Alfa Romeo 156 (ab 1997)

Gebrauchtwagen Alfa 156 Gebrauchtwagen Alfa 156

Alfa Romeo 156

— 25.02.2002

Schön zuverlässig

Es ist eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Doch der Alfa Romeo 156 räumt tatsächlich mit alten Vorurteilen auf.

Qualität und Verarbeitung

Ein Cockpit mit Tradition. Besonders schön ist die Luxus-Version mit Holzlenkrad, weiß unterlegten Instrumenten und Holzdekor in der Mittelkonsole. Schön anzusehen waren diese Herzensbrecher aus Mailand ja schon immer. Und mit ihrem kraftvollen Motorsound schmeichelten sie sich in so manches Cuore sportivo deutscher Biedermänner. Doch wer sich auf die italienischen Gigolos verlassen musste, wurde oft verlassen. Wer tiefer in die Alfa-Historie eintaucht, kann nur zum Schluss kommen, dass Zuverlässigkeit wahrlich nicht zum Serienumfang dieser Romeos zählte. Umso überraschter blicken wir jetzt in die neue TüV-Statistik. Hier betreibt plötzlich der Alfa 156 mit Bestwerten Imagepolitur.

Tatsächlich ist ein kleines Wunder geschehen. Dreijährige 156er glänzen mit neuen Qualitäten. Nur bei der vorderen Beleuchtungsanlage zeigt der TüV häufiger als im Durchschnitt Rot, alle anderen Werte bleiben im grünen Bereich. Das wollten wir genau wissen und haben uns mehrere gebrauchte 156er verschiedener Motorisierungen genau angeschaut - und entdeckten in allen die gleichen (kleinen) Macken, die der TüV allerdings bei seinen überprüfungen nicht beurteilt: Ab Tachostand 30.000 quietscht bei Betätigung die Klappe in der Luftdüse. Nach etwa 40.000 Kilometern scheppert der Kabelbaum im Cockpit. Kratzt auch der zweite Gang, wurde der 156 wahrscheinlich vorwiegend rasant bewegt. Ein Tipp für Käufer: Beginnen Sie die Probefahrt auf dem Beifahrersitz, und überlassen Sie dem Verkäufer das Steuer. Denn auch wenn der Alfa 156 ein solides Auto ist, verträgt er auf Dauer keine lieblose Behandlung.

Technik und Marktlage

Mit zu wenig Liebe wurde offensichtlich auch der Sicherungskasten konstruiert. Nimmt man den geschwungenen Deckel mehrmals ab, brechen die Halteklammern ab. Der Deckel sitzt dann nicht mehr richtig und fällt bei Bodenunebenheiten ab. Im Sicherungskasten befindet sich auch der Stecker für das Diagnosegerät, mit dem Alfa-Mechaniker auf Fehlersuche gehen. ABS-Aussetzer sind meist der Anlass für solche Einsätze. Nicht selten wird das Steuergerät als Verursacher erkannt und getauscht. Gelegentlich zu Unrecht. Die Ursache für das Aussetzen ist meist viel einfacher: Die ABS-Sensoren an den Rädern sind nicht besonders spritzwasserfest - und legen bei Wassereintritt das ganze System lahm. Lästig, aber billig: Steckverbindung öffnen, mit Druckluft trocknen und reinigen, danach ein Tropfen Kontaktöl. Schon funktioniert das ABS wieder. Eine weitere Quelle für ABS-Aussetzer ist die für das Steuergerät verantwortliche Flachstecksicherung, ein Pfennigartikel.

Ohne Material kann ein anderes Alfa-Leiden behoben werden: Gelegentlich versenken sich die hinteren Seitenscheiben selbstständig. Dann hilft eine Justierung der Fensterheber. Reine Routine für die Werkstatt und bei vielen Fahrzeugen eine längst geheilte Kinderkrankheit. Auf Qualitätsverbesserung darf der Lack des 156 hoffen. An mehreren Fahrzeugen sahen wir Ablösungen der obersten Schicht, meist an der von Steinschlägen beschädigten Motorhaube und am Kofferraumdeckel. Abhilfe: eine Neulackierung. Bei der Prüfung auf Unfallschäden sollte daher nicht nur der Lack, sondern auch die Schweißnähte genau beachtet werden. Unfallfreie Autos sind gut und mit gleichmäßigen Spaltmaßen verarbeitet.

Sportbegeisterte Alfa-Fahrer neigen vor allem bei gebrauchten Fahrzeugen gerne zu Tuning-Eingriffen. Das Original-Fahrwerk ist bereits sportlich abgestimmt. Vom Kauf eines tiefer gelegten 156 raten wir auf jeden Fall ab. Felgen sind da noch eine Geschmackssache. Ein besonders hart abgestimmtes Fahrwerk strapaziert den Alfa dagegen über Gebühr. Quittung: Klappern und Knarzen. Wenig Ärger im Alltag bereitet hingegen ein gut gepflegter Gebrauchter. Aus aktueller Sicht kann es dieser Italiener bei Qualität, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit mit der Konkurrenz aufnehmen. Das gilt auch für die Wertstabilität. Ein dreijähriger 2.0 verlor 43 Prozent vom Neupreis, die deutschen Klassen-Kollegen Audi A4 1.8 T und der BMW 320i sind nur um ein Prozent wertstabiler.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/97 Der 156 löst den kantigen 155 ab. Motorenauswahl: 1,6-Liter mit 88 kW (120 PS), 1,8-Liter mit 106 kW (144 PS), Zweiliter mit 114 kW (155 PS), 2,5-V6 mit 140 kW (190 PS) 2/98 Neue Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung. 1.9 JTD (76 kW/103 PS) und 2.4 JTD (100 kW/136 PS) 4/99 Serienmäßige Seitenairbags, gegen Aufpreis Selespeed für den 2.0 16V, eine Tippkontaktschaltung am Lenkrad und Q-System für den 2.5-V6, eine Vollautomatik mit manueller Schaltmöglichkeit

Schwachstellen • Gummidichtungen an den Türen lösen sich nach einigen Jahren, der Unterbodenschutz an der Wagenheberaufnahme blättert ab • Die Scheinwerfer kritisiert der TüV immer wieder, meist liegt es an der Abblendlicht-Einstellung • ABS-Sensoren sind wenig spritzwasserresistent und neigen zu Defekten • Kratzt der zweite Gang, ist ein Getriebeschaden nahe • Die Bremsen gelten grundsätzlich als sehr robust, sportlich ambitionierte Fahrweise bewirkt aber auch hier einen vorzeitigen Verschleiß von Scheiben und Klötzen • Probleme mit dem Lack sind auch bekannt, wiederholt blättert die oberste Schicht ab

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa Romeo 2.0 16V, 114 kW/155 PS, Baujahr 98. Auch bei den Ersatzteilpreisen eifert man Audi und BMW nach, gebrauchte Teile sind selten, Unfallautos daher als Organspender sehr beliebt.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Bei unseren Überprüfungen an den drei Jahre alten Alfa 156 bemerken wir überdurchschnittlich oft eine fehlerhafte Abblendlicht-Einstellung. In allen anderen Punkten zeigt sich der 156 von seiner besten Seite und bleibt stets unter dem Schnitt. Vorbildlich sind die Werte bei den Bremsen, den Antriebswellen und der Korrosion an Rahmen und allen tragenden Teilen. Hier dürfen wir sogar den Bestwert von 0,0 notieren." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Alfa 156 2.0 (114 kW/155 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 200 Mark im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 8,5 Liter, gemessen 10,5 Liter Super Versicherung: Vollkasko (21/1000 Mark SB): 2135 Mark. Teilkasko (32/300 Mark SB): 492 Mark. Haftpflicht (16): 1748 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 20.000 Kilometer, etwa 300 bis 500 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 43 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 3000 Mark Verlust

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.