BMW 7er (1994-2001)

Gebrauchtwagen BMW 7er Gebrauchtwagen BMW 7er

BMW 7er (1994-2001)

— 31.07.2003

Luxus zum Sozialtarif

Seidenweicher Motorenlauf, edles Leder und beste Verarbeitung klingen teuer. Muss aber nicht sein, wie die gebrauchte 7er-Reihe von BMW zeigt.

Unterhalt und Qualität

Lude, Luder oder Lottogewinner – der mächtige BMW E38 gibt selbst zwei Jahre nach Produktionseinstellung den Nachbarn Grund zur Spekulation. Auch wenn es mittlerweile einen neuen 7er gibt, sieht das alte BMW-Dickschiff noch immer wie ein Auto gewordener Haupttreffer aus. Für relativ wenig Geld parkt die Konzernlenker- Limousine nach einigen Jahren selbst vor dem Sozialbau.

Ein 728i aus 95 kostet so viel wie ein neuer Lada Samara, zum Preis eines Golf gibt es einen fünf Jahre alten 740i mit Topausstattung und 286 PS. Aber langsam, erst mal den Rechenstift zücken. Gleich nach der Zulassung ist die Steuer fällig, macht bei Euro 2 pro 100 Kubikzentimeter Hubraum 6,14 Euro im Jahr. Für den 2,8-Liter sind das schon 172 Euro. Einige Tage später kommt Post von der Versicherung, die verlangt etwa 1240 Euro für die Haftpflicht. Bei einem Verbrauch von 15 Liter Super fehlen nach 100 Kilometern ungefähr 16 Euro aus dem Tank.

Bei den Inspektionskosten naht Hilfe von BMW: Wer etwa bei der Hamburger Niederlassung einen gebrauchten E38 least, bekommt für zusätzlich zwölf Euro pro Monat die Wartung umsonst. Großes Geld, großer Wagen – das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Nach fünf Jahren kostet der Wagen nur noch ein Drittel des Neupreises; was bleibt, sind gediegene Materialien, beste Verarbeitung und ein Fahrwerk der Spitzenklasse.

Technik und Kosten

Der TÜV sieht das Fahrwerk nicht ganz so unkritisch; denn die Hinterachse gilt als beliebter Mängelkandidat. Damit ist aber auch schon Schluss mit der Kritik am Fahrwerk. Trotz guter TÜV-Noten verlangen die Bremsen gebrauchter Fahrzeuge genaue Betrachtung. Selbst ein 728i bringt ein Leergewicht von 1775 Kilogramm auf die Achsen und wird meist auf Autobahnen gefahren. Für Scheiben und Klötze ist jede Pedalbewegung ein aufreibender Kraftakt, hier lohnt vor dem Kauf stets ein Kontrollblick.

Die Auspuffanlage hält länger als manche Ehe, Stoßdämpfer sollten nach 100.000 Kilometern vorsorglich auf einer Rüttelplatte (bei TÜV oder ADAC) getestet werden. Schaltet nach etwa 200.000 Kilometern die Automatik nicht sauber, kann ein spezialisierter Getriebe-Instandsetzer meist billiger als der BMW-Mechaniker helfen.

Wer einen gebrauchten E38 sucht und ohne unnötige finanzielle Opfer glücklich werden möchte, steuert besser die nächste Markenniederlassung an. Deren Fahrzeuge sind für gewöhnlich perfekt aufbereitet, und mit Leasing inklusive Wartungsvertrag bleibt das Abenteuer Auto finanziell kalkulierbar. Der Wiederverkauf ist dann auch nicht mehr das Problem des Leasingnehmers.

Billig ist der Spaß allerdings nicht, und wer sparen muss, sollte sich niemals vom günstigen Gebrauchtwagenpreis täuschen lassen. Also besser mal vor der Probefahrt nüchtern sämtliche Kosten am Küchentisch kalkulieren und einen Reparaturfonds berücksichtigen. Denn wer erstmals die langstreckentauglichen Ledersitze gerochen hat, will nur selten wieder aussteigen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 7/77 Einführung der Modellreihe, Ablösung von 2500 bis 3.3Li 9/86 Modellwechsel (E32) 9/87 Erster deutscher Nachkriegs-Zwölfzylinder im 750i/750iL 3/92 Einführung der V8-Motoren im 730i und 740i 5/94 Modellwechsel (E38) 9/94 Neuer 750i mit 5,4-l-V12, 326 PS 3/96 Vorstellung des 725tds, V8 auf 3,5 und 4,4 l aufgestockt 9/98 Facelift, Einführung von 730d und 740d 7/01 Der letzte E38 fährt am 27. in Dingolfing vom Band, Nachfolger E65

Schwachstellen • die Hinterachse weist häufig zu viel Spiel auf • die Elektrik verwöhnt mit vielen Kunststücken, saugt allerdings vor allem bei Kurzstrecken rasch die Batterie aus • die Bremsanlage hat mit dem schweren BMW so ihre Probleme und neigt zu hohem Verschleiß • Wasserschläuche zeigen bei den Baujahren ab 95 Schwächen. Werden sie porös, können sie platzen. Im schlimmsten Fall sind danach neue Zylinderkopfdichtungen erforderlich • das Automatikgetriebe gilt als solide, nur Anhängerbetrieb ist nicht so sein Fall • sind die Abläufe der Klimaanlage mit Schmutz verstopft, dringt Wasser in den Innenraum

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel BMW 730i, 160 kW/218 PS, Baujahr 96. Kaum zu glauben: Teile wie Wasserpumpe, Motor oder Hinterachsgetriebe sind für einige E38 nur noch als Austausch und nicht als Neuteil lieferbar!

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der BMW 7er der Baureihe E 38 fällt bei unseren Hauptuntersuchungen als sehr robustes Fahrzeug positiv auf. Dennoch gibt es einige Kritikpunkte, die wir wiederholt feststellen müssen: So wird die Hinterachse sehr häufig beanstandet, ebenso das Lenkungsspiel der Drei- und Siebenjährigen. Nach drei und fünf Jahren wirft die vordere Beleuchtungseinrichtung Schatten auf den guten Gesamteindruck. Rost ist für keinen Jahrgang ein Thema." Klaus Lesczynski, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung BMW 728i (142 kW/193 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 172 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 11,1 Liter, gemessen 12,1 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (29/500 Euro SB): 1906 Euro. Teilkasko (37/150 Euro SB): 538 Euro. Haftpflicht (22): 1241 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: verschleißabhängig, 220 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 59 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 3000 Euro Verlust

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