Drei Sportlimousinen im Test

Audi S4/Jaguar XE S/Mercedes-AMG C 43: Test

— 06.12.2016

S geht voran

Der neue Audi S4 möchte die sportliche Mittelklasse anführen. Müssen Jaguar XE S und Mercedes-AMG C 43 jetzt zurückstecken?

Video: Audi S4 (2016)

Der A4 mit Extra-Punch

Drei Liter, verteilt auf sechs Zylinder, sind derzeit das Maß der Dinge in der sportlichen Mittelklasse. Uneinigkeit herrscht allerdings noch hinsichtlich des Aufladungsprinzips: Audi nutzt beim flammneuen S4 einen Turbolader, Mercedes-AMG beim ebenfalls noch taufrischen C 43 deren zwei, Jaguar vertraut beim Topmodell des seit gut anderthalb Jahren produzierten XE hingegen auf einen Kompressor nach Roots-Bauart. Per Riemen angetrieben, hat dieser den Vorteil eines praktisch verzögerungsfreien Ansprechverhaltens.

Die Maschine des Jaguar XE S gibt sich drehfreudig

Spontaner Beschleuniger: Der Kompressor-V6 im Bug des XE S reagiert am schnellsten auf Gaspedalbefehle.

Und tatsächlich reagiert der V6-Motor des Jaguar XE S in diesem Vergleich am direktesten auf Gaspedalbewegungen, baut sein Drehmoment linear auf und ist überdies sehr drehfreudig. Ein wirklich sportlicher Motor, dessen fröhlich singender Verdichter auch den Ohren viel Vergnügen bereitet. Seine gleichmäßige Kraftentfaltung und das damit einhergehend erst bei 4500 Umdrehungen anliegende Maximaldrehmoment lässt ihn im alltagsrelevanten Durchzugsvermögen allerdings ein wenig hinter die Mitbewerber zurückfallen. Der Jaguar ist alles andere als durchzugsschwach, doch die Turbo-Kraftmeier von Audi und Mercedes-AMG packen hier noch entschlossener an, kennen ein Turboloch nur aus Erzählungen. Dies überrascht insbesondere beim Audi, da er sich mit nur einem, entsprechend groß dimensionierten Lader begnügt, der zumindest in der Theorie träger auf Touren kommen müsste als die beiden Turbinchen des Mercedes-AMG.
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Bei Mercedes setzt man auf knackige Abstimmung

Knackiger Benz: Schon im Comfort-Modus ist der C 43 straff abgestimmt – und er lässt sich weiter schärfen.

Sein wirklich sportliches Fahrverhalten erkauft sich der XE S nicht mit einem brettharten Fahrwerk, vielmehr spricht es fein an und federt komfortabel – ein Beweis dafür, dass sich Komfort und Dynamik bei einem Straßenauto nicht ausschließen müssen. Deutlich straffer ist der Mercedes-AMG abgestimmt. Schon auf den ersten Metern im Fahrprogramm Comfort fühlt er sich sehnig, ausdefiniert, verbindlich an. Wenngleich die Neunstufen-Wandlerautomatik noch im Schlummermodus verweilt und im Dienste eines möglichst niedrigen Verbrauchs früh hoch- und nur widerwillig zurückschaltet. Das Ganze erinnert an ein Ferngespräch: Die stattliche Motorleistung ist zwar vorhanden, aber irgendwie weit weg. In den Fahrmodi Sport und Sport Plus ist die Automatik dann jedoch hellwach; auch Motor, Lenkung und Fahrwerk werden bissiger. Die Lenkung selbst agiert mit vorbildlicher Präzision, direkter Übersetzung und guter Rückmeldung.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Der Biturbo-V6 geht subjektiv am mächtigsten vorwärts, wenngleich er den zurückhaltend klingenden Ingolstädter objektiv nicht wirklich abschütteln kann. Dennoch rechtfertigen die Fahrleistungen den AMG-Schriftzug am Heck allemal. Der rauchige Auspuffton, garniert mit leckerem Ballern beim Zurückschalten, tut ein Übriges, um den C 43 spontan zum sportlichsten Teilnehmer dieses Vergleichstests zu bestimmen.
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Der Audi S4 empfiehlt sich als sportliche Fahrmaschine

Zügig ums Eck: Mit der optionalen Dynamiklenkung wechselt der Audi S4 ultrazackig die Fahrtrichtung.

Die Mischbereifung, die der AMG auch in der serienmäßigen 18-Zoll-Besohlung fährt, scheint hier fehl am Platz, rundum gleich breite Reifen könnten das Eigenlenkverhalten sicherlich deutlich neutraler gestalten. So handhabt es Audi: Der Testwagen rollt auf vier identischen Hankooks in maßvollen 18 Zoll, dafür aber 245 Millimeter breit. Im Vergleich zu den großen 19-Zöllern der Mitbewerber wirkt das auf den ersten Blick zwar etwas schüchtern, funktioniert dafür aber bestens. Dank des hecklastigen Allrads (60:40) und des aktiven Sportdifferenzials in der Hinterachse (1350 Euro Aufpreis) kennt der S4 kein Untersteuern, biegt mit der extrem direkt übersetzten Dynamiklenkung (1000 Euro) ultrazackig ab, verkeilt sich im Asphalt, zieht neutral bis hauchzart übersteuernd durch. Dabei ist er sauschnell und dank des Allrads zudem extrem fahrstabil – auch und gerade auf nassen Straßen, die es hierzulande ja häufiger gibt. Mag das Fahrverhalten des Jaguar im Grenzbereich spektakulärer sein, schneller und gleichzeitig fahrsicherer ist der Audi. Und natürlich auch auf Schnee ist der Ingolstädter, wie der Mercedes, besser gewappnet als der heckgetriebene Jaguar.
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Mit seiner exzellenten Fahrdynamik geht der S4 aber keineswegs hausieren: Hinter seiner vergleichsweise unspektakulären Front könnte auch ein 1.4 TFSI sitzen, und von der Seite betrachtet ist es einfach ein A4. Der Laie erkennt lediglich an den vier Endrohren sowie dem kleinen Heckspoiler das derzeitige Topmodell. Dicke Funken springen beim Betrachten des technokratisch-kühlen S4 jedenfalls nicht über, vielleicht hebt sich Audi das ganz große Feuerwerk ja für den RS 4 auf.

Weitere Details zu den drei Sportlimousinen sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi Jaguar Mercedes-AMG
Modell S4 XE S C 43
Motorbauart V6 V6 V6
Aufladung/Ladedruck Turbo/1,3 bar Kompressor/0,9 bar Biturbo/1,1 bar
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 2995 cm³ 2995 cm³ 2996 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 89,0 mm 84,5 x 89,0 mm 88,0 x 82,1 mm
Verdichtung 11,2:1 10,5:1 10,7:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 260 (354)/5400-6400 250 (340)/6500 270 (367)/5500-6000
Literleistung 118 PS/l 114 PS/l 122 PS/l
Nm b. 1/min 500/1370-4500 450/4500 520/2000-4200
Antrieb Allrad Hinterrad Allrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik 8-Stufen-Automatik 9-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 350 mm/innenbel. 350 mm/innenbel. 360 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 330 mm/innenbel. 325 mm/innenbel. 320 mm/innenbel.
Bremsscheibenmaterial Stahl Stahl Stahl
Radgröße vorn – hinten 8 x 18 8 x 19 – 8,5 x 19 7,5 x 19 – 8,5 x 19
Reifengröße vorn – hinten 245/40 R 18 225/40 – 255/35 R 19 225/40 – 255/35 R 19
Reifentyp Hankook Ventus S1 Evo² (AO) Dunlop Sport Maxx RT Conti SportContact 5P (MO)
Länge/Breite/Höhe 4745/1842/1404 mm 4672/1850/1416 mm 4686/1810/1442 mm
Radstand 2825 mm 2835 mm 2840 mm
Tankvolumen 58 l 63 l 66 l
Kofferraumvolumen 480-965 l 450-830 l 480 l
Testwagenpreis 61.650 Euro 56.263 Euro 64.546 Euro
Messwerte Audi Jaguar Mercedes-AMG
Beschleunigung
0- 50 km/h 1,7 s 1,9 s 1,8 s
0-100 km/h 4,6 s 5,1 s 4,5 s
0-130 km/h 7,4 s 8,0 s 7,1 s
0-160 km/h 10,8 s 11,9 s 10,6 s
0-200 km/h 17,6 s 19,5 s 17,2 s
0-402,34 m (Viertelmeile) 12,98 s 13,51 s 12,88 s
Vmax 250 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt)
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang) 3,6/4,7 s 5,0/7,3 s 3,4/4,7 s
80-120 km/h (5./6. Gang) 4,8/6,3 s 4,8/6,8 s 4,6/5,7 s
80-120 km/h (7./8. Gang) 7,8/11,5 s 9,0/12,6 s 6,8 s/–
Bremsweg
100-0 km/h kalt 33,7 m 33,5 m 33,4 m
100-0 km/h warm 33,1 m 34,5 m 35,0 m
200-0 km/h warm 142,0 m 141,7 m 142,7 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,2 l Super 10,6 l Super Plus 11,1 l Super Plus
Reichweite 520 km 600 km 590 km
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 1723/477 kg 1698/522 kg 1692/533 kg
Gewichtsverteilung v/h 57/43 % 53/47 % 57/43 %
Leistungsgewicht 4,9 kg/PS 5,0 kg/PS 4,6 kg/PS

Mittelklasse-Sportler im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi S4, Jaguar XE S und Mercedes-AMG C43 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

11.11.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Florian Neher

Fazit

Mit optionalem Sportdifferenzial fährt der Audi S4 seinen Mitbewerbern um die Ohren, ganz lässig und unaufgeregt, immer handzahm und voll alltagskompatibel. Der heckgetriebene Jaguar stellt höhere fahrerische Ansprüche und gefällt mit seiner feinen Lenkung und dem perfekt abgestimmten Fahrwerk. Der Mercedes-AMG lebt von seinem starken Motor, wird aber vom untersteuernden Eigenlenkverhalten etwas eingebremst.

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