BMW X3/Hyundai Santa Fe: Vergleich

— 12.11.2012

Koreas Kampfansage

Von wegen Billigheimer – mit dem Santa Fe wildert Hyundai bei den deutschen Premiumherstellern. Ist der BMW X3 für den Angriff aus Korea gerüstet?

Die SPD hat ihre K-Frage entschieden. Peer Steinbrück soll Kanzler werden. Auch deutsche Autokäufer sind sich in der K-Frage einig – koreanische Autos sind die Gewinner der vergangenen Jahre. Hyundai hat seine Zulassungen auf dem rückläufigen deutschen Markt seit 2001 mit 86.866 Fahrzeugen jährlich verdreifacht. Eigentlich könnte sich der Großkonzern auf diesen Lorbeeren ausruhen. Eigentlich. Denn Hyundai gibt sich nicht damit zufrieden, weiterhin VW, Opel und Ford Kunden abzujagen – mit dem SUV Santa Fe attackieren sie frech die deutschen Premiummarken. Vor allem der erfolgreiche BMW X3 ist ins Fadenkreuz der Koreaner geraten. Damit hat sich Hyundai auf ein ganz schön großes Kaliber eingelassen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW X3

Starker Gegner: Der BMW X3 war das erste deutsche Mittelklasse-SUV und ist seit Jahren Marktführer.

Der X3 war das erste Mittelklasse-SUV eines deutschen Herstellers und ist seit Jahren Marktführer. Ist Hyundai schon so weit, gegen den BMW bestehen zu können – oder läuft der Angriff ins Leere? Der Santa Fe ist wohl der erste Koreaner, der nicht aus reiner Ratio gekauft wird. Das SUV ist eine imposante Erscheinung, gekonnt gestaltet – und beherrscht den Spagat zwischen Baumarkt und Nobel-Boutique mit einer Selbstverständlichkeit, die vor ein paar Jahren für asiatische Autos noch undenkbar war. Kompliment. Ein Auftritt, den BMW mit dem X3 perfektioniert hat. Auch er passt in jeder Lebenslage. Trotzdem fahren beide SUVs ein gutes Stück unter der Neidgrenze – wohl auch, weil sie keine Schickimicki-Gefährte à la Porsche Cayenne sind, sondern vor allem als grundsolide Familientransporter taugen. Mit einer Länge von knapp 4,70 Metern sind Hyundai Santa Fe und BMW X3 zwar rund 20 Zentimeter kürzer als ein Oberklasse-Kombi, bieten aber ähnlich viel Platz.

Überblick: Alle News und Tests zum Hyundai Santa Fe

Geräumig: Beim Platzangebot hat der Santa Fe einen deutlichen Vorteil gegenüber dem BMW X3.

Hier kann vor allem der Hyundai punkten. Er ist sowohl in der ersten Reihe als auch im Fond deutlich geräumiger als sein Konkurrent aus Bayern. Vor allem im Fond können sich lange Passagiere fast schon räkeln. Tolles Detail: die längs verstellbare Rückbank. Der BMW kontert mit der besseren Sitzposition und den bequemen, straffen Sportsitzen, die vielfach verstellbar den Aufpreis von 630 Euro wert sind. Überzeugend bei beiden ist die erhöhte Sitzposition – die Übersicht ist vor allem in der Stadt überragend. Die Geschwindigkeit, mit der die Koreaner bei der Qualität aufgeholt haben, grenzt schon an Hochbegabung, wie der Santa Fe eindrucksvoll beweist. Weiche Kunststoffe, sorgsam zusammengefügt, satt rastende Schalter und das Navigationssystem mit hochauflösendem Display stehen dem BMW kaum nach. Kein Wunder, dass Hyundai viel Vertrauen in sein eigenes Produkt hat – und fünf Jahre Garantie auf den Santa Fe gibt.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

BMW musste herbe Kritik für den ersten X3 einstecken. Fahrdynamisch war er zwar nicht zu schlagen, dafür aber zu hart und ruppig abgestimmt. Aber auch Bayern sind lernfähig, der neue X3 ist harmonischer. Obwohl er sich fast so handlich wie ein Pkw fährt, bietet er ordentlichen Komfort. Einzig kurze Stöße pariert der X3 schlecht, trotz des verstellbaren Fahrwerks für 1100 Euro Aufpreis. Gelungen ist hingegen das agile, wieselflinke Fahrverhalten fast ohne Seitenneigung. Dazu passt die Sportlenkung (200 Euro Aufpreis), mit der sich das SUV ähnlich handlich wie ein deutlich kleinerer 3er fährt.

Überblick: SUVs und Geländegänger bei AUTO BILD ALLRAD

In Sachen Fahrwerksabstimmung kann der Hyundai Santa Fe dem BMW X3 nicht das Wasser reichen.

Bei der Abstimmung hält der Hyundai nicht mit. Sein Fahrwerk ist straffer, ohne dass der Santa Fe mit ausgeprägter Dynamik auffällt. Er untersteuert im Grenzbereich brav. Harmlos, aber unsportlich. Zumal das ESP den Santa Fe rigide auf Kurs hält. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den Motoren. Der BMW wirkt trotz niedrigerer Leistung spritziger, wozu die fantastische Achtstufenautomatik mit ihren unmerklichen Schaltvorgängen und kleinen Drehzahlsprüngen beiträgt. Allerdings läuft der BMW- Vierzylinder rau. Der Hyundai wirkt geschmeidiger und leiser, lässt allerdings jede Dynamik vermissen: Die Sechsstufenautomatik schaltet sanft und träge, gemütlich nimmt der Santa Fe beim Tritt aufs Gaspedal Fahrt auf. Subjektiv ist es kaum zu glauben, dass der 2,2-Liter-Selbstzünder fast 200 PS leistet – das fühlt sich am Steuer nach deutlich weniger an. Zusammen mit dem harten Fahrwerk eine etwas unharmonische Kombination. Unterm Strich ist der BMW deutlich feiner austariert, dem Hyundai fehlt es an Feinschliff. Nicht dramatisch, auch der Santa Fe ist ein richtig gutes Auto geworden – wie das Ergebnis von über 500 Punkten im Test zeigt.

Allerdings lässt sich Hyundai die Qualitäten des Santa Fe auch richtig teuer bezahlen. Der Testwagen kommt mit der opulenten Ausstattung "Premium", Technikpaket und Automatikgetriebe auf einen Listenpreis von 45.820 Euro. Obwohl Lederausstattung, Navigationssystem, 19-Zoll-Räder serienmäßig an Bord sind – lieber nicht darüber nachdenken, wie viel das einmal in Mark war. Der BMW kostet (magerer ausgestattet) im Vergleich rund achthundert Euro weniger. Über seinen geringeren Wertverlust gewinnt er das Kostenkapitel. Diese K-Frage ist also auch entschieden.
Fahrzeugdaten BMW Hyundai
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1995 cm³ 2199 cm³
kW (PS) bei 1/min 135 (184)/4000 145 (197)/3800
Nm bei 1/min 380/1750 421/1800
Vmax 210 km/h 190 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Sechsstufenautomatik
Antrieb Allrad permanent Allrad permanent
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 245/50 R 18 Y 235/55 R 19 H
Reifentyp Pirelli Pzero Hankook Ventus Prime 2
Radgröße 8 x 18" 7,5 x 19"
Abgas CO2 147 g/km 178 g/km
Verbrauch* 6,1/5,3/5,6 l 8,9/5,5/6,8 l
Tankinhalt 67 l/Diesel 64 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2400/750 kg 2000/750 kg
Kofferraumvolumen 550–1600 l 534–1680 l
Länge/Breite/Höhe 4648/1881–2098**/1661 mm 4685/1880–2130**/1685 mm
Preis (wird bewertet) 45.080 Euro*** 45.820 Euro****
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln; ***inkl. Automatikgetriebe 2300 €, 18-Zoll-Bereifung 1150 €, Sportsitze 630 €, dynamische Dämpfer 1100 €, Sportlenkung 200 €; ****inkl. Automatikgetriebe 1800 €, Technikpaket 1640 €
Messwerte BMW Hyundai
Beschleunigung
0–50 km/h 2,7 s 3,1 s
0–100 km/h 8,8 s 9,6 s
0–130 km/h 15,3 s 16,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,2 s 5,6 s
80–120 km/h 7,0 s 7,1 s
Leergewicht/Zuladung 1836/479 kg 1886/624 kg
Gewichtsverteilung v./h. 50/50 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 12,0/11,9 m 11,5/11,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,8 m 36,4 m
aus 100 km/h warm 36,7 m 37,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,7 l D – 178 g/km 7,5 l D – 200 g/km
Reichweite 990 km 840 km

Kampfansage

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BMW X3, Hyundai Santa Fe

Veröffentlicht:

01.11.2012

Preis:

1,00 €


Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Der Angriff auf BMW ist Hyundai erstaunlich gut gelungen – auch wenn der Santa Fe den Vergleich nicht gewinnen kann. Dafür fehlt es ihm gegenüber dem rundum geschliffenen X3 vor allem an einer überzeugenden Fahrwerkabstimmung. Beim Antrieb spielt Hyundai hingegen schon jetzt in der obersten Liga mit – Kompliment. Überraschend das Selbstvertrauen der Koreaner bei der Preisgestaltung: Der Santa Fe ist zwar viel besser ausgestattet als der BMW, aber auch teurer.

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Kommentare zum Artikel (9)

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waage6666
24.01.2013, 19:13Uhr

Schade, dass man hier in Deutschland nicht neutral testet. Emotionen, Image oder Lifestyle lassen sich eh nicht objektiv testen, aber um so mehr reine Fakten!
Unabhängig ob man das ein oder andere Zubehör benötigt ist ein gut ausgestattetes Auto auch wertvoller.
Der X3 ist sicherlich ein gutes Auto, aber nicht wie hier geäußert günstiger, vergleichbar ausgestattet sogar um einige tausend Euronen teurer!
Zwar ist der X3 von 0-100 Km/h 0,8 sek. schneller, doch wer will sich mit nem SUV sich im Sprint messen! viel wichtiger sind da praxsisorientierte Messungen z. B. Überholen, und da spielt das Drehmoment eine wichtigere Rolle. Auch die Platzverhältnisse, besonders die Zuladung sind gerade bei aktiven Menschen und Familien ein entscheidender Wert. Allein hier ist der Santa Fe um Welten besser

Hoffi83
17.11.2012, 11:40Uhr

@gmathol. Selten so einen Blödsinn gelesen. Wenn ich mitbekomme was Kollegen, bei VW, Skoda und BMW allein für die Inspektionskosten bezahlen, was soll das denn für ein Wunder sein. Die Werkstattkosten halten sich bei Hyundai absolut im Rahmen. Reine Polemik. Und zu Thema Qualität, Hyundai im AB Report auf Platz 1! Zum Artikel, der BMW hat sich den stärkeren Motor und höhere (für den Leihen kaum wahrnehmbare) Qualität, aber von der Optik und der Ausstattung schlägt der Hyundai den BMW ganz klar. Der BMW wirkt alt und bieder. Und das Image von Hyundai stimmt, eine frische aufstrebende Marke. Passt jedenfalls zu meinem Geldbeutel!

Calo
17.11.2012, 08:15Uhr

Toyota ist die japanische Übersetzung für " Fabrika Italiono Automobile Torino" ? :-))

Die Werkstattkosten bemerkt man, fall sie denn so hoch werden sollten, aber erst nach 5 (Hyundai) oder 7 Jahren (Kia). Vorher ist Garantie!
Da hat BMW auf jeden Fall noch Nachholbedarf. Wenig Vertrauen in ihre Produkte kann da ja eigentlich nicht der Grund sein, so schlecht sind sie wirklich nicht ;-)

gmathol
16.11.2012, 08:37Uhr

Toyota = japanische Uebersetzung von FIAT. Klar der BMW ist teuer - in der Werkstatt erlebt man dann bei Korea und Co. (Japan) sein blaues Wunder.

Calo
14.11.2012, 10:52Uhr

Daimler vor 2 Jahren in den USA wegen Korruption angeklagt, in den 80-ern gab es dort eine Klagewelle gegen Audi wegen angeblich defekten Automatikgetrieben (unintended acceleration) usw. usw. . Sie klagen da auch gerne um große Summen :-)

Toyota startet auch wegen Kleinigkeiten einen Rückruf (z.B. "Fensterheberschalter können ausfallen" ), macht auch nicht jeder Hersteller (Stichwort: "stille Updates" bei Inspektion).
Das soll die Anzahl jetzt aber auf keinen Fall beschönigen (12 Millionen Toyotas seit 2009).

Öffentliche Rückrufe aller Hersteller findet man ja z,B. auf der ADAC-Seite

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