Crashtest Dacia Logan und VW Golf IV

Crashtest Dacia Logan Crashtest Dacia Logan

Crashtest Dacia Logan und VW Golf IV

— 15.04.2005

Aus einem kommen Sie heil raus ...

... raten Sie mal, aus welchem. AUTO BILD hat einen alten Golf und einen neuen Logan gegen die Wand gefahren. Das Ergebnis tut weh.

Logan – ein Star oder nur ein Stern?

"Noch zwei Minuten", tönt es aus den Lautsprechern. Der Countdown der letzten Dienstfahrt des Dacia läuft. Auf der Indoor-Crashanlage der DEKRA in Neumünster wollen wir ihn gegen die Wand fahren. Uns interessiert, wie gut das neue Billigauto Logan einen Frontal-Crash wegsteckt. Und zwar mit 64 km/h nach den Kriterien des Euro-NCAP-Crashtests. Die Kernfrage lautet: Ist der Renault aus Rumänien ausreichend sicher, oder wurde bei seiner Konstruktion etwa am falschen Ende gespart? Als Vergleichsfahrzeug haben wir uns einen gleich teuren, fünf Jahre alten Golf IV mit 60.000 Kilometern auf dem Tacho ausgesucht.

Für die Konstruktion des Logan zeichnet Renault verantwortlich, laut Eigenwerbung der "créateur d'automobiles" und mit diversen Modellen im Programm, die nach Euro-NCAP bereits die Höchstwertung von fünf Sternen erhalten haben (Modus, Mégane, Scénic, Laguna, Vel Satis, Espace). Gut nachzulesen unter www.euroncap.com.

Erste Schwäche: eine verkeilte Fahrertür

Für den Dacia Logan geben die Franzosen lediglich drei Sterne an – ein Niveau, das heute von den meisten Neuwagen dieser Klasse überschritten wird. Der Grund ist klar: Das Auto soll billig verkauft werden und darf deswegen bei der Entwicklung keine Unsummen verschlingen. Also wird ins Teileregal gegriffen – die Plattform kommt von Modus und Nissan Micra, Motoren vom Clio – und kräftig gespart. So auch bei der Sicherheit. Statt neuester Technik wird auf preiswerte Lösungen der Vergangenheit zurückgegriffen. Was prinzipiell kein Nachteil sein muß. Wichtig ist nur, was beim Unfall tatsächlich passiert. Und das simulieren wir jetzt auf der Crashbahn.

Mit betäubendem Knall prallt der Logan gegen die Barriere, springt nach rechts zurück. Dampf steigt auf. Der erste Eindruck: gar nicht so schlecht. Die Fahrgastzelle ist weitgehend stabil geblieben, der Vorderwagen bis zur A-Säule zusammengeschoben. Beide Airbags haben gezündet, die Dummys sind in akzeptabler Position.

Dann das erste Drama: Die Fahrertür läßt sich nicht öffnen. Erst mit roher Gewalt und mächtigen Werkzeugen können wir die verkeilte Tür aufbrechen. Ursache: Das einfache Türschloß mit Schließzapfen hat sich ins Blech gebohrt. Renault wußte das, hat aber an dieser Billiglösung festgehalten. Denn vom Gesetzgeber ist lediglich vorgeschrieben, daß nur eine Tür zu öffnen sein muß. Fatal. Denn was tun die Retter am Unfallort, wenn genau diese "gute" Seite durch ein Hindernis blockiert ist?

Zweite Schwäche: Kopf und Füße in Gefahr

Zweites Drama: katastrophale Werte für die Dummys – wo sonst echte Menschen sitzen. Die Köpfe wurden so stark abgebremst, daß mit schlimmen Hirnschäden oder sogar mit dem Tod zu rechnen wäre. Der Grund dafür: Im Logan ist ein uraltes Gurtsystem ohne Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer eingebaut. So fallen die Insassen zunächst in den laschen Gurt, um dann ungleich härter abgebremst zu werden.

Da halfen die Airbags auch nicht mehr viel, zumal sie rund zehn Millisekunden zu spät gezündet und zu früh das Treibgas abgeblasen hatten. Aber das war noch nicht alles. Der Blick in den Fußraum des Fahrers zeigte ein weiteres Risiko: Das Kupplungspedal ragte steil nach oben. Bombenfest. Schlimme Knöchelverletzungen sind da programmiert.

Insgesamt ein sehr schlechtes Ergebnis für den Logan. Ist der Rumäne wirklich so unsicher, oder war dieser Verlauf nur ein Einzelfall? Um ganz sicherzugehen, starteten wir einen zweiten Crash. Ergebnis: kaum besser. Allenfalls die Airbags zündeten ein wenig präziser, der Rest siehe oben. Die Spannung steigt: Wie würde dagegen der alte Golf abschneiden?

Beim Golf ist alles im grünen Bereich

Ein Knall – das gleiche Bild beim Golf. Zerknautschter Vorderwagen, stabile Fahrgastzelle. Doch der Rest ist nicht vergleichbar. Die Fahrertür läßt sich ohne Werkzeug öffnen, die Dummywerte für den Kopf sind im absolut grünen Bereich. Hier zahlt sich aus, daß der Golf nicht nur über eine perfekt funktionierende Knautschzone verfügt, sondern auch über ein effektives Gurtsystem mit Straffer und Gurtkraftbegrenzer. All das funktioniert nach fünf Jahren bei einem gebrauchten Golf so gut wie am ersten Tag.

Müssen wir jetzt also den Logan verdammen? Keineswegs. Nur etwas anders betrachten. Fakt ist: Es ist wirklich ein peiswertes Auto (ab 17. Juni ab 7200 Euro) mit hohem Nutzwert (groß, viel Platz). Aber: Er war für uns gar nicht vorgesehen, sondern wir haben ihn von den osteuropäischen Nachbarn geerbt. Als günstige und einfach strukturierte Stufenhecklimousine für Menschen, die ihre Autos primär nach Funktionalität, Robustheit und Preis kaufen und nicht zu allererst die Frage nach der Sicherheit stellen.

Bei uns aber geht’s auf überfüllten Straßen um andere Dinge – und in diesem Umfeld muß sich der Logan behaupten. Sein größter Trumpf ist dabei sein Preis. Ob er ihn wert ist, muß nach diesem Test jeder für sich entscheiden.

Fazit und Belastungswerte

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Es sieht nicht gut aus für den Logan. Zwar bleibt seine Fahrgastzelle intakt, jedoch sorgt sein veraltetes Gurtsystem ohne Straffer und Kraftbegrenzer für überdurchschnittlich hohe Kopfbelastungen. Werte, die wir die vergangenen zehn Jahre nicht mehr gesehen haben. Auch das Eindringen der Pedalerie kann zu schweren Fußverletzungen führen. Unser Gebraucht-Golf-IV liefert Sicherheit auf hohem Niveau und beweist zusammen mit dem Fahrvergleich eindeutig: Er ist der in jeder Hinsicht bessere Kauf.

Autor: Michael Specht

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