflösung verringern, wobei die Bildrate je nach Auflösung von 30 auf 60 Bilder pro Sekunde steigt. Die Bewegungen wirken etwas flüssiger, notwendig ist es allerdings nicht.
Die Piqo 2K hat bei schlechten Lichtverhältnissen merkliche Schwierigkeiten, wobei das Verkehrsgeschehen erkennbar bleibt.
Bild: Nextbase, AUTO BILD
Die Clip-Länge lässt sich nicht ändern, eine Minute ist hier jedoch völlig ausreichend. Die Dashcams zeichnen kontinuierlich auf und überschreiben älteren Clips, wenn die microSD-Karte (nicht im Lieferumfang) voll ist. Wird der G-Sensor aktiviert, erstellt die Piqo automatisch eine schreibgeschützte Aufnahme. Dafür sind jedoch starke G-Kräfte erforderlich. Beim Test mit einer Vollbremsung bei 30 km/h löste die Notspeicherung zum Beispiel nicht aus. Als Alternative gibt es einen entsprechenden Knopf an der Rückseite der Dashcams, der gut erreichbar und relativ groß ist.
Die Piqo-Dashcams von Nextbase richten sich an Fahrer, die eine günstigere Alternative suchen. Der Hersteller setzt dabei auf nützliche Funktionen wie den Guardian-Mode und ein kompaktes Design. Allerdings hat das kleinere Gehäuse auch einige Einschränkungen hinsichtlich des Bedienkomforts: Die Steuerung erfolgt ausschließlich über eine Smartphone-App, wodurch die Geräte ohne Handy nicht funktionieren.
In puncto Bildqualität schneiden sowohl die 1K- als auch die 2K-Modelle weniger gut ab. Es tritt ein deutliches Bildrauschen und eine starke Körnung auf, wobei die Aufnahmen bei Tageslicht noch akzeptabel sind. Bei schlechten Lichtverhältnissen wird die Qualität jedoch deutlich schlechter. Ebenso problematisch ist, dass beide Modelle in der Werkseinstellung bei der Test-Vollbremsung nicht reagierten.