Audi A1 gegen Audi 50: Vergleich — 06.08.2010
A1 trifft seinen Opa Audi 50
Ein kleiner Audi: Das gab es schon mal. Doch dem 50er der 70er blieb der große Erfolg versagt. Beim neuen A1 sieht es dagegen ganz nach Kult-Karriere aus. AUTO BILD hat die beiden Ringträger zusammengebracht.
Überblick: Alle News und Tests zu Audi
Audi stand für durchschnittliche Gefährte, passend zu Beamten der mittleren Laufbahn, die mit dem neuen Geist der Marke jetzt auf progressiv machten. Das premiumste Teil im Innenraum des 50 war das speckige Holzimitat am Armaturenbrett. An Luxus besaß er ansonsten eine Leseleuchte, eine Sonnenblende auch rechts und eine Scheibenwaschanlage mit einem Fußgummibalg in Krötenform links neben dem Kupplungspedal. Nur gegen Aufpreis gab es Kopfstützen, einen rechten Außenspiegel, Automatikgurte und Servobremse. Irgendwie ärmlich. Aber er war die deutsche Version des Mini, fuhr ausgezeichnet und verdrehte nicht nur der jungen Generation die Köpfe. Auch die kränkelnde Audi-Mutter Volkswagen bemerkte die Talente des Kleinen, kaperte ihn einfach und machte daraus ihren ersten modernen Kleinwagen. Der leitete unter dem Namen Polo zusammen mit Passat (der auch von Audi gemopst wurde) und Golf die Rettung des Konzerns ein. Der Audi 50 wurde dann bereits 1978 eingestellt, er unterschied sich ja kaum vom weitergebauten Polo.
Überblick: Alle News und Tests zum Audi A1
Das ist beim A1 nun anders. Er unterscheidet sich sehr wohl vom Polo – obwohl der 1500 Euro billigere Wolfsburger druntersteckt. Aber die Architektur des A1 ist aufwendiger. Hochwertige Materialien und schwierige Formen wie die umgreifende Motorhaube und Heckklappe, die komplexen Scheinwerfer und Rückleuchten sind teuer, sehen aber gut aus. Und damit sind wir bei des Pudels Kern und vermelden hier ganz nebenbei jedoch feierlich, die endgültige Ausentwicklung des Automobils! Die Indizien dazu liefert der PR-Mann von Audi, der dem neugierigen Journalisten als Highlight des A1 die Zierleiste im Türgriff innen präsentiert, dann die lackierten Luftdüsen im Armaturenbrett ("die sind wasabigrün") und den in einer anderen Farbe lackierten Dachbogen außen. "Aha", denkt sich der Journalist verstört, haben die keine anderen Probleme, oder sind Audis Ingenieure etwa am Endpunkt ihres Ehrgeizes angelangt? Schließlich lautet der Slogan von Audi "Vorsprung durch Technik". Beim A1 wurde daraus Vorsprung durch Stil, heute meist Style genannt.Dazu zum Nachdenken ein Zitat des amerikanischen Schriftstellers Robert Pirsig: "Stilisierte Autos und stilisierte Außenbordmotoren und stilisierte Schreibmaschinen und stilisierte Kleider. Stilisierte Kühlschränke voll stilisierter Lebensmittel in stilisierten Küchen in stilisierten Häusern. Stilisiertes Plastikspielzeug für stilisierte Kinder ... Der Stil ist es, der einem so auf die Nerven geht." Der neue Audi will hauptsächlich eines: stilvoll und schick sein. Aber die technische Substanz, die Vision, die Audi ja immer so weit nach vorn gebracht hat, wo ist die? Liegt es daran, dass der Audi-Chef kein Ingenieur mehr ist, sondern Betriebswirt? Stil ist bei Audi wichtiger geworden als alles andere. Denn an Technikvorsprung gibt es beim A1 nicht viel zu vermelden, im Gegenteil: Rückschritt – zumindest im Vergleich zu seinem Vorgänger A2. Bei Audi wird sich heutzutage auf Ablageschachteln in Bootsform und Luftdüsen im Jetdesign konzentriert.
Der neue kleine Audi vermittelt ein ganz anderes Gefühl als sein Vorgänger
Mit Ausströmern im Armaturenbrett hatte sich die Firma indes schon 1974 beim Typ 50 befasst. Die waren klappbar: nach oben geöffnet, nach unten zu und einfach bloß schwarz statt wasabigrün. Heute würde im Audi-Prospekt wahrscheinlich norischwarz stehen, Nori sind die Sushi-Algen. Na ja, die Zeiten ändern sich eben, wir wollen nicht lamentieren, trotzdem ist ja alles besser, saftiger, kultivierter geworden. Denn während sich das Kleinsein des Audi 50 sofort auf ein Kleinfühlen beim Fahrer überträgt, ist der A1 zwar ebenfalls relativ klein, dabei jedoch stolz, genau wie sein Besitzer. Audis Konzentration auf den Stil liegt am Wandel der Gesellschaft. Die von vielerlei spannenden Alternativen abgelenkten jungen Käufer von heute pflegen statt technischer Kompetenz eine bewusste Nichtkompetenz, denn die Autos funktionieren ja alle so prima und sind zudem irre komplex.Sie nutzen sie folglich als bloßes Instrument der Selbstinszenierung, wie iPod, iPad, und haben sich vom Kraftfahrer mit Durchblick zum technisch desinteressierten User gewandelt. Die Jungen nutzen ihre Hirnkapazitäten daher heute für anderes. Zum Beispiel für das iPhone-App namens Audi A1 Beat Driver, das von erschütternder Banalität ist. Oder um sich mit Audi auf Facebook und YouTube zu tummeln. Virales Marketing nennt sich das, weil es sich wie ein Virus in den Internet-Netzwerken einnistet. Trotz dieser seltsam anmutenden A1-Begleitmusik ist zum Glück eines bei Audi dann doch wie immer, und das erfreut uns autoverliebte Jungs der alten Schule. Die dralle Kiste fährt einfach prima, denn die Technik, auch wenn sie vom Polo stammt, taugt etwas. Und so ist der A1 am Ende doch 1A.




































