Chevrolet Malibu/Opel Insignia: Test
Die deutsch-amerikanische Feindschaft

Die Konzernbrüder Opel Insignia und Chevrolet Malibu teilen sich die Technik, müssen aber gegeneinander antreten. Ein Vergleich der beiden Limousinen.
Bild: Holger Neu
Müssen wir General Motors eine Rabenmutter schimpfen? Man könnte es fast meinen. Denn während die deutsche Tochter Opel um ihr Überleben kämpft, wird die Schwester Chevrolet gepäppelt. Verrückt, aber wahr: mit Technik, die in Rüsselsheim entwickelt wurde, unterm "Bowtie"-Logo aber billiger verkauft wird. So flickt bereits der Cruze dem Astra am Zeug. Mit dem Trax wird Chevy bald dem neuen Opel Mokka an den Karren fahren. Und auch wenn die Marketingstrategen hartnäckig beteuern, beide Autos sprächen ganz verschiedene Käufergruppen an: In der Mittelklasse balgt sich nun auch noch der Malibu mit dem Insignia. Gibt es sie noch, die deutsch-amerikanische Freundschaft? Oder hängt in der transatlantischen Familie bald der Haussegen schief? Auf zum ersten Vergleich!
Überblick: Alle News und Tests zum Chevrolet Malibu

Kehrt den hemdsärmeligen Ami raus: In Sachen Design macht der Malibu eher auf breitschultriger Macho.
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Überblick: Alle News und Tests zum Opel Insignia

Gut abgestimmt: Der Opel Insignia spricht sowohl sportliche als auch komfortorientierte Fahrer an.
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Der Malibu ist diesbezüglich weder Fisch noch Fleisch. Beim Kurvenkratzen hätte man ihn gern ein wenig straffer, auf schlechten Straßen fehlt es ihm an Feder-Feingefühl. Am besten eignet sich der Chevy als entspannter Cruiser. Dann kommt seine gute Geräuschdämmung zur Geltung, die zu leichtgängige Lenkung stört nicht weiter, und der 2,4-Liter-Benziner bleibt entspannt wie Urlauber an einem Sonnentag am Strand von Malibu. Während Chevrolet nach alter Schule einen Saugmotor unter die Haube packt, folgt Opel der aktuellen Motoren-Mode des "Downsizing" und setzt mit seinem 1.6er-Turbo auf die Kombination aus kleinem Hubraum und Zwangsbeatmung.
Das bringt zwar einen Steuervorteil, sonst aber nicht viel. Auf dem Prüfstand springt nur ein mickriger Zehntelliter Verbrauchsvorteil heraus, und in der Praxis zeigt sich, dass der turbountypisch erst in höheren Drehzahlen wach werdende Opel-Motor bei stärkerem Leistungsabruf auch einen ganz schön anständigen Schluck aus der Pulle nimmt. Kommt es zum Bruderzwist? Vielleicht. Der Malibu ist weder Marshmallow-weicher Straßenkreuzer noch klappriger Dünnblech-Koreaner, sondern eine sehenswerte, wenn auch einfacher gestrickte Limousine nach dem Muster "viel Auto fürs Geld". Lückenlose Ausstattung und fairer Preis machen ihn zu einem ernst zu nehmenden Player in der Mittelklasse. Ernster, als Opel derzeit lieb sein dürfte.
Technische Daten Chevrolet Malibu 2.4 Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2384 cm³ • Leistung 123 kW (167 PS) bei 5800/min • max. Drehmoment 225 Nm bei 4600/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Länge/Breite/Höhe 4865/1855–2131/1465 mm • Radstand 2737 mm • Leergewicht 1595 kg • Kofferraumvolumen 545 l • 0–100 km/h 9,5 s • Spitze 204 km/h • Verbrauch EU-Mix 7,8 l Super • CO2 184 g/km • Preis ab 29.990 Euro.
Technische Daten Opel Insignia 1.6 Turbo Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 132 kW (180 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 230 Nm bei 2200/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Länge/Breite/Höhe 4830/1856-2084/1498 mm • Radstand 2737 mm • Leergewicht 1503 kg • Kofferraumvolumen 500 l • 0–100 km/h 8,9 s • Spitze 225 km/h • Verbrauch EU-Mix 7,7 l Super • CO2 179 g/km • Preis ab 30.450 Euro.
Fazit
Malibu, das klingt nach lockerem Leben unter der kalifornischen Sonne. Bei Opel wären sie in diesen trüben Tagen schon froh, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. In einer solchen Situation dürften sich die Rüsselsheimer über konzerninterne Konkurrenz kaum freuen – auch wenn der Insignia im Vergleich das spürbar bessere, weil feiner geschliffene Auto ist.
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