Audi A5/Hyundai Genesis Coupé: Vergleich
Muss der Audi A5 sich fürchten?

Das neue Hyundai Genesis Coupé fordert den edlen Audi A5 zum Duell: 9000 Euro günstiger, mit sportlichem Hinterradantrieb, eine selbstbewusste Kampfansage. Klingeln die Alarmglocken?
- Jörg Maltzan
Zufall? Oder Absicht? Das neue Hyundai rollt zum ersten Vergleichstest exakt im gleichen Rot vor wie der Audi A5. Reine Angriffslust. Und ein selbstbewusster Auftritt, denn mit dem sportlichen Zweitürer sehen sich die Koreaner offenbar schon auf Augenhöhe mit den deutschen Premiummarken. Sogar VW erkennt Hyundai als "starke neue Kraft" an. Na, wenn das kein Ritterschlag ist. Der rote Fernost-Flitzer darf also durchaus als Kampfansage an den vornehmen A5 gelten. Zumal der Genesis mit einem Preisvorteil von rund 9000 Euro sowie fünf statt zwei Jahren Garantie Coupéliebhaber derart heftig anflirtet, dass selbst patriotische "Made-in-Germany-Verfechter" schwach werden könnten.
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Der 2+2-Sitzer erreicht mit 4,63 Metern exakt A5-Länge, auch die Motoren liegen auf dem Papier gleichauf: Audis Vierzylinder holt aus zwei Liter Hubraum 211 PS, das gleich große Hyundai-Triebwerk sogar 214 PS – beide natürlich mit Turbo. Das lässt ein spannendes Duell erwarten. Bei der Agilität sollte der Hyundai sogar vorn liegen. Zielt er doch mit seinem neuen Hinterradantrieb (aus Korea, Respekt!) in Richtung BMW, während der Audi als Fronttriebler keine Handlingwunder vollbringen kann. Entsprechend vorlaut legt der Hyundai los. Bereits beim Druck auf den Startknopf – Keyless-Go gibt es gegen Aufpreis – nervt der Vierzylinder. Er klingt keine Spur sportlich, sondern brummig, unangenehm laut. Besonders auf der Autobahn müssen Hyundai-Fahrer sich einiges anhören. Zum kräftigen Motorrumoren gesellt sich gleich eine ganze Sammlung von Dröhnfrequenzen. Heftige Reifen- und Windgeräusche untermalen das Wummern der Kardanwelle.
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Bild: Sven Krieger
So ein Zappelphilipp fordert eine feste Hand. Doch mit präziser Lenkung kann er ebenfalls nicht dienen, obwohl er als Hecktriebler die besten Voraussetzungen dafür hat. Stattdessen spricht sie verzögert an, zeigt wenig Rückmeldung und neigt im Extremfall sogar zum Verhärten. Mag sein, dass den Entwicklern diese Marotten bewusst waren und sie deshalb die elektronische Fahrhilfe entsprechend rigide ausgelegt haben. So spricht das ESP bereits bei schneller Geradeausfahrt über Bodenwellen an. Der Regeleingriff erinnert an einen Pauker, der ungezogene Schüler mit Rohrstock-Schlägen bändigt. Nein, Freunde, für Autos gibt es feinere Erziehungsmethoden. Selbst wer dem Koreaner all das nachsieht, wird spätestens beim Nutzwertvergleich mit dem Audi nachdenklich. Bei gleicher Länge und größerem Radstand fasst sein Kofferraum über 100 Liter weniger. Das Gepäck muss durch eine schmale Luke mit hoher Ladekante in den Kofferraum gefädelt werden.
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Bild: Sven Krieger
Und wo stecken im Hyundai all die kleinen Finessen, die den A5 auszeichnen? Kein Komfort-Blinker, kein selbsttätig öffnender Heckdeckel, kein tiefenjustierbares Lenkrad, von Technikoptionen wie Totwinkelwarner oder aktivem Fahrwerk ganz zu schweigen. Darum: Dass der Hyundai so rot daherkommt, ist weder Zufall noch Absicht, sondern eher Scham.
Fazit
Oje, was ist nur aus dem Hyundai Coupé geworden! Ich mochte den frontgetriebenen Vorgänger. Er war mein Geheimtipp für Coupéfans, die keinen VW Scirocco mögen. Und nun das: Der Genesis ist größer, stärker und will in der gehobenen Liga mitspielen. Aber dafür reicht es nicht. Innen bietet er weniger Platz als der Audi A5, und sein lauter Vierzylinder wirkt veraltet und säuft. Also: Wenn schon Genesis, dann bitte den V6 mit Automatik.
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