Audi A3 vs. Mercedes A-Klasse

Audi A3 Sportback/Mercedes A-Klasse: Test

— 12.08.2016

Reichen drei Zylinder zum Sieg?

Audi hat den kleinsten Benziner im A3 bis an die Schmerzgrenze abgespeckt. Erfüllt er trotzdem den hohen Anspruch? Erster Vergleich mit der A-Klasse.

Premium ist gaga. Premium ist als Begriff so leer und abgenudelt wie das Wort "Kult" oder das jugendliche "läuft!". Premium ist vor allem eine Falle, in der BMW, Audi und Mercedes in der Golf-Klasse stecken: Da wollen die deutschen Nobelmarken mit ihren Fünftürern das Besondere bieten – haben aber immer mehr Probleme, gegen scharfe Konkurrenz ihre Mehrpreise zu rechtfertigen. Denn Premium fliegt nicht zu, das Etikett muss ständig neu verdient werden.

Der neue Motor im A3 überzeugt durch schöne Laufruhe

Extrem abgespeckt: Basismotor im A3 Sportback ist jetzt ein Turbo-Dreizylinder mit 115 PS und 200 Nm.

Liegt Audi da richtig, den A3 mit dem neuen Dreizylinder bis an die Schmerzgrenze abzuspecken? Image ist so dehnbar wie Gummi: Irgendwann knallt's. Zumal Mercedes beim jüngsten Facelift für den A 180 bei vier Zylindern und 1,6 Liter Hubraum blieb. Audis 1.0 TFSI ersetzt gleich zwei Vierzylinder: den 1.2 TFSI mit 110 PS, den zehn Prozent aller Kunden gewählt haben, und den 1.4er mit 125 PS. Der neue Dreizylinder klingt nur beim Starten in der hallenden Tiefgarage falsch ("Da ist doch was kaputt?!"), draußen im Verkehr ist das anfängliche Unbehagen schnell verflogen. Der hochgerüstete Triple (Leichtbau, hoher Einspritzdruck, kompakter Abgastrakt), der schon im Golf gefallen hat, überzeugt auch im fünftürigen Sportback mit schöner Laufruhe und einem dezenten Klangbild, das nur unter Last an einen halbierten Boxer-Porsche erinnert.
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Die Mercedes A-Klasse dürfte etwas alltagstauglicher sein

Dass die Mercedes A-Klasse mit ihren kleinen Scheiben unübersichtlich ist, verbessert auch kein Facelift.

Da dringt herzlich wenig durch die solide Karosserie, die in Steifigkeit, Verarbeitung und Platzangebot kein Facelift nötig hatte. Neu sind nur Details: das teure Cockpit-Kino (gibt’s nur mit MMI Navigation plus für 2950 Euro), Xenon Serie, der Drehknopf scrollt jetzt in die sinnvolle Richtung – rechtsrum ist abwärts. Runter ging’s auch bei der Ausstattung: Die vielseitigen Lüftungsdüsen sind seit dem Facelift ebenso verschwunden wie der Sparmodus Efficiency in der Programmwahl, zumindest beim 1.0 TFSI. Hier wird an Premium gespart. Dass der A 180 unterm Strich nicht an den Audi herankommt, liegt an den Geburtsfehlern, die auch kein Facelift heilen kann: Er ist wegen der kleinen Scheiben unübersichtlich, im Fond eng und beim Einsteigen hinten eher Yoga-Übung als alltagstauglich. Kofferraum? Auch aua!
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Im Testwagen störten zudem wieder die Sportsitze, deren Kopfstützen im Blickfeld stehen und die den Nacken nach vorne drücken – Käufer wählen besser die aufpreisfreien Komfortsitze. Unglücklich auch die Kombination von 16-Zoll-Rädern mit Verstelldämpfung. Bei tiefen Löchern taucht die unterdämpfte Vorderachse in "Comfort" bis zum Anschlag ein und rumpelt unschön.

In Sachen Agilität schlägt der Audi den Mercedes

Besser abgestimmt: Auch ohne Verstellfahrwerk liegt der A3 Sportback besser als die Mercedes A-Klasse.

Das macht der Audi besser, ganz ohne Verstellfahrwerk und einfach im Vertrauen auf seine gelungene Grundabstimmung. Im getesteten Sport (1900 Euro extra) kosten die flachen 17-Zoll-Räder zwar einiges an Abrollkomfort, dafür wieselt der 129 Kilo leichtere A3 agil und mit schönem Grip um Kurven. Zudem bremst der Audi dank breiterer Profile klar besser. Wer bei den Kompakten den Fahrspaß sucht, dem hüpft beim A3 das Herz in der Brust. Das bleibt leider im Stadtverkehr manchmal stehen. Denn die S tronic, sonst ganz die hilfreiche Automatik, verschläft ausgerechnet an der Ampel im Start-Stopp-Modus das Anfahren. Es wird grün, doch die Kupplung erledigt den Kraftschluss so langsam, dass der Hintermann schon hupt: "Pennst du?" – "Nein, nur mein Getriebe." Start-Stopp ausschalten hilft nur wenig, also raten wir: Zum 1.0 TFSI passt nur die Handschaltung.

Die 2000 Euro für die S tronic steckt man besser in Soundanlage oder Assistenten, zudem sind die Grundpreise um 500 Euro gestiegen. Mercedes langt da noch kräftiger hin: Fürs (schlechtere) Comand 3641 Euro zu verlangen, das nennt man – ähh – Premium!
Fahrzeugdaten Audi Mercedes
Modell A3 Sportback 1.0 TFSI A 180
Motor Dreizylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette
Hubraum 999 cm³ 1595 cm³
kW (PS) bei 1/min 85 (115)/5000 90 (122)/5000
Nm bei 1/min 200/2000 200/1250
Vmax 206 km/h 202 km/h
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 Y 205/55 R 16 H
Reifentyp Dunlop Sport Maxx RT Michelin Energy Saver
Radgröße 7,5 x 17" 6,5 x 16"
Abgas CO2 104 g/km 121 g/km
Verbrauch* 5,4/4,0/4,5 l 6,8/4,3/5,2 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 8,5 l/100 km 9,7 l/100 km
Testrunde*** 6,2 l/100 km 6,6 l/100 km
Sparverbrauch**** 5,0 l/100 km 5,7 l/100 km
Tankinhalt 50 l/Super 50 l/Super
Kältemittel R1234yf R134a
Vorbeifahrgeräusch 69 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1300/630 kg 1200/695 kg
Kofferraumvolumen 380–1220 l 341–1157 l
Länge/Breite/Höhe 4313/1785–1966/1426 mm 4299/1780–2022/1433 mm
Testwagenpreis 31.050 Euro 33.213 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Audi Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 4,2 s 3,6 s
0–100 km/h 10,9 s 9,0 s
0–130/0–160 km/h 18,7/31,4 s 14,7/23,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,7 s 4,7 s
80–120 km/h 8,0 s 6,2 s
Leergewicht/Zuladung 1288/472 kg 1417/518 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 63/37 %
Wendekreis links/rechts 10,9/10,9 m 11,2/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 34,3 m 36,7 m
aus 100 km/h warm 34,3 m 37,7 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 63 dB (A) 64 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,2 l S – 147 g/km 6,6 l S – 157 g/km
Reichweite 805 km 755 km

Audi A3 mit kleinstem Benziner gegen A-Klasse

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi A3 Sportback 1.0 TFSI und Mercedes A 180 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

29.07.2016

Preis:

1,00 €

Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Der Dreizylinder passt für ruhige Gemüter zum A3 – jedoch nicht mit der S tronic. Der Vergleich beweist erneut, dass die Hubraumzwerge auf dem Papier mehr sparen als im Alltag. Anders gesagt: Der Vierzylinder der A-Klasse schummelt bei der Verbrauchsangabe weniger. Was nichts daran ändert, dass der A3 der überlegene Kompakte ist.

Stichworte:

Kompaktklasse

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